Gleich zu Beginn der Gerichtssitzung eine bedeutsame Frage: Da sich in Phase Gelb zu viele Personen im Gerichtssaal befinden und ein Ausschluss der Öffentlichkeit zu überlegen wäre, hätte dann im Falle eines Falles irgendwer eine Handhabe, das Urteil anzufechten? Diese Frage warfen Rechtsanwältin Regina Taubert und ihr Kollege Manfred Glöckner auf. So kam es in dem Verfahren um gefährliche Körperverletzung sieben Minuten nach Prozessbeginn zur Unterbrechung.

Zeit, die Richterin Daniela Jensch damit zubrachte, sich bei höherer Instanz um die Antwort zu bemühen. Dann fiel ihr Beschluss, wonach das Verfahren wie gehabt fortgesetzt wird. Ab jetzt ging es nur noch um den Fall selbst und im Blickfeld dabei die beiden Angeklagten, die sich laut Staatsanwaltschaft einer gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht haben sollen.

Die beiden Männer schilderten den Vorfall vom 19. Oktober des vergangenen Jahres anders. Sie seien von ganzen Menschengruppen durch nächtliche Lichtenfelser Straßen gejagt worden und hätten sich nur gewehrt. Laut Anklageschrift ging die Tat so vonstatten, dass die beiden Angeklagten, ein 39-jähriger Automechaniker aus dem Raum Michelau sowie ein etwa gleichaltriger Bauarbeiter aus Bad Staffelstein, in einem bahnhofsnahen Lokal mit anderen Gästen in Streit gerieten. Durch einen Schlag gingen diese zu Boden, und als sie dort lagen, schlugen und traten die beiden Männer gemeinschaftlich auf diese ein. Dann kam eine junge Frau dazu und wollte den Michelauer wegziehen, erhielt aber selbst vier bis fünf Schläge ins Gesicht. Die Folge: Halswirbelschleudertrauma und Prellungen. Einer weiteren jungen Frau erging es nach Einmischung ähnlich, sie erlitt durch Schläge Absplitterungen am Schneidezahn und Prellungen. Der Enddreißiger erklärte gegenüber dem Gericht, dass er an jenem Abend im Lokal lediglich ein Bier getrunken habe und zum Rauchen hinausgegangen sei. "Ich habe Gefahr gespürt", so der Mann, der sich Blicken ausgesetzt gesehen haben wollte. Er sei darum in Richtung Bahnhof gegangen, aber von sechs Personen verfolgt worden. Während seiner Flucht sei er auf seinen Kollegen und späteren Mitangeklagten getroffen. Als er von der Gruppe eingeholt wurde, sei auch er zu Boden gebracht worden und habe Tritte gegen den Kopf erhalten. "Ab da fehlt mir die Erinnerung." Dass er nur ein Bier getrunken habe, mochte für das Lokal gelten. Doch der Mann gab zu, schon vorher in einem anderen Lokal vier bis fünf Biere und Schnäpse getrunken zu haben.

29-Jährige im Zeugenstand

Der Mitangeklagte schilderte ebenfalls ein Aneinandergeraten mit einer Gruppe. Er habe beobachten können, wie sein Kumpel verfolgt wurde. Man geriet gemeinsam in eine Schlägerei, die bald vorüber war. Doch nur, um bald darauf durch eine noch größere Gruppe erneut begonnen zu werden. Es lag also an der Beweisaufnahme, dem eigentlichen Vorgang auf die Spur zu kommen. In den Zeugenstand gerufen wurde dazu die 29-jährige Frau, der mehrmals ins Gesicht geschlagen worden sei. Diese sagte zu dem Staffelsteiner Angeklagten, dass er ihr nicht bekannt vorkomme, dass ihr der Automechaniker aber sehr wohl erinnerlich sei. Der soll zu einem Moment des Vorfalls sogar einen Backstein in der Hand gehalten haben. Sie selbst habe lediglich versucht, den flüchtenden Mann festzuhalten und dafür Schläge bezogen. "Ich weiß, dass ich meine Hand nicht gegen diesen Mann erhoben habe", so die Geschädigte.

Wie sich weiter herausstellte, gab es zu dem Vorfall zwei in einem Gebüsch sitzende Beobachterinnen. "Wir hatten dort unseren Alkohol versteckt", so die eine der beiden Zeuginnen, bei der es sich um eine 21-jährige Leiharbeiterin aus Sonneberg handelte. Auch sie habe mitbekommen, dass der Enddreißiger nur darum verfolgt wurde, weil er zuvor jemanden niedergeschlagen habe. Doch die Zeugin gab auch an, zum Zeitpunkt ihrer Beobachtungen 1,6 Promille gehabt zu haben. Auch sie sollte zur Leidtragenden des Abends werden und eine Kieferprellung davontragen. Eine weitere Zeugin trat auf, und auch sie konnte sich nicht an eine maßgebliche Rolle des Staffelsteiners erinnern. Ab jetzt war klar, dass es für ihn wohl auf einen Freispruch hinauslaufen würde. Doch auch für den Hauptangeklagten sollte sich das Blatt in Richtung Milde wenden, was damit zu tun hatte, dass entscheidende Belastungszeugen nicht erschienen.

"Es wird schwierig mit der gefährlichen Körperverletzung", so Richterin Jensch in einer Zwischenbilanz auch deshalb, weil keiner der Zeugen die in der Anklage vermerkten Tritte ins Gesicht bestätigen konnte. So sprach letztlich auch Staatsanwalt Mario Geyer in seinem Plädoyer davon, dass sich die Anklage "nur teilweise" bestätigt habe. Für den Mitangeklagten forderte er einen Freispruch und für den Automechaniker rückte er von der gefährlichen Körperverletzung hin zur vorsätzlichen Körperverletzung in drei Fällen ab. Eine Geldstrafe in Höhe von 6600 Euro erachtete Geyer für "tat- und schuldangemessen". Just auf diesen Betrag sollte auch das Urteil fallen und auch zum Freispruch für den Staffelsteiner Bauarbeiter sollte es kommen.