Nach über 60 Konzerten in den vergangenen Monaten hatte Ende Oktober das Finale der Dorfrocker-"Heldentour" stattgefunden. Etwa 100 Zuschauer, die damals nach den Corona-Beschränkungen erlaubt waren, besuchten im Hallstadter Kulturboden das Konzert. Die drei Brüder Markus, Tobias und Philipp Thomann aus Kirchaich machten zusammen mit Freddy Steinmann am Keyboard Musik und blickten auf knapp 14 Jahre Dorfrocker zurück. "Gerade in diesen Zeiten, in denen viele Angebote nicht stattfinden können, wollen wir ein positives Zeichen setzen", so die Dorfrocker. Sie kündigten an, die Eintrittseinnahmen aus dem Konzert an "Sternstunden" des BR für in Not geratene Kinder weiterzugeben.

Dieser Tage erreichte unsere Redaktion der Leserbrief einer Konzertbesucherin aus Fulda. Darin erhebt Tanja Engel Vorwürfe gegen die Veranstalter. Sie schreibt: "Nach einem langen Arbeitstag habe ich mich wahnsinnig auf das letzte Konzert der Dorfrocker gefreut. Es war sehr emotional, da ich ein großer Fan der Band bin und im Schnitt 20 bis 30 Mal im Jahr auf ihren Konzerten bin.

Vor uns liegt eine schwere Zeit! Keiner weiß, was kommt und wann es endet. Wir Fans sind extra von weit her (Fulda, Künzell, Schlitz, Passau) angereist und sind umso schockierter, dass man nach dem Konzert, nur weil man kurz Freunden Tschüss sagen wollte, da man sie dieses Jahr und wahrscheinlich wegen Corona richtig lange nicht mehr sehen wird, vom Veranstalter persönlich angeschrien und körperlich angefasst wird - 1,5-Meter-Abstand völlig hinfällig. Er drohte mit Anzeige und hatte selbst nicht mal die Maske richtig an (Nase frei). Dass man wegen der Sperrstunde gehen soll, hätte man auch freundlich sagen können. Wir sind doch kein Vieh! Wir sind jahrelange und treue Fans der Dorfrocker. Eine Schande für den Kulturboden Hallstadt - ihr habt uns sicherlich das letzte Mal gesehen! Der Veranstalter hat so den ganzen Abend mit einem Schlag kaputt gemacht. Sperrstunde war um 23 Uhr und nicht schon um 21.45 Uhr.

Es ist eine Schande, dass der Veranstalter uns wie Vieh nach draußen getrieben, uns angefasst und geschubst hat. Was ihm dabei wohl nicht aufgefallen ist, dass er sogar die Mutter der Bandmitglieder ebenfalls so grob mit nach draußen befördert hat. Wir waren alle schockiert. So ein Verhalten hat keiner verdient. Die Band hat sich diesen Sommer die Mühe gemacht, um ihren Fans auch unter Auflagen etwas zu bieten. Wir Fans und auch die Band haben uns bei allen Konzerten an die Maßnahmen gehalten - so auch in Hallstadt. Traurig, dass wir dann auf einer Spendenveranstaltung so behandelt werden." Soweit der Wortlaut des Leserbriefes, der bereits in der Bamberger Ausgabe des FT erschienen ist.

Reaktion

Auf den Leserbrief und die Kritik haben die Veranstalter reagiert. "Kulturboden war geschockt", entgegnen die Betreiber dieses Veranstaltungsraums in der Hallstadter Marktscheune, Gaby Heyder und Ulrich Wrede, auf den Leserbrief.

Heyder und Wrede weisen die Vorwürfe zurück und betonen in einer Stellungnahme an den FT, dass der Kulturboden "quasi als größter Sponsor" durch kostenfreie Bereitstellung von Örtlichkeit, Technik, Technikern und Einlasskräften dieses Benefizabschlusskonzert ermöglicht habe. Doch dann seien Corona-Auflagen nicht beachtet worden.

Wörtlich heißt es von den Betreibern: "Leider haben sich weder Band noch Publikum im Laufe des Konzertes an die bekannten Vorschriften gehalten. Die Zuschauer schunkelten, sangen, standen auf, die Band hat nur halbherzig - trotz mehrmaliger eindringlicher Bitten des Kulturbodens - ihr Publikum ermahnt. Nach dem Konzert gipfelte das Ganze in einem Fantreffen der Band im Saal. Es wurden Selfies gemacht, Autogramme gegeben, Merchandise verkauft; es bildete sich ein enger Pulk um die Bandmitglieder, teils ohne Maske."

Das Eingreifen des Kulturbodens und die sofortige Auflösung der gesamten Veranstaltung sei die "logische Pflicht" gewesen. Heyder und Wrede nennen es "mehr als schade", dass "weder Band noch Publikum die Sensibilität für die allgemeine Situation aufgebracht haben und egoistisch für sich agierten".

Abschließend geben sie der Hoffnung Ausdruck, dass es demnächst mit den Veranstaltungen weitergehen kann, und versichern für diesen Fall: "Der Kulturboden wird auch weiterhin strikt auf die Einhaltung aller Vorschriften achten." red