Mit wie viel Leidenschaft Philipp Steinberger selbst Schaltkreise und Sammelschiensysteme verkaufen kann, beweist der 40-jährige Chief Executive Officer (CEO) bei Wöhner. Er macht sich klein und springt auf die Produktionslaufbänder, schnappt sich eine Laufschiene und rockt auf dem Kasten. Und dennoch: Die Show, wie der Livestream auf der Hannover Messe angekündigt wurde, bringt Informationen auf den Punkt, vermittelt neueste Technologie und macht neugierig auf das Rödentaler Familienunternehmen mit weltweit vier Standorten. "Der digitale Messeauftritt von Wöhner ist in jeder Hinsicht eine Premiere: Erstmals sind wir mit einem derart aufwendigen Konzept bei einer digitalen Messe vertreten", erklärt Philipp Steinberger.

Wir haben ihm fünf Fragen zur aktuellen Situation am Markt gestellt.

1 Herr Steinberger, das Motto von Wöhner lautet "Alles mit Spannung" und hat ja in Corona-Zeiten sicherlich auch für Sie eine besondere Bedeutung. Welche Herausforderung musste das Unternehmen im vergangenen Jahr bewältigen?

Philipp Steinberger: 2020 war ein ganz besonderes Jahr, geprägt von Risiken, von Unsicherheit, von Anstrengungen. Wir können zum Glück sagen, dass wir gut durch die Krise gekommen sind, und das sowohl gesundheitlich als auch wirtschaftlich. Es ist uns gelungen, unsere Mitarbeiter zu schützen, unsere Lieferketten aufrecht zu halten und wir haben sogar eine Innovation in den Markt gebracht, nämlich den elektronischen Motorstarter Motus C14.

2 Die Firma Wöhner ist auf vier Kontinenten vertreten: Europa, Asien, USA und Südamerika. Ihnen ist die lokale Präsenz beim Kunden wichtig. Hatte Corona negative Auswirkungen im Hinblick auf die Internationalität?

Durch unsere internationale Präsenz können wir Produkte und den dazugehörigen Support auch in regionalen Varianten zur Verfügung stellen. Gerade jetzt, wo Reisen und persönliche Treffen schwierig sind, ist das ein wichtiger Faktor. Die Krise hat die Lieferketten stark beeinflusst und die Trends der Lokalisierung und der Unabhängigkeit der Regionen verstärkt, so dass wir noch stärker lokal und nah an den Kunden agieren. Letztlich ist das Thema Internationalisierung nicht neu für uns und geht vielmehr auf die Ursprünge der Firma Wöhner zurück. Das erste Geschäft, das Wöhner überhaupt gemacht hat, 1929, am Küchentisch montiert, war ein Produkt für den Export in die USA.

3 Stichwort Digitalisierung: Hier bietet die derzeitige Krise auch eine große Chance. Wie hat Wöhner den Lockdown-Vertrieb gemeistert? Hat die Digitalisierung einen anderen Stellenwert bekommen?

Ja, das ist richtig. Für Wöhner kann ich sagen, dass wir diese Chance konsequent nutzen. Wir machen uns gezielt Gedanken, welche Schritte eines Wertschöpfungsprozesses sinnvoll und effizient automatisiert werden können. Wir arbeiten zudem mit Hochdruck daran, die digitalen Schnittstellen weiter auszubauen und die Bestellprozesse zu digitalisieren. Ein B2B Webshop mit Konfigurations- und integrierten Bestellmöglichkeiten geht noch dieses Jahr online. Und was die Arbeit des Vertriebs im Lockdown angeht, haben wir verschiedene Wege aufgetan, mit unseren Kunden und Geschäftspartnern in Kontakt zu bleiben, ob Videokonferenzen, Webinare oder Telefonkonferenzen.

4 Die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens hängt auch mit Nachhaltigkeit, Klimaneutralität und der Langlebigkeit der Produkte zusammen. Wie ist Wöhner in diesen Feldern aufgestellt?

Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Ressourcenschonung werden bei uns großgeschrieben. Eine große Herausforderung, die uns alle gemeinsam betrifft, ist dabei das Thema Klima-Neutralität. Das Ziel ist es, dass wir möglichst bald klimaneutral oder sogar klimapositiv agieren. Das geht nicht allein: Hier sind wir auf die Mitarbeiter, auf die gesamte Firma und auf Kunden und Lieferanten angewiesen.

5 Welche langfristigen Auswirkungen - im positiven wie im negativen Sinn - erwarten Sie nach Corona für Wöhner und die Wirtschaft im Allgemeinen?

In den vergangenen Wochen haben sich die Märkte, in denen wir uns bewegen, deutlich erholt. Vor diesem Hintergrund verzeichnen wir zurzeit einen außergewöhnlich hohen Auftragseingang, den wir in dieser Größenordnung nicht erwarten konnten. Aufgrund von Neuprojekten liegt das Auftragsvolumen aktuell bereits deutlich über dem Niveau des Vorjahres.

So erfreulich diese Entwicklung für uns ist - in Verbindung mit der nach wie vor angespannten Situation auf den Beschaffungsmärkten für die von uns benötigten Rohstoffe stellt uns das immense Wachstum unserer Kunden vor enorme Herausforderungen. Hier sind wir auf die Zusammenarbeit und den engen Austausch mit unseren Partnern, Kunden und Lieferanten angewiesen. Ich bin unserem gesamten Wöhner-Team sehr dankbar für die großen Anstrengungen, die sie aktuell auf sich nehmen.