Nach einer leichten Erholung im Herbst 2020 zeigt sich die konjunkturelle Lage im Landkreis Lichtenfels zu Beginn des Jahres 2021 wieder angespannt. In der Konjunkturumfrage der IHK für Oberfranken Bayreuth verschlechtert sich die Einschätzung der Geschäftslage durch die Unternehmen spürbar.

Der IHK-Konjunkturklimaindex tritt auf der Stelle und liegt nun bei 90 Punkten. "Wenig Anlass zur Hoffnung auf schnelle Besserung geben die Entscheidungen der Politik vom Mittwoch", so Wilhelm Wasikowski, IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des IHK-Gremiums Lichtenfels. Nur noch 30 Prozent der Unternehmen, also deutlich weniger als noch im Herbst 2020, beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage positiv. Nicht zufrieden mit ihrer aktuellen Geschäftslage sind 32 Prozent.

Trotzdem verzeichnet Lichtenfels nach dem Landkreis Kronach das beste Ergebnis im IHK-Kammerbezirk. "Für die derzeitige Situation - vor allem aufgrund der Betriebsuntersagung für viele Betriebe - ist das ein erstaunlich gutes Ergebnis und spricht für den Ideenreichtum und die Anpassungsfähigkeit von Unternehmen. Viele haben aus den Erfahrungen des Vorjahres gelernt und neben Geschäftsmodellen auch Kostenstrukturen angepasst", so Wasikowski. Der Blick auf die Umsatzentwicklung verrät aber auch, dass die aktuellen Einschränkungen großen Schaden in der regionalen Wirtschaft anrichten können. Das Auftragsvolumen war nämlich in den letzten sechs Monaten im Saldo stark rückläufig und drückt unter anderem gehörig auf die Kapazitätsauslastung der befragten Firmen.

Umso wichtiger sei es, dass die zugesagten Unternehmenshilfen - soweit noch nicht geschehen - endlich bei den Unternehmen ankommen. "Vielen steht das Wasser bis zum Hals, Insolvenzen drohen", warnt Wasikowski. Die zunehmende Dauer der coronabedingten Einschnitte führt bei einer steigenden Zahl von Unternehmen zu Unsicherheiten hinsichtlich der weiteren Geschäftsentwicklung .

Nur noch 15 Prozent der befragten Unternehmen rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit einer Verbesserung. Eine Verschlechterung der eigenen Geschäftslage erwarten mit 32 Prozent mehr als doppelt so viele. Damit bleibt der Saldo deutlich im negativen Segment, kann sich aber im Vergleich zur Herbstumfrage des letzten Jahres spürbar verbessern. "Verständlicherweise fällt es vielen Unternehmern derzeit schwer, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Die Covid-19-Pandemie hinterlässt tiefe Spuren", so Wasikowksi. Von den Exporten erwarten die Unternehmen etwas mehr Impulse als vom Binnenmarkt, obwohl die Verbraucher etwa wegen abgesagter Urlaubsreisen oder verschobener Konsumentscheidungen mehr Geld auf der hohen Kante haben. "Die Tatsache, dass wieder deutlich mehr Unternehmen investieren wollen, ist Anzeichen dafür, dass viele in absehbarer Zukunft mit einem Aufwärtstrend rechnen", zeigt sich Wasikowski optimistisch . Nicht überrascht ist er dagegen von den Beschäftigtenplanungen der Unternehmen: In den kommenden Monaten ist hier mit einem leichten Beschäftigtenrückgang zu rechnen. red