Die Stiftung "Sudetendeutsches Sozial- und Bildungswerk" (SSBW) veranstaltete in Zusammenarbeit mit der Akademie Mitteleuropa zum neunten Mal seit 2005 ein Heiligenhofgespräch. Dazu hatten sich rund 100 interessierte Zuhörer - zur Hälfte Seminar- und Tagungsgäste, zur anderen Hälfte Freunde und Förderer der Einrichtungen in der Bildungs- und Begegnungsstätte eingefunden. Als Referentin sprach Dr. Beate Sibylle Pfeil (Kirchzarten) zum Thema Minderheitenschutz beim Europarat und der Europäischen Union und die Initiative "Minority Safepack" der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten.

Bedeutende Rolle

Die Minderheitenthematik spielt in der Bildungsarbeit des Heiligenhofs seit jeher und bis in die Gegenwart eine bedeutende Rolle und wurde durch einen von Erich Kukuk als damaligem Direktor sowie von Prof. Dr. Rudolf Grulich und Dr. Ortfried Kotzian 1977 initiierten "Arbeitskreis für Volksgruppen- und Minderheitenfragen" institutionalisiert.

Der verstorbene Erich Kukuk, Rudolf Grulich und Ortfried Kotzian haben die Bildungsarbeit des Heiligenhofs über Jahrzehnte gestaltet. In Anbetracht ihrer Verdienste um diese Arbeit wurden die beiden Träger des Großen sudetendeutschen Kulturpreises bei dieser Veranstaltung anlässlich ihrer zurückliegenden 75. bzw. 70. Geburtstage durch den Vorsitzenden der Stiftung SSBW, Dr. Günter Reichert, und einem anschließenden Empfang geehrt. Ziel der "Heiligenhof-Gespräche" ist es, sich mit Themen der Kultur- und Beziehungsgeschichte der Deutschen mit ihren östlichen Nachbarn zu beschäftigen und dazu fachkundige Referenten zu gewinnen.

Die Schwerpunkte der wissenschaftlichen Arbeit der Referentin liegen im Bereich des Minderheitenschutzes und der Minderheitenrechte im Völker-, Europa- und innerstaatlichen Recht. Sie kann auf zahlreiche Publikationen und Vorträge verweisen und ist Mitautorin des dreibändigen Handbuchs der europäischen Volksgruppen.

Bei der Veranstaltung konnte sie die zweite überarbeitete Auflage des ersten Bandes vorstellen. Sie führte in ihrem Vortrag aus, dass das Thema "Nationale Minderheiten" seit den späten 1970er Jahren im westlichen und südlichen Europa sowie nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Staatenwelt 1989/90 im Osten des Kontinents verstärkt auf die Tagesordnung der internationalen und vielerorts auch der binnenstaatlichen Politik gerückt sei.

Viele Konflikte sind ungelöst

Vieles konnte ausgleichend und in Richtung Befriedung gelöst werden, viele alte Konflikte sind aber auch weiter ungelöst. Auch die EU-Institutionen konnten bzw. wollten aus ganz unterschiedlichen Gründen zu Problemlösungen wenig beitragen. Neue Initiativen aus den EU-Institutionen, Kommission und Parlament, könnten Bewegung in diese Thematik bringen. Auch die Einflussnahme von einzelnen Staaten auf ihre nationalen Minderheiten ist wieder verstärkt in den Fokus der Politik gerückt, so die Referentin.

Zum Abschluss der Veranstaltung überreichte Stiftungsdirektor Steffen Hörtler der Referentin ein Präsent und lud zu Gesprächen ein. Die Seminarveranstaltung zum Thema "Autochthone und allochthone Minderheiten" unter der Leitung von Dr. Meinolf Arens und Assistenz durch den Studienleiter fand am Sonntagmorgen eine Fortsetzung mit Analysen, Rück- und Ausblicken. red