Ob Babybewegungstraining, Hausaufgabenbetreuung oder eine Plattform für pflegende Angehörige: Verschiedenste Seminare und Betreuungsformen wie auch offene Treffs vereint das Mehrgenerationenhaus Michelau unter seinem Dach.

Mussten durch den corona-bedingten Lockdown die meisten Angebote ausgesetzt werden, sind viele in den letzten Monaten wieder angelaufen. "Heute können wir fast wieder vom Regelbetrieb sprechen", so Leiter Frank Gerstner, der sich über die Cofinanzierung durch die Gemeinde Michelau freut.

Zwar liegt der Großteil der Finanzierung des Mehrgenerationenhauses beim Träger, in diesem Fall dem Bayerischen Roten Kreuz, doch existiert daneben noch eine Bundesförderung mit derzeit 30 000 Euro jährlich. Ab 2021 werden dies 40 000 Euro im Jahr sein.

Haus trägt sich nicht alleine

Hinzu kommt die kommunale Cofinanzierung, wie hier durch die Gemeinde Michelau, mit einem Betrag von 5000 Euro. Eben diese Summe könnte der Landkreis Lichtenfels möglicherweise zusteuern. Dies ist unter anderem Thema in der nächsten Kreistagssitzung. So ist es im vierjährigen Bundesprogramm für die deutschlandweit 550 Mehrgenerationenhäuser, zu dem auch das BRK-Mehrgenerationenhaus Michelau gehört, festgelegt. Ab nächstem Jahr ist eine Förderung auf acht Jahre hin angelegt. Die benötigte Zusage von Kommune und Landkreis hierfür, dass die Einrichtung fest in der Sozialraumplanung der Region verankert ist, ist so gut wie sicher.

Die Förderung ist notwendig. Frank Gerstner spricht von einem jährlichen Gesamthaushalt von etwa 100 000 Euro. "So ein Haus trägt sich nicht von alleine. Das war ja mal die Hoffnung von vielen, aber dann müsste man die Angebote so verteuern, dass der Sinn und Zweck eines solchen Hauses nicht mehr wiederzuerkennen wäre."

Dass die Angebote und offenen Treffs ihre Daseinsberechtigung haben, zeigen täglich etwa 80 Teilnehmer, die durch die Türen in der Schneyer Straße gehen. Auf ein Jahr gerechnet sind das knapp 4000 Menschen. Was ist das "Erfolgsgeheimnis"? Frank Gerstner betont, dass das Mehrgenerationenhaus nicht durch eine vorherige Nutzung vorgeprägt war - mit Blick auf die Coburger Einrichtung, die vorher zum Beispiel eine Senioreneinrichtung war. Das könnte manche Leute verleiten zu denken, es gebe dort etwa nur Angebote für Senioren. Das Gebäude in Michelau dagegen war seit den 70er Jahren ein Vereinshaus, in dem sich ohnehin Menschen aller Alterssparten schon getroffen hatten. Auch die vielen verschiedenen Teilbereiche sprechen sicherlich viele Menschen an - von Müttern mit Babys bis hin zu Hochbetagten - und führen sie zusammen. Nicht künstlich, wie Frank Gerstner betont. "Bei uns mischen sich nicht streng Senioren und Jugendliche in einem Kurs. Eher treffen sie sich beim Rein- oder Rausgehen und kommen zusammen."

Er berichtet dabei von einem Jugendlichen, der im Mehrgenerationenhaus mal an einem Computer nach Stellenangeboten gesucht habe. Ein älterer Herr habe ihn darauf angesprochen, der eine eigene Firma hatte. Die beiden seien ins Gespräch gekommen - und heute arbeitet der junge Mann dort. Im Gegenzug habe dieser dem Senior viele Funktionen seines Handys erklärt.

Doch die Corona-Krise hat das Mehrgenerationenhaus belastet: Eine Herausforderung lag dabei im Hygienekonzept - bzw. im Fehlen dessen für eine solche Einrichtung. "Maßgeschneidert gab es keines, also mussten wir selbst eines erarbeiten mit Teilen aus den Hygienekonzepten für Cafés, für Seminare, für Tanzschulen", erinnert sich Frank Gerstner. So müssen Besucher einen Mund-Nasen-Schutz beim Betreten der Einrichtung tragen, an einem Tisch im Café sind maximal zehn Personen erlaubt, bei Seminaren ist die Personenzahl je nach Raumgröße begrenzt, es gibt eine Nachverfolgungsliste und den gesetzlichen Sicherheitsabstand. "Vieles davon haben wir sowieso schon immer gemacht."

Die Normalisierung und uneingeschränkt laufende Kurse sind nun das Ziel und die Hoffnung von Frank Gerstner und seinem Team aus meist geringfügig Beschäftigten, vielen Übungsleitern auf Basis von Pauschalen sowie rund 60 Ehrenamtlichen. "Das Haus lebt von diesen Leuten, es würde anders nicht funktionieren", so der Leiter. Ein Baustein des Mehrgenerationenhauses, die Förderung des zivilen Engagements, sei vollends erfüllt.

Durch die Corona-Krise haben zudem beispielsweise viele ehrenamtliche Demenzbetreuer ihren Dienst auf Grund ihrer Zugehörigkeit zur Risikogruppe beendet. Das Mehrgenerationenhaus möchte nun eine neue Ausbildung hierfür anbieten und neue Menschen erreichen. "Wir müssen diese Gruppe komplett neu aufbauen", so Frank Gerstner.

Kooperation mit örtlichen Firmen

Trotz Corona-Krise blieb noch Raum für Innovationen: Mit einem Rückbildungskurs durch eine Hebamme in den Räumen der Einrichtung reagiert das Mehrgenerationenhaus auf die große Nachfrage im Landkreis. Außerdem möchte Frank Gerstner die Kooperationen mit örtlichen Firmen weiter ausbauen, um vielfältige Begegnungen auch mit und für die Wirtschaft zu ermöglichen. Zudem soll besonders das Programm für Jugendliche in den nächsten Jahren erweitert werden - eventuell mit einer Kinder- und Jugenddisco, verrät der Leiter. Sein Wunsch wäre, bald für die nächsten acht Jahre planen zu können.