Es waren wüste Szenen, die sich am 22. August des vergangenen Jahres beim Asylbewerberheim in Mainleus abgespielt haben. Einige Asylbewerber sollen mit Eisenstangen auf einen 41-jährigen russischen Staatsangehörigen losgegangen sein. Hintergrund war, dass der aus Kasachstan stammende Mann mit Freunden lautstark feierte und die Gruppe deutlich dem Alkohol zusprach.
Der Mann wehrte sich gegen die Asylbewerber und noch bevor die Situation so richtig eskalieren konnte, traf die Polizei ein. Was dann folgte, war allerdings nicht mehr zu entschuldigen und sollte dem Russen eine dreimonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung einbringen.


Knöpfe abgerissen

Um die Situation in den Griff zu bekommen, forderten die Beamten den 41-jährigen auf, den Schauplatz zu verlassen. Der Mann kam dem nicht nach und so entschlossen sich die Polizisten, ihn kurzerhand in Gewahrsam zu nehmen. Das ließ sich der Angeklagte nicht gefallen, er stemmte sich gegen seine Festnahme. Er musste zu Boden gebracht, gefesselt und in den Wagen gezogen werden. Alles bei maximaler Gegenwehr, so dass einer der Polizisten leichte Verletzungen an der Hand erlitt und Knöpfe seines Diensthemdes abgerissen wurden.
"Wir saßen zusammen wie zivilisierte Menschen", sagte der Angeklagte, bei dem später über 1,3 Promille Alkohol im Blut festgestellt wurden. Die Asylbewerber seien zuerst aggressiv geworden und hätten herumgeschrien. Dann hätten die Angreifer eine Bierflasche in seine Richtung geworfen und begonnen, ihn mit Eisenstangen zu traktieren. Noch immer konnte er nicht verstehen, warum sich die Polizei zuerst auf ihn gestürzt habe. Er habe nur sich und seine Familie verteidigen wollen.
"Die Ursache für den Streit war ganz klar die Lautstärke", sagte einer der Polizisten. Er beschrieb den herumschreienden Angeklagten als aggressiv und sichtbar alkoholisiert.
Der Angeklagte war bereits mehrfach wegen Diebstahls und Bedrohung vorbestraft. Bislang hatte er aber immer nur Geldstrafen erhalten. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft plädierte deshalb auf eine Freiheitsstrafe von vier Monaten mit Bewährung und auch 80 unentgeltliche Arbeitsstunden wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung und Sachbeschädigung.
Mit drei Monaten blieb Richterin Sieglinde Tettmann geringfügig darunter. Die 80 Stunden gemeinnützige Arbeit beim Bewährungshilfeverein "Fähre" in Bayreuth muss er innerhalb von vier Monate ableisten. shf