Den Polstermöbelherstellern im Coburger Land blieben Probleme mit den Auflagen zur Bekämpfung der Corona-Epidemie so wenig erspart wie anderen Branchen. Das wurde bei den gerade laufenden Hausmessen in vielen Häusern deutlich. Beim Besuch von Landrat Sebastian Straubel (CSU) und Wirtschaftsförderer Martin Schmitz gab es aber auch durchaus positive Signale.

"Nach Ostern mussten wir drei Wochen dicht machen", berichtet Sabine Faber, Geschäftsführerin bei Ponsel in Weidhausen. Zulieferer hatten den Betrieb eingestellt, der Handel aber auch. Im Sommer dann Kurzarbeit und anschließend Betriebsurlaub. So kam das Unternehmen durch die Krise.

Es war ein Branchenproblem. Nach Angaben der Zeitschrift Möbelmarkt verzeichneten die Hersteller im April beim Umsatz ein Minus von 28,7 Prozent. Im Handel brach der Umsatz mit Polstermöbeln um 40,3 Prozent ein.

Doch inzwischen greift auch ein anderer Effekt, der durch die Beschränkungen verursacht wurde: Urlaubsverzicht. Auslandsreisen wurden vielfach aus dem Jahresplan gestrichen. Das Zuhause wurde wichtiger. Martin Schmitz nennt das Schlagwort "Cocooning". Die Menschen ziehen sich in ihre eigenen vier Wände zurück, machen es sich dort gemütlich und lassen die Welt da draußen draußen sein. Das am Urlaub gesparte Geld wird in die heimische Gemütlichkeit investiert - die Nachfrage nach Polstermöbeln steigt.

Ein Trend, den Peter Nagat, Geschäftsführer bei F&S Polstermöbel ebenso sieht. Und noch etwas: "Regionalität gewinnt wieder an Bedeutung und ist den Kunden auch etwas wert", stellt er fest.

Quer über die Branche zeichnet sich dabei ein Trend zu Funktionalität ab. Ganz neu ist es nicht, dass gerne auf Möbel gesetzt wird, die sich verändern lassen. Doch während das früher meist - weil günstiger - rein mechanisch per Körperkraft gefragt war, werden inzwischen Modelle bevorzugt, die sich per Motor mit der Fernbedienung verändern lassen. So etwa eine "Aufstehhilfe", die bei Ponsel gezielt Senioren ansprechen soll. Per Knopfdruck hebt sich die Sitzfläche langsam und neigt sich nach vorn.

Herkunft mit Zertifikat

In Sachen Regionalität betonte Ponsel schon lange, Entwicklung, Design und Produktion komplett in Oberfranken, sprich in Weidhausen, zu halten. Nun machte das Unternehmen auf sich aufmerksam, weil es zu den ersten bundesweit gehörte, die sich vom Verband der Deutschen Möbelindustrie für das neue Herkunftsgewährzeichen "Made in Germany" hat zertifizieren lassen.

Doch allein, damit die Geschäftsleitung ein gutes Gefühl hat, nimmt niemand Kosten und Aufwand einer Zertifizierung auf sich. "Es kommt jetzt darauf an, dass der Handel für dieses Thema sensibilisiert wird und an die Kunden weitergibt, was hinter dem Label steht", sagt Sabine Faber.

Hat die Krise die Bedeutung einer regionalen Versorgung in möglichst vielen Bereichen betont, so ergeben sich umgekehrt daraus auch Probleme. "Der Außenhandel mit Möbeln bleibt Corona-bedingt weiter eingeschränkt", sagt etwa Jan Kurth, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie gegenüber der Zeitschrift Möbelmarkt. Andererseits setzt er auf den bereits für den Binnenmarkt festgestellten "Cocooning-Effekt": "Es besteht jedoch die berechtigte Hoffnung, dass sich die Konsumprioritäten der Verbraucher aufgrund fortbestehender Einschränkungen weltweit zugunsten steigender Investitionen in die eigenen vier Wände verschieben."

Das heißt aber nicht, dass die Branche ohne Sorgen in die Zukunft schauen könnte. Da ist etwa die enorme Preissteigerung bei einem der wichtigsten Materialien für die Herstellung von Polstermöbeln. Schaumstoff soll in den kommenden Monaten rund 25 Prozent teurer werden. "Auch für Holz und Metallteile wurden höhere Preise angekündigt", sagt Peter Nagat. Kostensteigerungen, die sich nicht ohne weiteres an die Kunden weitergeben lassen.

Und noch ein anderer Mangel zeichnet sich ab. Der Beruf des Polsterers hat offenbar an Attraktivität verloren. Auszubildende sind kaum zu gewinnen. Schon jetzt sind die Hersteller auf Kräfte aus dem Ausland, vor allem aus Polen, angewiesen. Sollte Polen zum Corona-Risikogebiet erklärt werden, könnte das zu Ausfällen in der Produktionsmannschaft führen, fürchten die Betriebe.