Was der Sonneberger Christian S. seinem Halbbruder angetan hat, wenn ihre Eltern nicht zu Hause waren, blieb 20 Jahre lang unentdeckt.

Im Alter von 18 bis 19 Jahren hat er seinen damals zwölf bis 13 Jahre alten Halbbruder immer wieder zu sexuellen Handlungen gedrängt. Bei der Verhandlung vor dem Coburger Amtsgericht weist Christian S. jeden Vorwurf von sich - auf die Vorsitzende Richterin Daniela Jensch wirken die Unschuldsbeteuerungen jedoch nicht glaubhaft. Sie spricht den 40-jährigen Sonneberger des sexuellen Missbrauchs von Kindern in drei Fällen und des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in vier Fällen schuldig und verurteilt ihn zu einer Haftstrafe von vier Jahren.

"Schmutzig und benutzt"

Die Staatsanwaltschaft legte dem Angeklagten zur Last, von seinem minderjährigen Halbbruder zwischen 2000 und 2001 in der elterlichen Wohnung in Dörfles-Esbach sexuelle Handlungen eingefordert und diese auch an ihm ausgeführt zu haben. Die Schwere der Taten soll sich dabei kontinuierlich gesteigert haben, der Geschädigte habe währenddessen Schmerz empfunden und sich hinterher "schmutzig und benutzt" gefühlt.

Die Beweisaufnahme im Verfahren gegen Christian S. fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Aus der Urteilsbegründung von Richterin Daniela Jensch ging jedoch hervor, dass der Angeklagte die Vorwürfe abstritt. Er habe angegeben, dass sich sein Halbbruder die Anschuldigungen nur ausgedacht hätte. Das vermeintliche Motiv: Sein Halbbruder wolle, dass S. seine Kinder - die derzeit bei einer Pflegefamilie untergebracht seien - nicht wiedersehen könne.

Keine Zweifel

Nach den Aussagen von Zeugen und der Sachverständigen habe die Vorsitzende Jensch "keinerlei Zweifel am Wahrheitsgehalt" der Schilderungen des Geschädigten. Dieser habe sowohl bei der Sachverständigen, bei den Polizeibeamten als auch vor Gericht widerspruchsfreie Angaben gemacht. Auch habe sie nicht erkennen können, dass der Geschädigte seinem Halbbruder habe schaden wollen - ganz im Gegenteil. Schließlich seien die Vorfälle eher zufällig ans Licht gekommen, als der Geschädigte selbst Teil eines Ermittlungsverfahrens wurde. Nicht aus eigener Initiative, sondern erst durch Nachfrage der Sachverständigen habe er vom Missbrauch berichtet. Der Geschädigte habe sich laut ihren Angaben dabei in einer "psychischen Ausnahmesituation" befunden, in der er nicht in der Lage gewesen wäre, sich derartige Anschuldigungen "einfach so auszudenken".

Folgen "in allen

Bereichen spürbar"

Richterin Jensch wendete bei der Strafbemessung das Erwachsenenstrafrecht an und bezog die Schwere der Taten in ihr Urteil mit ein. Zum Einen habe der Angeklagte ganz klar das Vertrauensverhältnis zwischen Geschwistern ausgenutzt, zudem habe der Missbrauch zu Hause stattgefunden, wo Kinder eigentlich ein "sicheres Umfeld haben sollten".

Hinzu komme, dass der Geschädigte eindringlich schildern konnte, dass die Folgen der Übergriffe auch heute noch "in allen Bereichen seines Lebens spürbar" seien. Die Sachverständige sagte, dass sich die Persönlichkeit des Geschädigten ohne den Missbrauch "wohl ganz anders entwickelt" hätte.