"Lass das Gestern heute nicht zum Morgen werden" - so lautet ein Appell der eindringlichen Video-Installation, die derzeit im Schaufenster des Jugendamts der Erzdiözese Bamberg in Kronach zu sehen ist. Bewegende Zitate von NS-Opfern, aufrüttelnde Botschaften wie auch berührende Bilder aus der Vergangenheit und der Gegenwart führen einerseits die Pogrome in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 vor Augen und schaffen andererseits auch einen Bezug zu den aktuellen Geschehnissen auf der Welt.

Seit dem Jahr 2012 gedenkt der Bund der Katholischen Jugend (BDKJ) Regionalverband Kronach/Teuschnitz alljährlich der Reichspogromnacht durch verschiedene Aktionen und Initiativen. Unter dem Leitbild "Sehen-Denken-Handeln - Gegen das Vergessen" wurden in den vergangenen Jahren beispielsweise große Banner an Schulen oder im Stadtgebiet aufgehängt, Plakatständer verteilt, in Form von "Opfern" angelegte Aufkleber auf Straßen angebracht, am Schulzentrum eine "Wand gegen das Vergessen" errichtet und eine Luftballon-Aktion initiiert. Corona-bedingt konnte der BDKJ mit seinem "Projekt gegen das Vergessen" heuer leider nicht direkt mit der Bevölkerung in Kontakt treten. Daher entschied man sich, auf dieses historisches Datum in digitaler Form aufmerksam zu machen.

"Es ist ein Tag, der nicht vergessen werden darf und, mit Blick auf die Welt, vielleicht aktueller denn je ist", mahnt EJA-Bildungsreferent Andy Fischer. Insbesondere auch aufgrund der derzeitigen Situation habe man sich entschlossen, die Präsentation nicht nur in der Nacht vom 9. auf den 10. November zu zeigen, sondern über einen Zeitraum von rund zwei Wochen laufen zu lassen. Hintergrund ist der, dass der BDKJ Regionalverband Kronach/Teuschnitz Anfang des Jahres 2020 seine bisherigen Büroräume verlassen musste. "Die neuen Räumlichkeiten in der Johann-Nikolaus-Zitter-Straße 33 liegen so in der Kronacher Innenstadt, dass oft Publikumsverkehr vor der Tür herrscht", verdeutlicht Andy Fischer. Da die neuen Räumlichkeiten auch über zwei große Schaufenster verfügen, erhoffte man sich durch die Aktion eine verstärkte Aufmerksamkeit - eine Intention, die voll aufging.

Das eindringliche Video zeigt aufrüttelnd-bewegende Bilder aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, Bilder von Zerstörung, Angst, Not, Armut und Deportation sowie Gefangene in Konzentrationslagern. Von diesen wird zu Aufnahmen zur aktuellen Weltlage mit Menschen auf der Flucht, Kriegshandlungen sowie erschütternden Zuständen in den Lagern in Moria übergeleitet. Hinzu kommen Zitate von Nazi-Opfern, von Widerstandskämpfern wie Sophie Scholl ("Was wir sagten und schrieben, denken ja so viele. Nur wagen sie es nicht, es auszusprechen") und Dietrich Bonhoeffer ("Es ist unendlich viel leichter, im Gehorsam gegen einen menschlichen Befehl zu leiden als in der Freiheit eigenster verantwortlicher Tat"). Hinzu kommen Appelle wie "Menschlichkeit beginnt in Dir" sowie "Lass das Gestern heute nicht zum Morgen werden".

Bei den alljährlichen Initiativen des BDKJ gehe es - so Andy Fischer - nicht darum, ständig die Finger in die Wunde zu legen. Vielmehr versuche man, mittels "etwas anderer" Formen, Toleranz, Menschlichkeit und Miteinander zu vermitteln. So stelle er immer wieder fest, dass gerade junge Leute den historischen Tag nicht oder zumindest nicht sofort parat hätten bzw. diesen vorrangig mit dem Mauerfall in Verbindung brächten. Umso sinnvoller und wichtiger sei es, Jahr für Jahr an die Nacht der nationalsozialistischen Pogrome zu erinnern, gerade in der jetzigen Zeit.

Auch auf Facebook

Die Video-Installation ist auch auf den Facebook-Seiten des BDKJ Kronach/Teuschnitz zu sehen. Projektträger ist der BDKJ RV Kronach/Teuschnitz, Dachverband der katholischen Jugendverbände im Landkreis Kronach. Unterstützt wird das Projekt durch das Jugendforum unter dem Förderprogramm "Demokratie leben" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.