Vier Geschwister, ähnliche Gene und doch unterschiedliche Charaktere: Im Geschwisterquartett TenHagen vereinen sich Profession, Leidenschaft und eine ganz besondere Kommunikation zwischen den Instrumenten Violine, Viola und Violoncello . So wurden die Stücke aus der Feder Wolfgang Amadeus Mozarts und Ludwig van Beethovens im Rahmen des ersten Kultursonntags in der Alten Vogtei in Burgkunstadt 2021/22 unvergesslich.

Gemeinsame Leidenschaft

Ein altes Sprichwort sagt: „Geschwister sind unterschiedliche Blumen aus demselben Garten.“ Das scheint dem Geschwisterquartett TenHagen auf den Leib geschrieben: Die gemeinsame Leidenschaft für die Kammermusik ist ihre Basis und ihr Nährboden. Die unterschiedlichen Charaktere Kathrin, Leonie, Borge und Malte versehen die dargebotenen Stücke mit Individualität und Glanz. So ist es auch am Sonntagabend bei ihrem Konzert im Rahmen des ersten Kultursonntags der Kulturgemeinde Burgkunstadt geschehen. Die Besucherinnen und Besucher zeigten sich begeistert von so viel Profession, Spielkunst und Harmonie unter den vier Instrumentalisten .

Zwei Schwestern und zwei Brüder

So schafften es die beiden Schwestern an der Violine sowie ihre Brüder Borge an der Viola und Malte am Violoncello , dem Streichquartett D-Dur KV 575 aus der Feder Wolfgang Amadeus Mozarts gleichsam Anmut und Raffinesse zu geben. Dieses erste „Preußische Quartett“ hat einen hörbaren Hintergrund: Mozart steckte in seinen letzten Lebensjahren immer wieder in argen Geldnöten und erhoffte sich durch die Komposition eines Werkes für den preußischen König von diesem ein hohes Honorar. Friedrich Wilhelm II. war ein leidenschaftlicher Cellospieler, weshalb dem Instrument in dem D-Dur-Quartett durch viele virtuose Soli auch eine „königliche“ Prominenz eingeräumt wird. Auch wenn es also unter deprimierenden Umständen komponiert wurde, so erfreut das Quartett durch seinen eleganten Schönklang und feinsinnigen Humor und endet in einem heiter singenden Schluss. Man könnte fast meinen, die Instrumente hätten ein anregendes Gespräch über die Kunst geführt – die Freude der Geschwister TenHagen an Mozarts thematischen Einfällen war eine aufrichtige, und die musikalische Lustigkeit des Altmeisters hat sich spürbar auf das Publikum übertragen.

Endlich wieder Livemusik

Schließlich hat die lange Zeit entbehrte Möglichkeit, Musik so unmittelbar erleben zu können, die Besucher von Anfang an in eine gute, jeden Ton genießende Stimmung versetzt. Endlich konnten sie wieder beieinander sitzen, wenn auch mit den entsprechenden Kontrollen vorab. „Ich freue mich, dass die Pandemie-Lage nun wieder Lockerungen zugelassen hat und wir endlich wieder in einem angenehmen Rahmen die Veranstaltungen durchführen können“, erklärte Otmar Fugmann, Geschäftsführer der Friedrich-Baur-Stiftung, die die Kulturgemeinde Burgkunstadt als Veranstalter der Kultursonntage unterstützt.

Den zweiten Teil des Abends füllte das Streichquartett op. 130 des Komponisten Ludwig van Beethoven gebührend aus: Es gilt als ein „Monument der Klassik “. Bei seiner Erstaufführung wurden die mittleren Sätze als „Leckerbissen“ so sehr gefeiert, dass sie umgehend wiederholt werden mussten. Auch hier zeigte sich die individuelle solistische Qualität der vier Instrumentalisten : In ihrer Freude an den thematischen Gegensätzen und ihrer Zusammenführung haben sie dabei die Geschlossenheit des sechssätzigen Werkes nie aus den Augen verloren. Mit ihrer einfühlsamen Spielweise sind sie den vielen farblichen Schattierungen, dynamischen Ausbrüchen und leisen, innigen Passagen, den Spannungen, aber auch Heiterkeiten dieser großartigen Musik gerecht geworden.

Musizieren auf höchstem Niveau – das Geschwisterquartett TenHagen bewies eine unvergleichliche Symbiose aus Gemeinsamem und Individuellem. Kein Wunder also, dass die Geschwister gern gesehen sind bei renommierten Festivals wie dem Rheingau-Musik-Festival, dem Schleswig-Holstein-Musik Festival und dem Bonner Schumannfest. Zu vergangenen Höhepunkten gehörten ein Projekt mit der Pianistin Ewa Kupiec und eine Tournee mit mehreren Konzerten in Paris. Im Jahr 2014 hatten die vier Geschwister ihr Debüt im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie gegeben.