Licht. Dort wie hier. Während Mikhail Mordvinov Klaviermusik von Beethoven erhellte, blieben manche Stuhlreihen in der ehemaligen Synagoge gelichtet. Der Weltklassik-Termin am Sonntag war so oder so ein lohnender.

Es kommt vielleicht nicht oft vor, dass Stadtarchivarin Christine Wittenbauer einfach nur Applaus dafür erhält, da zu sein. Vor Ort und an Ort und Stelle. Doch das hatte seine Bewandtnis darin, dass die Veranstaltung Weltklassik auszufallen drohte. Erst dadurch, dass der als Ausnahmepianist geltende Russe Alexey Chernov kurzfristig absagen musste. Doch dann fand sich die Lösung in Mikhail Mordvinov. Nun aber musste wiederum der gewohnte Conferencier Roberto Baur absagen und ersetzt werden. So trat Wittenbauer auf den Plan, begrüßte die wohl 50 Besucher und vor allem jenen Mordvinov. Der ist nicht irgendwer, der war einst bester Student eines Jahres, studierte am Elite-Institut Gnessin-Akademie Klavier und ist selbst mehrfacher Preisträger.

Eröffnung des Beethovenjahres

Die "Eröffnung des Beethovenjahres in Lichtenfels", nannte Wittenbauer das Kommende. Das drehte sich absolut um Beethoven (1770-1827), selbst als Robert Schumann (1810-1856) ins Spiel kam. Der nämlich befasste sich auch mit dem Klassiktitan, zu dessen 250. Geburtstag das Beethovenjahr ausgerufen wurde. 32 Variationen schrieb Schumann über ein Thema des großen Bonners, um darin unterschiedliche Spieltechniken auszuprobieren.

Doch bei aller ernsthaften Musik ist dieser Mordvinov doch eine Type, die mit einem Augenzwinkern musiziert, vor allem dann, wenn er Expressivität betont. Davon gibt es bei Beethoven eine Menge, schon der Auftakt der Sonate Nr. 8 (Sonata Pathétique c-Moll op. 13), die auch Kaisersonate genannt wird, hält das bereit. Wie passend für Mordvinov, der eine Spielweise pflegt, der die Eigentümlichkeit vorbehalten scheint, Akzente spürbar zu setzen - im Auskosten einer Pause, im Anrollen eines Tons, in der Wucht eines Auftakts. Jedoch beginnt der erste Satz mit einer langsam gehaltenen, gravitätischen Einleitung. Das, was an den elf Takten an Wechseln von extremen Gegensätzen geprägt ist, arbeitete Mordvino fesselnd heraus. So auch die Auflösung eines bald einsetzenden Septakkords mit schmerzlich wirkender Dissonanz. Das, was bei Beethoven mitunter berserkerhaft war, gestaltete Mordvino ebenso klar aus wie das Zartfühlende; allesamt anzutreffen auch in den sechs Bagatellen op. 126. Diese Bagatellen boten Wuchtigkeiten, die sich sich spontan in diffizile Verästelungen verliefen, die temporeich waren und schlichtweg schwer. Das alles bemeisterte Mordvinov für eineinhalb Stunden zuzüglich Zugabe.

Fazit: Das Beethovenjahr wurde auch in Lichtenfels eröffnet und durch Mordvinov ziemlich bestmöglich.