Dass die Welt demnächst untergeht, weil die Jugend nur herumhängt und sich um nichts kümmert, das wurde schon im alten Babylon bejammert. Horst Stelzner, Klasslehrer der 9b der Mainleuser Schule, gibt nichts auf dieses Pauschalurteil. Nachsichtig regt er an, tolerant gegenüber den eigenen Schwächen zu sein, aber auch gegenüber den Schwächen anderer.
Denn es gebe solche und solche Schüler. Christina Lick-Naser, Lehrerin der 9a, kennt solche, die gern auffallen, und sie kennt auch die "braven", die sich ums Lernen kümmern. Zumindest haben im jetzt zu Ende gegangenen Schuljahr an der Mainleuser Mittelschule 18 den Qualifizierten Abschluss gemacht, 15 haben ihn bestanden. Beste waren Lea Bär mit einem Notendurchschnitt von 1,83 sowie Leana Freimann und Sascha Seifert mit 1,88.
Mit dem Ende der Schulzeit ist Schule aber noch nicht vorbei. Für die, die auf weiterführende Schulen gehen, sowieso nicht, und für die, die eine Lehre beginnen, bleibt immer noch die Berufsschule.


Positives bleibt in Erinnerung

Was den jetzigen Lernabschnitt betrifft, so werden die Mühen und Plagen des Schulalltags wohl mit der Zeit vergessen werden, schätzt Horst Stelzner. Was bleibe, sei die Erinnerung an die positiven Erfahrungen: die Klassenfahrten, Theaterbesuche, Projekttage, Betriebspraktika in der realen Welt.
Was den Lehrern bleibt, ist die Freude, wieder einen Jahrgang auf das Leben vorbereitet zu haben. Aber auch Frust. "Lehrer sind halt nicht nur Spaßmacher und Entertainer," sagt Christina Lick-Naser. Es gehe ihnen ernsthaft um die Vorbereitung der Schüler auf das Leben in der Leistungsgesellschaft.


Klartext

Und Horst Stelzner spricht mit Theodor Fontane Klartext: "Die Schule liegt draußen. Erziehung ist Aufgabe der Eltern," die Schule sei daher auch nicht immer daran schuld, wenn etwas schiefgehe.
Einen Kompaktkurs in Gruppenzugehörigkeit und Gruppendynamik gab Schulleiterin Doris Hörath den Schulabgängern mit auf den Weg. Sie erinnerte an die Veränderungen in der Klassenzusammensetzung im ersten Halbjahr und die Erfahrung, dass Neue (Schüler) Bewegung in eine Gruppe brächten, und dass diese Dynamik auch ganz schön anstrengend sein könne - gerade, wenn man im Alter zwischen 15 und 17 lieber eine stabile Klassengemeinschaft hätte.
Doch Änderungen in Gruppenzugehörigkeiten werde es für die jungen Leute auch im weiteren Leben geben: in Gruppen, in die man sich erst einfinden und dann einbringen könne (Teamwork). Es bringe nichts, wenn man nur dasitze und warte, dass andere aktiv würden. "Die Zukunft hängt davon ab, was wir heute tun", zitierte sie Gandhi.
An die Eigenverantwortung appellierte auch Bürgermeister Robert Bosch. "Wege trennen sich nun, aber nehmt andere Wege auf." Nicht alles stelle sich von selbst ein. Die Zukunft sei für die Jugendlichen aber positiv: Zunehmender Arbeitskräftemangel biete viele Chancen. Und er regte auch an, sich in die Gemeinschaft einzubringen, nicht zuletzt auch in der eigenen Gemeinde. "Nach der Schule ist mitten im Leben."


Dank der Schüler

Dass die Schulzeit am Ende doch nicht gar so schrecklich war, zeigten Sascha Seifert, Franziska Schmidt, Nadine Berner und Leana Freimann. Sie hätten eine "angenehme Atmosphäre" in der Schule erfahren, und überreichten an die Lehrer kleine Geschenke, unter Johlen und Pfeifen auch an Hausmeister Guist, der die Schule immer in Ordnung brachte und an Sekretärin Linhardt-Jenner, ohne deren "immer freundliche Hilfen, der Schulalltag vermutlich völlig chaotisch" geworden könnte.
Lea und Hanna Bär trugen das Gedicht "Stufen" von Hermann Hesse vor, in dem es unter anderem heißt "Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe bereit zum Abschied sein und Neubeginne, um sich in Tapferkeit und ohne trauern in andre, neue Bindungen zu geben."