Gertrud Glössner-Möschk

Die Stundenpläne sind erstellt, die Hefte beschriftet, die Namensschilder fertig: Klassenlehrerin und Konrektorin Silke Abwandner freut sich schon auf die 19 Kinder ihrer Klasse 1a (zehn Mädchen und neun Buben), die sie heute, am ersten Schultag, in der Kunigundenschule begrüßen darf.
Wie wird der Tag ablaufen? Um 9 Uhr versammeln sich Schüler, Eltern, Gäste und Lehrer in der Turnhalle zur Begrüßung. Danach geht es (ohne Eltern, die trinken Kaffee und lernen sich kennen) in die Klassenzimmer. Jedes Kind darf sich seinen Platz aussuchen, alle singen gemeinsam ein Lied und Silke Abwandner liest die Geschichte vom Schnuddel vor, der in die Schule kommt. Auf ihre neuen Tafeln dürfen die Abc-Schützen mit weißem Stift ihr erstes Wort malen. Selbstverständlich gibt es am Ende des ersten Schultages auch eine (kleine) Hausaufgabe - aber die wird nicht verraten.
Der Stundenplan besteht in der Hauptsache aus dem sogenannten "Grundlegenden Unterricht". Das bedeutet, dass die Lehrer die Zeiten für die Hauptfächer Lesen, Schreiben, Rechnen, Sachkunde, Musik und Kunst nach den Bedürfnissen der Klasse einteilen können. Wenn die Konzentration nachlässt, schiebt Silke Abwandner Bewegungsspiele ein oder es wird ein Lied gesungen.
Der Frontalunterricht alten Zuschnitts hat weitgehend ausgedient. Die Schüler werden motiviert, aus eigenem Antrieb zu lernen, auch zu zweit oder in Gruppen. Wann immer es geht, zieht sich Silke Abwandner auf die Rolle der Beobachterin zurück und greift nur ein, wenn ein Kind Hilfe braucht oder etwas verbessert werden muss.
Was ist für sie als Lehrerin das Wichtigste? "Dass sich die Kinder auf die Schule freuen. Dass sie jeden Tag gerne in die Schule kommen und ihnen der Spaß am Lernen erhalten bleibt."