Selten waren die Signale aus der Lichtenfelser Wirtschaft so widersprüchlich. Während sich Gastronomie , Hotellerie und Einzelhandel erst wieder langsam aus dem Lockdown herauskämpfen, schätzen Baugewerbe , Industrie und viele Dienstleistungsbereiche ihre aktuelle Geschäftslage positiv ein, so das Resümee aus der aktuellen IHK-Konjunkturbefragung.

Mit 97 Punkten liegt der aktuelle Konjunkturklimaindex sieben Punkte über dem Stand zur Jahreswende, aber deutlich unter dem 20-Jahres-Durchschnittswert von 105 Punkten. Dass der Index nicht höher lag, ist der Tatsache geschuldet, dass die Lichtenfelser Unternehmer eher pessimistisch auf den weiteren Verlauf der Konjunktur blicken. 39 Prozent der Unternehmen beurteilen die aktuelle Lage positiv, 31 Prozent negativ. Vor allem die Inlandsnachfrage hat in den vergangenen Monaten wieder angezogen. „Vor dem Hintergrund, dass viele Unternehmen bis vor wenigen Tagen ihre Geschäftstätigkeit weitestgehend eingestellt hatten, zeigt die Lagebeurteilung, dass sich die Situation Schritt für Schritt wieder normalisieret“, so Wilhelm Wasikowski, IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des IHK-Gremiums Lichtenfels .

Viele Unternehmen klagen über die schlechter werdenden Rahmenbedingungen. In verschiedenen Statements werden vor allem die wachsende Bürokratie und die steigenden Auflagen kritisiert. Eine Unternehmerin formuliert das so: „Die Corona-Hilfen, die ich für mein Unternehmen erhalten habe, gebe ich wieder doppelt und dreifach aus für die Testpflicht, die Einrichtung von Homeoffice-Arbeitsplätzen oder die Umsetzung neuer Auflagen.“

Trotz der eher trüben Aussichten wollen die Unternehmen im Landkreis Lichtenfels wieder mehr investieren. Dass die Investitionsquote insgesamt vergleichsweise niedrig ausfällt, ist darauf zurückzuführen, dass viele Unternehmen nach einem monatelangen Lockdown aktuell gar nicht die Mittel haben, groß zu investieren.

83 Prozent der investitionswilligen Unternehmen setzen auf Ersatzbeschaffungen, gefolgt von Investitionen in den Umweltschutz (48 Prozent). Immerhin 21 Prozent investieren in Produktinnovationen und 17 Prozent in Kapazitätserweiterungen. Geht es nach den Planungen der Unternehmen , wird die Mitarbeiterzahl stabil bleiben.

Ganz anders die Situation im Beherbergungsgewerbe: Zu den wenigen Hotels im Landkreis, die für Geschäftsreisende geöffnet hatten, gehört das Kurhotel an der Obermain-Therme , wo sich der Betrieb aber in den vergangenen Monaten kaum gerechnet habe. „Da unser Standort eine starke Abhängigkeit von der Obermain-Therme hat, werden wir sicher noch etliche Wochen mit Umsatzrückgängen von 70 bis 80 Prozent leben müssen, bis die Therme wieder in Regelbetrieb geht. Sicher wird es die kommenden zwei Jahre auch zu Einschränkungen kommen, was das Seminar- und Tagungsgeschäft angeht“, so Geschäftsführer Andreas Poth. „Aber wir glauben an den Standort . So wurden bereits während des Lockdowns große Investitionen getätigt.“ red