In der Küche der Eberner Realschule gab es exotische Kost, scharf gewürzt und aufwändig zubereitet. Gegessen wurde mit den Fingern der rechten Hand, ein Fladenbrot diente als Beilage, Besteck und Teller in einem.

Bereits seit Ostern 2018 läuft eine Reihe von Kochveranstaltungen, die vom Diakonischen Werk Haßberge in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule organisiert wird. Es gab schon einen Kochnachmittag zum Thema Ostern in Ebern, einen zum Thema Erntedank in Zeil am Main und der letzte hat syrische Weihnachtstraditionen und Festessen vorgestellt.

Klingt einfach, ist es nicht

Nun also traf man sich in der Dr.-Ernst-Schmidt Realschule in Ebern, um die Feinheiten der äthiopischen Küche kennenzulernen. Die Veranstalterin, Katrin Ruppert, bedauerte, dass von den angemeldeten Teilnehmern krankheitsbedingte Absagen gekommen waren, freute sich aber, doch insgesamt 15 Interessenten begrüßen zu können. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde ging es los: Unmengen von Zwiebeln wurden geschält und kleingehackt, scharfe Chilischoten, Eier, Linsen, Mehl und Kartoffeln, Rinderhack und Hühnerfleisch, Weißkohl und Ingwer bereitgestellt und vorbereitet.

Auf den ersten Blick handelte es sich dabei um vertraute Zutaten, aber Verarbeitung und Verzehr waren dann doch ungewohnt.

Zweimal Amina, Rahima und Hana aus der äthiopischen Volksgruppe der Oromo, waren gekommen, landestypisch gekleidet und mit viel Wissen im Gepäck, um die Küche ihrer Heimat vorzustellen. Außerdem hatten sie Berbere mitgebracht, eine richtig scharfe Gewürzmischung, ähnlich dem indischen Curry.

Der Speiseplan war einfach: Huhn mit Soße, serviert auf Fladenbrot, dazu Teigtaschen mit Linsenfüllung, wahlweise auch mit Rinderhack. Klingt einfach, ist es aber nicht.

Das äthiopische Nationalgericht schlechthin ist Doro Wot. Sehr viele Zwiebeln, Weißkraut, Kartoffeln, Karotten und gekochte Eier und vieles andere mehr werden mit Hühnerfleisch zusammen verkocht und mit gewaltig viel Berbere gewürzt, bis sich eine Art Gulasch ergibt.

Genauso bekannt und geschätzt ist Sambusa. Aufwendig hergestellte Teigtaschen werden mit einer Füllung aus gekochten Linsen in einer mit Öl gefüllten Bratpfanne fritiert.

Teller nicht nötig

Aus religiösen Gründen gibt es in Äthiopien etwa 200 Tage im Jahr, an denen fleischlos gegessen werden muss. An den anderen Tagen kann man Sambusa natürlich auch mit Rinderhack zubereiten.

Für den europäischen Feinschmecker ungewohnt, in Äthiopien ganz alltäglich und selbstverständlich, ist das traditionelle Fladenbrot Injera. Hefe, Teffmehl und Wasser ergeben einen Sauerteig, den man zu dünnen Fladen ausbackt. Auf diesen wird dann das Doro Wot angerichtet, das erspart schon mal den Teller. Mit der rechten Hand reißt man kleine Streifen von den aufgerollten Injerafladen und versucht dann damit, Soße und Fleisch aufzunehmen und in den Mund zu befördern, Besteck überflüssig. Zum Abschluss genießt man die Stücke Injera, die soßendurchtränkt übrigbleiben, als krönende Köstlichkeit. Finger ablecken gilt als unschicklich.

Vier Stunden gemeinsamen Arbeitens und guter Gespräche, unterhaltend und lehrreich, vergingen wie im Flug. Gut zu wissen, dass diese Veranstaltungsreihe fortgesetzt werden wird.

Am Freitag, 15. März, wird in der Eberner Realschule erneut international gekocht. Ob syrisch, arabisch oder afghanisch, ist noch nicht geklärt.

Anmelden dafür kann man sich aber jetzt schon bei der Volkshochschule.