Eines wurde bei der Gedenkfeier in Erinnerung an die Deportation jüdischer Mitbürger vor 80 Jahren ersichtlich: Es ist ein Ausdruck gegen das Vergessen einer furchtbaren Zeit in Deutschland. Besonders für weiterführende Schulen sollte dieses weiter ein wichtiges Thema sein. Stadthistoriker Rudi Fetzer hatte dazu ein Stück Stadtgeschichte ausgearbeitet. Im Rathausfoyer ist eine Ausstellung zu sehen, die gerade jetzt wieder sehr nachdenklich mache, wie Bürgermeisterin Christine Frieß ( CSU ) anmerkte.

Rudi Fetzer führte aus, dass der aggressive Antisemitismus gegen Juden nach der Reichskristallnacht 1938 wesentlich zugenommen hatte. In Burgkunstadt wurde die Synagoge nicht abgebrannt, da man Angst hatte, das Feuer könnte auf benachbarte Häuser übergreifen. Dennoch wurde öffentlich dazu aufgerufen, bei der Zerstörung mitzuwirken. Ausschlüsse und Verbote gemeinsamen Lebens für Juden, was vorher völlig normal erschien, waren wie persönliche Stigmatisierungen nun an an der Tagesordnung. Die Wannseekonferenz im Januar 1942 hatte dann die endgültige Vernichtung jüdischen Lebens organisiert.

„Nicht nachvollziehbar“

Hatten bis 1933 noch 53 jüdische Mitbürger in Burgkunstadt gelebt, waren es 1939 nur noch 32 und 1942 nur noch 13. Was geschah, sei aus heutiger Sicht nicht nachvollziehbar, erklärte Rudi Fetzer. Zuvor habe es noch ein harmonisches Miteinander gegeben. Mit zunehmendem Antisemitismus sei jüdischen Mitbürgern Hab und Gut weggenommen worden. Sie litten unter Hunger und Kälte. In den ehemaligen jüdischen Wohnhäusern wurden „arische Bürger“ untergebracht. Rudi Fetzer zeigte dies am grausamen Schicksal der Familie Steinbock auf: Ignaz Steinbock war Schächter, jüdischer Lehrer und Religionsdiener in Burgkunstadt und Altenkunstadt. Er wohnte mit seinen beiden Töchtern Elisabeth und Agnes und seinem Enkel Hans-Peter im jüdischen Schulgebäude in Burgkunstadt , bis sie in ein sogenanntes „Bayer-Haus“ (Judenhaus) hineingepfercht wurden. Dort gab es nur kleine Zimmer, die kaum Lichteinfall hatten. Elf Frauen und Männer und eben der kleine Hans-Peter lebten darin. Und hier gibt es einen Zeitzeugen, den Burgkunstadter Ehrenbürger Elmar Bergmann, der über die Geschehnisse am 24. April 1942 berichtete. Er selbst war damals acht Jahre alt. Nach der Schule war er stets bei seiner Tagesmutter, Frau Michel, die schräg gegenüber von den Bayer-Häusern in der heutigen Kulmbacher Straße wohnte. An den Nachmittagen spielte er immer mit dem damals fünf Jahre alten Hans-Peter Steinbock. Auch an jenem 24. April war das so. Plötzlich tauchte Hans-Peters Mutter bei den spielenden Buben auf. Sie nahm ihren Sohn mit, eilte den schmalen Weg zwischen den Häusern hinauf zur Straße. Dort wurde der Junge rasch auf einen geparkten Lkw hinaufgehoben. Er weinte bitterlich. Seine Mutter wurde auch hinaufgezogen. Auf diesem Laster und einem zweiten, der auf der Höhe des Platzes der ehemaligen Synagoge stand, saßen bereits alle Juden mit ihrem Handgepäck. Dann wurden sie deportiert. Diese Aktion wurde durchgeführt von Burgkunstadter SA-Leuten sowie HJ-Jungen in Uniform und anderen Männern in Zivil. Elmar Bergmann sah die beiden Lkws wegfahren. Bis heute kann er die Bilder seines weinenden Freundes nicht vergessen.

„Wir dürfen die Menschen, die hier mit uns gelebt haben, nicht vergessen“, sagte Pfarrer Heinz Geyer. Es gelte, aus den Geschehnissen zu lernen und jedes menschliche Leben zu respektieren. Pater Josef Gibus forderte das vereinen aller Menschen im christlichen Geist.

Bürgermeisterin Frieß legte gegen das Vergessen der ehemaligen Mitbürger in Burgkunstadt eine Schärpe am Gedenkstein, wo die ehemalige Synagoge stand, nieder.