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Lichtenfels

Mit Musik und Gottvertrauen

Der Lichtenfelser Pastoralreferent und Klinikseelsorger Peter Lachner geht in den Ruhestand.
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Peter Lachner suchte stets nach den heiteren Seiten des Lebens - oder nach Worten des Trostes in ernsten Situationen. Foto: Markus Häggberg
Peter Lachner suchte stets nach den heiteren Seiten des Lebens - oder nach Worten des Trostes in ernsten Situationen. Foto: Markus Häggberg

Frage: Darf der Mensch vor Gott das Leben als Spiel betrachten? Antwort von Peter Lachner: "Ja, und im Zweifelsfall wär's ihm wurscht." Wer so redet, ist freier, vielleicht sogar befreit. Der Pastoralreferent, der dieser Tage in den Ruhestand geht, spricht über Prägendes und Träume. "Keinen Nachruf bitte", sagt er. Denn er hat noch was vor: leben.

Es ist schön hier im Garten. Es gibt einen kleinen Teich, ein Handballtor in verkleinertem Format und einen Ort, der "Münchner Löwen-Arena" heißt. Aus ihm scheint Gemüse zu wachsen. Hier kann man die Seele baumeln lassen. Unter einer Markise sitzt Lachner (64) und schenkt sich ein Radler ein. Das Glas platziert er dabei auf einem Bierdeckel, der Bob Dylan zeigt und nach LP aussieht. Auf Dylan stößt man in seiner Wohnung immer wieder, in seinem Leben ohnehin.

Doch als der Mann am 20. Oktober 1955 zur Welt kommt, ist es noch ein paar Jahre hin bis "Blowing in the Wind". In den Hitparaden tummeln sich Bruce Low und "Das alte Haus von Rocky Docky" oder Caterina Valente. Es ist Wirtschaftswunder und Josef und Gabi Lachner haben ihren Erstgeborenen. "Die haben mir beigebracht, mit Optimismus durchs Leben zu gehen", sagt ihr Sohn und lächelt. Eine schöne Kindheit habe er gehabt und Lichtenfels bot ihm "Freunde und Freude".

Von Jesus und vom Nikolaus

Er gerät ans Gymnasium und somit an eine Begegnung mit einem Leonhard Schielein, Religionslehrer für die Katholiken unter den Pennälern. Ein Mann des Aufbruchs, des Konzils. "Dass die Sache mit Jesus nicht ist wie mit dem Nikolaus, sondern wahr ist und unheimlich wichtig fürs Leben", habe der Mann vermittelt. "Der hat mich auf die Spur vom lieben Jesus gebracht", so Lachner mit vollem Augenaufschlag.

"Vom lieben Jesus" - wie er das so sagt, klingt es aus vollem Herzen und doch frei von Pathos. Doch wer sich traut, das Leben als Spiel zu betrachten, hat sich auch Kindliches bewahrt.

Lachner geht auch musizierend als Clown durchs Klinikum. 2019, aus Ermangelung von Sternsingern als Teil eines Trios, das den Dreikönigssegen singend auf die Krankenstationen brachte. Und 15 Jahre lang auf zweitägige Faschingstour durch alle Stationen.

Es ist das Jahr 1963, Lachner ist Ministrant. Aber jetzt kommt aus dem Radio ein Lied, das nur Fragen stellt und keine Antworten bietet. "Denn die Antwort, mein Freund, kennt nur allein der Wind", wird es bald aus dem Amerikanischen übersetzt heißen. Bob Dylan ist da, die Stimme einer Generation, ein Titan unter den Song-Poeten. Er rührt etwas in dem Jungen an - bis heute. Fragen zu stellen und zu zweifeln ist nicht verwerflich, sondern menschlich und erlaubt. "Manchmal ist es gut zu zweifeln, wer nie gezweifelt hat, kann auch nicht glauben." Für Zweifler hat er auch einen Rock'n-Roll-Rat oder besser einen Wunsch: "Keep on searching" (Such weiter).

Viele Einblicke ins Leben

Zu suchen brauchte Lachner nach bestandenem Abitur 1975 nicht, denn die Bundeswehr fand ihn schon. Dienst am Vaterland und dann Studium von Religion und Latein auf Lehramt Gymnasium. Doch noch vor der Zwischenprüfung sattelte er aufs Theologie-Diplom um. Nun kam als Konzilsfolge die Berufung zum Pastoralreferenten auf. Ein Jahr Pastoralassistenz in Rehau sollte folgen. Geheiratet wird auch. Mit 24. Daraus entstehen drei Kinder und fünf Enkel.

Die Sprache wünscht sich Lachner einfach. Das ist Grundhaltung. Jesus, so argumentiert Lachner, hat gewiss bewusst eine einfache Sprache gesprochen und er hätte uns dazu aufgefordert, einfach zu sein. In den Jahren, in denen er selbst Religionsunterricht gab, habe er versucht, die einfache Sprache zu sprechen. Auf dem E.T.A.-Hoffmann-Gymnasium in Bamberg ebenso wie in St. Gangolf oder bei den Förderschülern der St.-Katharina-Schule.

An dieser Stelle macht sich im Gespräch mit Lachner eine Klammer auf: Er erinnert sich daran, dass man sich "mit den schwierigsten Kindern am längsten abgeben muss". Aber: "Die danken es einem am besten." Es sind jetzt die letzten Tage, an denen er noch Behindertenseelsorger (bei Regens Wagner) ist. Bald gibt er dieses Amt ab, so wie auch den Schlüssel zur Krankenhaus-Sakristei.

Jetzt kommt das Gespräch wieder zum Thema Sprache zurück - aber diesmal auf die "des Himmels". Das genau hält der Pastoralreferent von Musik, denn "hier geht das Herz auf, der Verstand weitet sich". Oder andersrum: "Drückt's dich wo, sing dich froh."

Immer dann, wenn er im Krankenhaus Seelsorgedienst versieht, hat er eine Mundharmonika dabei. "Falls einer Geburtstag hat, kriegt er a Ständerla." Das Klinikum ist ihm ein Ort anzutreffender Wunder. Seit über 30 Jahren erlebt er das dort, begegnet der Gesundung von Menschen, zu denen Ärzte gesagt haben, dass keine Hoffnung mehr bestehe. "Die Wahrscheinlichkeit, dass im Krankenhaus ein Wunder geschieht, ist ums Vielfache höher als ein Lotto-Gewinn."

Bewunderung für Mick Jagger

Nein, von Unordnung kann man dort, wo sein Büro und theologischer Bücherschrank ist, nicht reden. "Ich find mei' Zeuch", sagt Lachner seelenruhig, während er jetzt vor seinem PC und unterhalb einer Gitarre sitzt. Einer von wohl insgesamt zehn in diesem Haus. Den Beatles begegnet man hier auch, den Rolling Stones auf dem Flur vor dem Zimmer ohnehin. Lachner bewundert Mick Jaggers Mundharmonikakünste. Doch hier, neben dem Bücherschrank, findet sich Weltliches zu Dylan. So wie das Plakat, das zu dessen Nobelpreis für Literatur gedruckt wurde. Nimmt man hier das Wort "Devotionalien" in den Mund, nimmt Peter Lachner einem das nicht krumm. Doch, ja, es sind fast Andachtsobjekte, denn Bob hat viel zu sagen, zu fragen, anzuzweifeln und zu besingen.

Weiterhin Dylan-Songs vortragen

Sonntag ist der Tag des Herrn. Aber es läuft am Abend auch der "Tatort". Diese Sendung anzusehen hat Tradition bei den Eheleuten Lachner. Dass ihm im Ruhestand langweilig werden könnte, fürchtet Lachner nicht. Er wird Ehe führen, Opa sein, mit Dylan-Songs auftreten, sein geliebtes Flussbad besuchen und mit 1860 München herzhaft leiden.