Studien zufolge trinken fast 50 Prozent der Deutschen ihre erste Tasse nach dem Aufstehen. Ob aus der guten, alten Filtermaschine oder einem Vollautomaten - Kaffee ist nach wie vor der Deutschen liebstes Getränk. Wer zwischendurch Lust auf eine gute Tasse Kaffee hat, kann diesen in einer Rösterei oder Kaffeebar trinken. Wo sich die beliebtesten in Deutschland befinden, haben "Falstaff"-Leser mit knapp 14 000 Stimmen entschieden.

Im Freistaat machte die Erste Tegernseer Kaffeerösterei (ETK) in Kreuth das Rennen: Eine Auszeichnung, auf die der Inhaber Mario Felix Liebold unglaublich stolz ist und sich zugleich auch in seinen Bemühungen bestätigt sieht.

Mit seiner Philosophie "Kaffee - von der Pflanze bis in die Tasse" bietet der Kaffeepionier mit seiner Ersten Tegernseer Kaffeerösterei seinen Kunden seit mehr als zwölf Jahren die besten Spezialitätenkaffees aus der ganzen Welt.

Als letzten Schritt zu einer vollkommenen "Coffee Transparency" startete er heuer mit einem eigenen Flurstück auf einer Kaffeefarm im südlichen Hochland von Tansania ein Forschungsprojekt. Ein Stück Land auf der Farm Lunji-Estate, das als "Research Plot" der ETK "eines Tages den besten Kaffee Tansanias produzieren soll". Das Flurstück "MBE4" hat der gebürtige "Ludschter", der am Kaspar-Zeuß-Gymnasium Kronach Abitur machte und als Exportleiter bei Julius Zöllner in Schmölz tätig war, bewusst ausgewählt. Als eine der ersten Röstereien in Deutschland setzt er auf maximale Transparenz: Einkaufspreise und Margen sind bei jedem Kaffee einsehbar: Jeder soll profitieren - vom Produzenten bis zum Kaffeegenießer.

Liebold war selbst Juror bei vielen Wettbewerben oder Meisterschaften und hat viele Kaffeefarmen besucht. "Kaffee war für mich nie nur ein Geschäft. Ich bin fasziniert von den Menschen hinter dem Kaffee - vom Pflücker bis zum Farmer, der sein Wissen in jede einzelne Ernte einfließen lässt. Wir arbeiten seit jeher sehr eng mit den Farmen zusammen, haben schon immer gemeinsam verschiedene Aufbereitungsarten und Geschmacksprofile entwickelt. Bislang standen wir jedoch immer nur beratend zur Seite."

Mittelgroße Plantage

Lunji ist eine mittelgroße Kaffeeplantage mit 30 Angestellten und bis zu 150 Erntehelfern. Die Farm wird seit über 20 Jahren von Clemens und Stella Maier betrieben.

Die heute schon sehr gute Qualität des Kaffees soll laut Liebold zunächst durch eine verbesserte Pflege des Bestandes, peniblere Erntemethoden und Sortierungen sowie neue Aufbereitungsmethoden weiter gesteigert werden.

Dies alles geschehe in enger Zusammenarbeit mit Paul Maier, dem Sohn der Eigentümer Clemens und Stella, der die ETK mit seinem Wissen über die Bodenbeschaffenheit des Anbaugebietes unterstützt.

Wie sieht Kaffee der Zukunft aus?

Ein Problem könnte hingegen die ungewisse Zukunft des Kaffees auf der ganzen Welt sein. Durch die Zerstörung der Umwelt und die schlechte Entlohnung der Farmer wird immer weniger Kaffee geerntet; gleichzeitig steigt die Nachfrage enorm. Die Folge: In 20 bis 30 Jahren könnte es kaum mehr Kaffee geben. Auch hier will Liebold mit seiner Rösterei Aufklärungsarbeit leisten und macht auf die Missstände aufmerksam.

Der Fokus des Forschungsprojekts liegt auf dem Ernten der Kirschen im perfekten Reifestadium, penible Sortierung nach dem Pflücken und eine perfekte Aufbereitung. Nach und nach pflanzt man zusätzlich neuen Bestand einer definierten Varietät in ausgewählter Lage auf der Farm. Mit der Familie Maier arbeitet Liebold Hand in Hand: Die Eigentümer beteiligen sich durch die Bereitstellung und Anschaffung zusätzlicher Hochbeete zum Trocknen und technisches Equipment. Außerdem werden die Mitarbeiter intensiv gebrieft und bekommen mehr Arbeitszeit, um die Aufgaben so perfekt wie möglich durchführen zu können. Außerdem erhalten sie bei Erfolg einen Bonus.

Mit der ersten Ernte des "ETK Research Plots" ist Mitte 2021 zu rechnen.