Ein Baum macht noch keine Kerwa. Aber er kann in diesem Corona-Jahr dennoch ein Signal, eine Botschaft sein, dass man sich auch von der Krise nicht unterkriegen lässt. Genau das dachten sich am Wochenende die Limbacher. Unter Einhaltung der Hygieneauflagen holte der Kirchweihverein des Pommersfeldener Gemeindeteils am Samstag des traditionellen Kerwa-Termins eine Kirchweihfichte ein. Zu den Klängen der Weingartsgreuther Blasmusik wurde der stattliche Baum durch den Ort gefahren. Station wurde beim Wirtshaus gemacht, wo auch die althergebrachten Kerwalieder gesungen wurden. Anschließend wurde der Baum auf der Festwiese am Ortseingang in die Höhe gehievt.

Bierkrüge, die die Runde machten, gab es in diesem Jahr ebenso wenig wie ein Festzelt oder sonstigen Betrieb auf dem Festplatz. Dafür waren die Kirchweihburschen allesamt mit Gesichtsmasken ausgestattet.

Allerorten werden derzeit Kirchweihfeste abgesagt. In manchen Orten finden noch die Gottesdienste statt - oft im Freien. Und wo es noch ein Wirtshaus gibt, kann das - nach den derzeit gültigen Vorgaben des Infektionsschutzes - natürlich wie gehabt öffnen.

Es stellt sich also die Frage: Kirchweih - was geht? Und was geht nicht? "Kirchweihbäume dürfen natürlich aufgestellt werden", heißt es auf FT-Anfrage aus dem Landratsamt. Dabei seien allerdings zwei Aspekte zu beachten. Aus Sicht des Gesundheitsamtes seien das "die bekannten Abstands- und Hygieneregeln". Das heißt: Auch bei Veranstaltungen im Freien muss der Abstand von 1,50 Meter zwischen zwei Personen eingehalten werden. Und wenn das nicht möglich ist, muss eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden. Außerdem sind körperliche Kontakte, wie etwa Händeschütteln oder Umarmungen, tabu.

Der Teufel könnte in solchen Fällen oft im Detail liegen. Wenn zum Beispiel zwei Kerwasburschen gemeinsam an einer Stange den Baum in die Höhe stemmen, sind Gesichtsmasken unbedingt erforderlich. Außer, die beiden leben in einem Haushalt. Zwei Brüder, die noch gemeinsam bei den Eltern leben, dürfen in diesem Fall sogar ohne Maske agieren. Vater und Sohn mit jeweils eigenem Hausstand dagegen nicht.

Und generell gilt in Bayern derzeit, dass sich nicht mehr als 200 Personen im Freien und 100 in geschlossenen Räumen versammeln dürfen. Wobei der versammlungsrechtliche Aspekt noch weitere Vorgaben macht. "Musik darf dabei spielen. Allerdings darf dafür nicht geworben werden, um größere Menschenansammlungen zu vermeiden", stellt das Landratsamt klar. Die Gastronomie darf nach den bekannten Regeln öffnen.

Absagen reihum

Im Markt Heiligenstadt mit seinen 24 Gemeindeteilen fallen derzeit reihenweise die Kirchweihfeste aus. Eigene Veranstaltungen seien allesamt abgesagt worden, weil die Teilnehmerbegrenzung nicht gesichert eingehalten werden könne, sagt Bürgermeister Stefan Reichold (SPD) dazu. Es habe aber auch gar keine entsprechenden Anfragen gegeben.

Vergleichbar ist die Situation in Buttenheim mit seinen neun Orten. Zuletzt fielen die Kirchweihen in Senftenberg und erst am vergangenen Wochenende in Stackendorf aus. Teilweise, wo es den Kirchengemeinden möglich sei, fänden immerhin die Kirchweihgottesdienste statt, zumeist im Freien, berichte Bürgermeister Michael Karmann (ZWdG/CSU).

Abgesagt ist auch schon die Buttenheimer Kerwa am dritten Augustwochenende. Allerdings habe man einem Schausteller, der die Kirchweih regelmäßig bestücke, die Genehmigung erteilt, seinen Stand während der Kirchweihtage in Buttenheim aufzubauen, so Karmann. Dass Schausteller - die von den Corona-Beschränkungen besonders gebeutelt sind - beispielsweise einen Süßigkeitenstand aufstellen dürfen, ist inzwischen aus mehreren Gemeinden zu hören.

Eine Aktion wie die der Limbacher mit dem Baumaufstellen ist in den anderen Landkreisgemeinden, zumindest nach einer stichprobenartigen Umfrage in den Rathäusern, bislang unbekannt. Allerdings würde eine große Ankündigung wohl schon die Regeln verletzen, weil man für solche Veranstaltungen keine Werbung machen darf.

Die Limbacher haben also offensichtlich alles richtig gemacht. Auch das Gasthaus am Ort hatte geöffnet, aber ebenfalls unter den strengen Maßregeln. "Schade wäre es gewesen, hätte man die fränkische Tradition in diesem Jahr ausgesetzt", hieß es. Hatte doch die Limbacher Zeltkirchweih im letzten Jahr bereits Vierzigjähriges, ohne dass die Tradition je unterbrochen wurde, wie Vorstand Edgar Frischmann erklärte.