Der Vorsitzende des Münnerstädter Gewerbevereins Kaufhaus Mürscht e.V., Arno Reuscher, macht sich Sorgen um seine Kollegen und schließt sich den Diskussionen über eine Perspektive zur Wiederöffnung der Geschäfte an: "Lange halten kleine Unternehmen die Schließung nicht mehr durch, hier ist dringender Handlungsbedarf." In der Stadt gibt es insgesamt rund 250 Handwerksbetriebe, Einzelhändler, Dienstleister, Gastronomen und Hoteliers, rund 100 davon alleine in der Kernstadt.

Reuscher betont, dass der Lockdown zum Schutz vor weiter steigenden Infektionszahlen richtig ist. Deswegen fordert er auch "keine Lockerung der Hygiene-, Masken-, Abstands- und Kontaktvorschriften oder Maßnahmen, im Gegenteil in manchen Bereichen muss man noch nachbessern". Es sei wichtig, dass kleine Geschäfte bis fünf Mitarbeiter zeitnah öffnen dürfen, wenn die Inzidenz deutlich unter 35 gesunken ist, zumal die im vergangenen Jahr entwickelten Hygienekonzepte natürlich auch in Münnerstadt sehr gut funktioniert hätten.

Für "Frust im Fachhandel", so Reuscher, sorgen Gerichtsurteile, nach denen große Drogeriemärkte wieder Spiel- und Haushaltswaren verkaufen dürfen, während die kleinen Fachhändler trotz guter Hygienekonzepte geschlossen bleiben müssen. Außerdem machten die großen Vollsortimenter aus dem Lebensmittel-Einzelhandel dem innerstädtischen, inhabergeführten Einzelhandel Konkurrenz, indem sie ohne Einschränkung Waren aus allen Bereichen wie Kleidung, Schuhe, Hausrat, Werkzeug, Elektro usw. verkaufen. "Pandemie ist nie gerecht, aber wenn diesmal die kleinen Betriebe starten dürfen, ist es vielleicht ein kleiner Ausgleich zum letzten Jahr in dem die "Großen" den Vorzug bekamen", findet Reuscher.

Call & Collect

Das von Politikern oft ins Spiel gebrachte "Click oder Call and Collect" ist keine Alternative, da steht der Aufwand in keinem Verhältnis zum Ertrag, erklärt Reuscher. Ähnliche Erfahrungen machen auch Händler aus Schweinfurt. "Wir und die Kollegen machen das trotzdem, damit uns der Kunde nicht ganz vergisst", betont Reuscher, der ebenfalls eine Lanze für die Kollegen aus der Gastronomie und der Hotellerie in der Stadt bricht: "Auch hier sollte mit den entsprechenden Hygienekonzepten, die ja alle schon da sind, eine Öffnung zeitnah angegangen werden."

Der Gewerbeverein hat während der Pandemie zahlreiche Aktionen für seine Mitglieder in Angriff genommen. Unter anderem gab es mehrfach Flyer, in denen die Öffnungszeiten und Angebote der geschlossenen Unternehmen aufgelistet sind sowie das Angebot der Gastronomie an "Essen to go". Eine groß angelegte Facebook-Werbe-Kampagne, in der sich Betriebe vorstellen, läuft ebenso sehr erfolgreich.

Ebenfalls erfolgreich laufen die Gutscheine: Mit diesem Konzept wurden bereits weit über 6000 Euro an Unterstützung der Kunden für Firmen in der Stadt während der Pandemie erlöst. Ebenfalls sehr erfreulich ist der Erfolg der Gutscheinkarte Münner-Card, mit der in den vergangenen sechs Jahren knapp 145 000 Euro Umsatz erzielt wurde, der in Münnerstadt bleibt. Infos gibt es unter www.kaufhaus-muerscht.de . red