Kalkulation, „Gefahrgüter“, „ Kreislaufwirtschaftsgesetz “: All das sind Fachbegriffe und Themen aus der Abschlussprüfung zum Fachlageristen, die nun auch für Ausbildungsneulinge wie Ahmed Al Rashid wichtig sind. Das Fachwissen und die spezifischen Methoden in diesem Beruf zu erlernen, kann auch für Schüler ohne Migrationshintergrund schwierig sein. Damit dies jedoch auch Geflüchteten gelingt, haben die IHK zu Coburg und die Staatliche Berufsschule Lichtenfels 2018 das „Kombimodell 1+2“ ins Leben gerufen.

Heute profitieren zehn Schüler aus acht Nationalitäten bei ihrem Ausbildungsstart davon, viele weiteren in den höheren Klassen. Die Auszubildenden lernen zunächst an drei Tagen pro Woche in der Lichtenfelser Berufsschule . Dabei erhalten sie neben einer intensiven Sprachförderung erste Einblicke in die Fachsprache der Logistik. An den restlichen zwei Tagen sind sie im Betrieb tätig. Die reguläre Ausbildungszeit von zwei Jahren wird dadurch zwar verlängert, doch gestaltet sich dadurch der Eintritt in die reguläre Fachklasse einfacher.

Übergang in Fachklasse

„Der Übergang war zwar am Anfang etwas schwierig, aber das erste Jahr hat gut geholfen. Die Lehrer und Lehrerinnen haben alles sehr gut erklärt“, blickt Mohammed Attar aus Syrien zurück. Mittlerweile haben er und sein Freund Tarek Masaada auch Freunde in der Fachklasse gefunden, die sowohl eine größere Klassenstärke aufweist und die erst eine neue Gemeinschaft bilden muss.

Die Teilnehmer am Kombimodell erhalten zudem einen zusätzlichen Tag Sprachförderung ohne die anderen Schüler der Klasse. Im dritten Jahr verbringen die jungen Leute drei Tage im Betrieb und zwei Tage in der Berufsschule , wobei hier ein Tag explizit zur Sprachförderung und Prüfungsvorbereitung genutzt wird. Letztere möchte auch Ausbildungsakquisiteur IHK zu Coburg Merouane Qsiyer nun noch intensiver fördern.

Heute befinden sich die beiden Männer im Abschlussjahr und sprechen beinahe fließend Deutsch , scherzen und lernen. Beide hatten zunächst das Ziel gehabt, Maschinenanlagenführer zu werden. Als das nicht geklappt hat, haben sie sich für die Ausbildung zum Fachlageristen entschieden. „Ich mag die körperliche Arbeit“, verrät Tarek Masaada. „Und auch Mathematik macht mir Spaß.“ Die Motivation und die guten Leistungen bestätigt auch Oberstudienrätin Katrin Gloss, die viele der Klassen betreut. Sie ist zuversichtlich, dass die beiden sowohl in ihrer Abschlussprüfung als auch bei ihrem nächsten Ziel, die weiterführende Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik, Erfolg haben werden.

Die Basis hierfür bildet wohl ein Stück weit das Kombimodell 1+2. 2018 ins Leben gerufen habe es sich im Kern nur wenig verändert, so Katrin Gloss. Warum? Es hat Erfolg: Im ersten Abschlussjahrgang des Modells konnte ein geflüchteter Mann mit dem besten Ergebnis seines Abschlussjahrgangs glänzen. Zwei weitere Schüler haben sich anschließend an der Fachhochschule eingeschrieben. „Auch in den praktischen Teilen der Prüfung erreichen andere Geflüchtete oft 98 oder 99 Prozent der Punktzahl“, erklärt Katrin Gloss. „Aber oftmals hapert es im Theorieteil an fehlenden Sprachkenntnissen und Fachdeutsch.“

Nach Abschluss weiterlernen

Das soll das Kombimodell 1+2 ändern – auch für die zehn „Neuen“. Für sie beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt voller neuer Strukturen, wechselnden Lehrkräften und dem Bewusstsein, nach Schulschluss oftmals weiterlernen zu müssen. Einer von ihnen ist Ahmed Al Rashid. Der 36-Jährige aus dem Irak hat auf Basis eines Praktikums den Beruf Fachlagerist für sich entdeckt und ist im Unterricht hoch motiviert. Die Fächer Mathematik und Englisch fallen ihm einfacher als etwa der Deutschunterricht . „Ich habe zwar die B2-Prüfung bestanden und verstehe gut, aber mir fehlt der Kontakt mit Menschen. So könnte ich das Sprechen noch besser trainieren.“

Betreut werden die besonderen Klassen von Oberstudienrätin Katrin Gloss, StRin Theresa Müller, StRin Lydia Friedrich und StR Michael Rösslein. Wertvolle Unterstützung erhalten diese in der Regel auch von ihren Ausbildungsbetrieben. Die Lehrkräfte und die IHK zu Coburg stehen mit diesen in engem Austausch. Manche der Lehrstätten ermöglichen ihren Auszubildenden gar zusätzliche Schulungen oder Kurse.