Kulmbach — Drei neue Cajóns (Kistentrommeln) hatte eine Abordnung der Kulmbacher Kiwanis, mit Präsidentin Anja Gimpel-Henning an der Spitze, dabei, als sie die Awo-Tagesstätten in der Hannes-Strehly-Straße besuchten. Lena, Lukas und Svenja waren die Ersten, die die drei neuen, aus Peru stammenden Musikinstrumente in Besitz nehmen und ausprobieren durften. Und sie hatten gleich viel Spaß damit.
Ergo- und Gestalttherapeutin Elke Weidinger verbreitete angesichts der Geschenke gleich überall gute Laune. Sie weiß, dass die Arbeit an diesen Instrumenten sehr viel im Gehirn bewirken kann. "Kommunikation über Trommeln ist eine ganz andere als über die Sprache. Hier wird der ganze Körper mit einbezogen. Die Kinder spüren sehr viel, sie nehmen dabei auch sehr viel wahr. Wir sind ja ein Resonanzkörper."


Konzentration wird gefördert

Das merke man spätestens, wenn man mal eine Trommel oder ein anderes Klanginstrument vor den Bauch hält. "Bei Gruppen, die eine halbe Stunde im ähnlichen Rhythmus musizierten, wurde festgestellt, dass sich die Zentren der Menschen, die das machen, alle angleichen. Das fasziniert mich immer total." Und: "Durch das Erlernen von Trommelliedern werden die Improvisation, die Konzentration und die Wahrnehmung gefördert." Diplom-Sozialpädagogin (FH) Friederike Ködel weiß um die Bedeutung der musikalischen Arbeit in ihrem Bereich: "Bei unserem Projekt ,Schwarzlicht-Theater‘ im letzten Jahr waren bereits Trommeln im Einsatz. Da haben wir schon gemerkt, wie viel Freude das den Kindern gemacht hat. Das Sozialverhalten der Teilnehmer wird spürbar verbessert. Und viele unserer Behinderten können auch die Veeh-Harfe gut spielen, die in der sozialen Arbeit, in der Arbeit mit behinderten Menschen, Anwendung findet. Dieses Zupfinstrument hat Ende der 1980er-Jahre ein Bauer aus Unterfranken für seinen mit dem Down-Syndrom geborenen Sohn aus der Akkordzither entwickelt."
Musik verstehe einfach jeder, da könne jeder mitmachen, entweder mit Unterstützung oder ohne, egal, welche Beeinträchtigung er habe. Ihr Kollege Peter Reuschlein ergänzt: "Von daher wissen wir auch, dass durch die öffentlichen Aufführungen und der damit verbundenen Wertschätzung das Selbstbewusstsein der Kinder sehr gesteigert wird. Durch diese guten Erfahrungen ermutigt, reifte bei den Verantwortlichen der Gedanke, eine Gruppe von Kindern zusammenzustellen, die von dieser Therapie profitieren könnten." In der ersten Phase wollen sie mit acht Kindern anfangen. Elke Weidinger und die Erzieherin in der heilpädagogischen Tagesstätte, Heidrun Sigmund, werden das Projekt "Trommel-Kids" führen. "An einem Nachmittag in der Woche gibt es dann heiße Rhythmen, bei denen die Cajóns auch durch kleinere Klanginstrumente, wie beispielsweise Triangeln, unterstützt werden. Aber auch das spielerische Element wird dabei nicht zu kurz kommen", freut sich Elke Weidinger schon heute. "Da wir nicht so viel Geld haben, haben wir uns auch an Kiwanis gewandt. Dieser Serviceclub zeigt bei vielen Gelegenheiten seine Verbundenheit mit den Kindern", ist Friederike Ködel für die Unterstützung dankbar. Zumal gerade die Feierlichkeiten für das 40-jährige Bestehen der Werner-Grampp-Schule anlaufen. Zum Auftakt ist eine Adventsfeier geplant. Des Weiteren sind ein Tag der offenen Tür und eine Kunstausstellung vorgesehen. Und, wer weiß -vielleicht haben dabei ja auch die "Trommel-Kids" bereits ihren ersten großen Auftritt. hd