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Bamberg

Mit Wohnzimmer auf Tour

Immer mehr Menschen ziehen die Unabhängigkeit beim Campen dem durchgeplanten Luxushotel-Urlaub vor. Voll im Trend ist es, Kleinbusse oder Transporter selbst zu Campern umzubauen. Zwei Bastler aus dem Landkreis erzählen von ihren Projekten.
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Egal, ob alter Bulli, aus dem Dienst entlassenes Feuerwehrauto oder ehemaliger Krankentransporter. Für die einen gelten sie als ausgedient, andere sehen darin das Paradies auf Rädern. Anstatt die Fahrzeuge verrotten zu lassen, werden diese wieder aufgepäppelt und zu schicken Campern ausgebaut. "Das ist eine gute Sache, so wird ihnen ein zweites Leben eingehaucht", sagt André Ohlmann, gelernter Holzmechaniker. Er ist stolzer Besitzer eines selbst ausgebauten VW-T4-Busses, der ursprünglich ein Baustellenfahrzeug war. Was ihm besonders am verreisen mit dem Van gefällt? "Die Flexibilität, natürlich."

Immer mehr Menschen tendieren dazu, ihren Urlaub auf Campingplätzen oder in der Natur zu verbringen. Komfortabler als das klassische Zelt ist dabei ein Wohnmobil oder ein ausgebauter Kleinbus. Der Trend ist bereits in den letzten Jahren deutlich geworden, durch die Corona-Krise hat dieser allerdings nochmals zugenommen.

Mehr Camper durch Corona

Die "Campinginsel" in Bug hat in den letzten zwei Jahren einen deutlichen Zuwachs an Gästen verzeichnet. Laut dem Betreiber Christoph Hoffmann sei auch die Zahl an umgebauten Kleinbussen und Wohnmobilen seit Ende Mai gestiegen. Dies läge daran, dass die Deutschen in diesem Sommer hauptsächlich im Heimatland Urlaub machen würden.

Auch Patrick Stelzel, Mitarbeiter im Kundenservice des TÜV-Süd in Bamberg, hat einen deutlichen Anstieg an Kunden mit Wohnmobilen und selbst umgebauten Campern beobachtet. Zur Zeit würden diese sogar den Großteil der TÜV-Abnahmen ausmachen. Die Altersgruppen der Camper-Besitzer wären recht unterschiedlich. Besonders häufig kämen derzeit selbst ausgebaute Fiat Ducatos und Sprinter von Mercedes-Benz zur TÜV-Prüfung.

Um eine Wohnmobilzulassung zu bekommen, muss das Fahrzeug eine fest installierte Kochstelle, ausreichenden Stauraum, eine Sitzgelegenheit mit Tisch und eine Schlafgelegenheit haben.

Die Wohnmobilzulassung sei das Endziel des Camper-Ausbaus. "Es ist ein gutes Gefühl, wenn der eigene Ausbau offiziell als regelkonform gilt und vom TÜV geprüft ist", sagt Ohlmann.

Er hat seinen Bus bereits im letzten Frühjahr ausgebaut. "Das Tolle am Bus-Ausbau ist, dass ich ihn nach meinen Wünschen anfertigen und meine Ideen umsetzen kann", sagt der 24-Jährige. Für den T4 hat sich der Buttenheimer aus praktischen Gründen entschieden, er habe eine gute Größe und gehe noch als Alltagswagen durch. Seinen Bus habe er innerhalb eines Monats neben einem Vollzeitjob ausgebaut.

Ein Ausbau ist nicht genug

Auch der 24 -jährige Timo Seitz aus Juliushof hat Lust, mobil zu verreisen, und baut sich bereits den zweiten Camper aus. Sein erster Van war ein Mercedes-Benz 100 D. Den hat der gelernte Elektroniker bereits im Frühling verkauft. Wegen der hohen Nachfrage habe er den Verkaufspreis sogar erhöht.

"Hätte mir Corona keinen Strich durch die Rechnung gemacht, wäre ich jetzt in Griechenland", sagt Seitz. Da er aber ohnehin vorhatte, innerhalb der nächsten zwei Jahre ein neues Fahrzeug auszubauen, habe er die Zeit genutzt und das Projekt vorgezogen. Diesmal hat er sich für einen Iveco Daily, Baujahr 2013, entschieden. An dem Kleintransporter bastelt er in einer Garage bei einem Freund in Sassanfahrt. Er plant in etwa mit sechs bis acht Wochen reiner Arbeitszeit, bis der Innenausbau grob fertig und die erste Probetour möglich ist. "Die Freiheit ist daran das Beste. Kein gebuchtes Hotel, sondern einfach da übernachten, wo man will. Denn die eigene Wohnung hat man immer mit dabei."

Dies werde nicht sein letzter Ausbau sein, er plant den Camper nach ein paar Jahren wieder zu verkaufen und ein weiteres Projekt zu starten.

Tipps für Interessierte

Wenn nun bei dem einen oder anderen die Reiselust mit einem mobilen Wohnzimmer geweckt wurde, rät Ohlmann beim Kauf von gebrauchten Fahrzeugen zur Vorsicht. Eine gute Grundsubstanz des Fahrzeuges sei sehr wichtig, wenn man nicht unnötig Zeit und Geld verlieren wolle. Außerdem müsse man sich schon lange vor dem Kauf gründlich Gedanken machen, für welche Bedürfnisse das Fahrzeug erfüllen soll. Der Käufer sollte sich zum Beispiel fragen, ob ihm viel Platz wichtig ist und ob das Fahrzeug geländetauglich sein muss. Beim Ausbau sei es dann vor allem wichtig, die Arbeiten gewissenhaft durchzuführen. Sicherheit gehe immer vor. Ansonsten empfiehlt Ohlmann Ratgeber und fachspezifische Foren im Internet. "Vieles lernt man aber auch während des Ausbaus."

Dem Iveco-Besitzer ist Stehhöhe sehr wichtig, und dass das Bett gemütlich ist. Er habe keine Lust, das Bett jedes mal auf- und abzubauen. Außerdem sollte alles eine Doppelfunktion haben, damit man so viel Platz wie möglich spart. Interessierten ohne Camping-Erfahrung empfiehlt er, sich vor dem Kauf erstmal einen Van zu leihen und damit ein paar Tage herumzufahren.