"Wir waren nie gegen einen Hochwasserdamm. Wir sind ja froh, wenn wir nicht absaufen." Manfred König sprach aus, was die rund 50 Bürgerinnen und Bürger, unter ihnen zahlreiche Mitglieder des Gemeinderats, dachten. Sie alle waren zum Ortstermin am ehemaligen Festplatz in Schwürbitz gekommen. Dorthin hatten das Wasserwirtschaftsamt Kronach und die Gemeinde Michelau einladen, um vor Ort die geplanten Maßnahmen zum Hochwasserschutz zu erläutern.

Kurz zuvor waren die ersten Baumaschinen angerollt, denn Montag, der 13. Juli, war der Tag des Baubeginns für die Schutzanlagen für den Ortsteil Schwürbitz. Eine 300 Meter lange Mauer sowie ein Pumpwerk sollen den Ort zukünftig vor einem Mainhochwasser schützen.

Richard Lieb vom Wasserwirtschaftsamt Kronach, als Sachgebietsleiter zuständig für den Landkreis Lichtenfels, erläuterte zusammen mit seinem Mitarbeiter Siegmund Katholing die Details. Dabei gingen beide auch sehr aufgeschlossen auf die Fragen und Anregungen der Bürger ein.

Sämtliche Details kann man auch auf der Internetseite des Wasserwirtschaftamts Kronach nachlesen. Der Hochwasserschutz Michelau kostet insgesamt fast 17 Millionen Euro. Die Finanzierung erfolgt zur Hälfte aus Mitteln der Europäischen Union sowie zur anderen Hälfte durch den Freistaat Bayern und die Gemeinde Michelau. In der Kerngemeinde selbst sind die Maßnahmen bereits weitgehend abgeschlossen. Nur das Herzstück, ein Pumpwerk, befindet sich aktuell noch in der Bauphase. Es ist eines der größten im Freistaat Bayern mit einer Förderleistung von 5000 Litern pro Sekunde. Das Pumpwerk ist zusätzlich mit einer Notstromversorgung ausgerüstet für den Fall, dass es im Zusammenhang mit einem Hochwasser zu einem Stromausfall kommt.

"Wir sind heute in der sehr glücklichen Lage, den Hochwasserschutz hier im Ortsteil Schwürbitz zu starten", so Richard Lieb zu Beginn seiner Ausführungen. Im Bereich des ehemaligen Festplatzes wird die Ortsverbindungsstraße nach Michelau bei einem Hochwasser sehr schnell überspült. Das soll nun durch eine 300 Meter lange Schutzmauer verhindert werden. Da, wo momentan eine Hecke verläuft, soll die Schutzmauer, leicht versetzt in Richtung Main errichtet werden.

Stahlspund und Beton

Die Mauer wird mit Stahlspundwänden gerammt. Man spart sich damit ein tiefreichendes Fundament. Es werden rund zehn Meter lange Stahlspunddielen in den Boden gerammt. Das Einbringen der Spundwände geschieht durch einen Vibrationsvorgang, um die Auswirkung auf die angrenzenden Häuser möglichst gering zu halten.

Die Stahlspundwände werden mit Beton versehen, so dass eine Betonmauer entsteht. Auf einer Strecke von 150 Metern wird die Mauer nur ungefähr so hoch sein wie die aktuell bestehende Hecke. Im extremen Hochwasserfall werden zusätzlich auf der Mauer mobile wasserdichte Elemente angebracht. Diese erhöhen die Mauer um 50 Zentimeter. Damit liegt dann die Oberkante der Schutzmauer rund 30 Zentimeter höher als das befürchtete Jahrhunderthochwasser.

Die Einfahrt zum jetzigen Parkplatz bleibt erhalten. Sie wird im Hochwasserfall mit Dammbalkenverschlüssen verschlossen.

Die mobilen Elemente, mit denen die Schutzmauer im Bedarfsfall erhöht werden kann, werden oben auf dem Pumpwerk in einer Art Doppelgarage gelagert. Den Betrieb und die Unterhaltung übernimmt nach Fertigstellung die Gemeinde Michelau. Die örtliche Feuerwehr ist dann für die Hochwasserschutzmaßnahmen, also das Anbringung der mobilen Elemente, zuständig.

Die Fertigstellung der Schutzmaßnahme ist für Ende März 2021 geplant. "Ganz ohne Behinderungen wird die Hochwasserschutzmaßnahme nicht durchgeführt werden können. Aber wir versuchen, möglichst moderat zu arbeiten", versprach Richard Lieb. Der Festplatz, der aktuell als Parkplatz dient, wird für die Zeit der Baumaßnahmen komplett gesperrt. Auch die Bootsanlegestelle am Main kann von den Kanuten nicht mehr benutzt werden.

Richard Lieb dankte in diesem Zusammenhang den angrenzenden Privateigentümern und Anliegern. Diese wurden gebeten, im Zuge der Beweissicherung den Vertretern des beteiligten Ingenieurbüros den Zutritt zu ihren Häusern und Grundstücken zu gewähren. So können Fotos angefertigt werden, die den Zustand vor Beginn der Baumaßnahme dokumentieren. Sollten im Zuge der Arbeiten beispielsweise Risse auftreten, so ergibt sich daraus ein Anspruch auf Schadensersatz gegenüber dem Freistaat Bayern. Auch bei der Verdichtung der Flächen durch Walzen kommt es zu Erschütterungen. Deren Ausmaß soll durch Messgeräte erfasst werden, die an benachbarten Häusern angebracht werden.

Für alle, die am ersten Ortstermin nicht teilnehmen konnten, findet ein zweiter Termin am heutigen Donnerstag um 17 Uhr an gleicher Stelle statt.