Als zeitweilig – der noch im Frühjahr stark wütenden Corona-Pandemie geschuldet – vieles brachlag, entdeckte so mancher das Radeln neu für sich. Der Radtourismus boomt mehr denn je. Und nun ermöglicht es – dank sinkender Inzidenzwerte – das Jahrestourenprogramm des ADFC Obermain endlich auch wieder, gemeinsam mit Gleichgesinnten sich den Fahrtwind um die Nase wehen und den Alltag hinter sich zu lassen. Kreisgruppensprecher Max Rother, der im Beisein seiner Stellvertreter Ralph Fischer und Armin Lieb das neue Programm vorstellte, lädt im Namen des ADFC Obermain herzlich zum Mitradeln ein.

Schon im Vorjahr musste eine Reihe der Touren des ADFC Obermain pandemiebedingt ausfallen – und „Planungssicherheit“ war auch im Frühjahr 2021 noch ein Fremdwort. „Natürlich erfüllt es uns mit Freude, dass es endlich wieder losgehen kann mit den Touren. Die wunderbare lockere Atmosphäre, die hat uns gefehlt“, sagt Rother, der neben Fischer, Lieb und Thomas Rehm selbst einige Touren leitet.

Die „Bamberger Kellertour“ und weitere

Die Teilnehmer der Touren wissen das Angebot des ADFC Obermain zu schätzen, wie aus der Resonanz in den Vorjahren unschwer erkennbar ist. Nach dem Auftakt am 13. Juni startet die nächste Tour des ADFC Obermain am Sonntag, 27. Juni. Die „Bamberger Kellertour“ führt über eine Länge von 70 Kilometern durch die Domstadt. Gestartet wird die von Maxi Rother geleitete Tour morgens um 10 Uhr am Bahnhof in Bad Staffelstein. Außerdem sind im Jahresverlauf nach derzeitigem Stand neun weitere Touren vorgesehen (Details siehe unten).

Die 50 bis 100 Kilometer langen Strecken verlangen den Radl-Fans freilich schon ein wenig Kondition ab. So sind etwa bei einer der anspruchsvollsten Touren durch die Fränkische Schweiz zur Kathi-Bräu am 11. Juli satte 900 Höhenmeter zu überwinden.

Unter der Prämisse, dass die Gesamtkonzeption des Programms jedermann ansprechen soll, wurden aber auch heuer wieder einige weitgehend eben gehaltene „Feierabendtouren“ mit einer Länge von rund 30 Kilometern aufgenommen. Neben der am 13. Juni bereits absolvierten Feierabendtour ist am Donnerstag, 15. Juli, eine weitere geplant. Eventuell wird es auch noch eine dritte Feierabendtour im August geben, die dann aber rechtzeitig bekanntgegeben würde.

Wie in den Vorjahren ist seitens des ADFC Obermain auch angedacht, zum Ausklang im Oktober wieder eine abschließende Wanderung zu veranstalten. Auch hierzu werden, sobald bekannt beziehungsweise festgelegt, konkrete Informationen verlautbart.

Hingewiesen werden soll hier auch auf die Homepage des ADFC Bamberg, dem „Mutter-Kreisverband“ der Region. Von deren Seite aus ist das dort per orangefarbenen Banner gekennzeichnete deutschlandweite ADFC-Tourenportal aufrufbar.

Die Planung und Umsetzung der Touren des ADFC Obermain trägt der aktuellen Fassung der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung vom 7. Juni sowie einem aktuellen Leitfaden für geführte Radtouren Rechnung. Die Touren des ADFC Obermain sind auf zehn Teilnehmer begrenzt. Eine Anmeldung ist für alle Touren zwingend erforderlich, und zwar ausschließlich per E-Mail an obermain@adfc-bamberg.de.

So lange der Inzidenzwert stabil unter 50 bleibt – und da sieht es momentan im Landkreis Lichtenfels gut aus – ist weder ein negativer Test noch ein Impfnachweis erforderlich.

„Selbstverständlich können Interessierte auch mit dem E-Bike teilnehmen“, ergänzt Kreisgruppensprecher Rother. Ferner wird darauf hingewiesen, dass für die Teilnahme keine ADFC-Mitgliedschaft vonnöten ist.

„Die Politik weiter in die Pflicht nehmen“

Genauso wie der Bundesverband, die Landesverbände und die benachbarten Regionalgruppen, mit denen Max Rother und seine Mitstreiter ein gutes, konstruktives Miteinander pflegen, sieht sich auch der ADFC Obermain als Sprachrohr für die Belange der Radfahrer .

„Wir müssen und werden die Politik weiter in die Pflicht nehmen“, betont Armin Lieb und weist auf das ernüchternde Ergebnis der im März veröffentlichten bundesweiten „Fahrradklima-Tests“ hin. Mehr als 200 000 Radfahrer hatten im Herbst 2020 per Online-Umfrage über verschiedene Aspekte der Fahrradfreundlichkeit ihrer Stadt abgestimmt.

Dem Resultat zufolge sind die Stadtzentren mit dem Rad zwar grundsätzlich gut erreichbar, aber bei vielen Punkten hapert es vielerorts noch immer, von mangelhaft auf den Radverkehr abgestimmter Ampelschaltung bis zu schmalen Radwegen und einer hier und da aus Sicht der Radler unbefriedigenden Berücksichtigung des Punktes Sicherheit. Hof und Kulmbach schnitten bei der Umfrage besonders schlecht ab, wobei etwa das Blockieren von Radwegen durch Hindernisse moniert wurde. Und auch am Obermain beziehungsweise auf den Wegen von und zu benachbarten Regionen „ist noch Potenzial nach oben“, hieß es seitens der Vertreter des ADFC Obermain, denen auch bewusst ist, dass Schönrednerei keinem weiterhilft.

In diese Richtung geht auch das Statement von Kreisgruppensprecher Rother: „Eine Konfrontation mit den Autofahrern etwa liegt uns fern – aber wir setzen uns schon für eine Verkehrspolitik ein, die Bedingungen für ein gutes Miteinander aller Verkehrsteilnehmer schafft.“

Einen wichtigen aktuellen Aspekt bringt Ralph Fischer ins Spiel: „Wenn die Infrastruktur dahingehend verbessert wird, steigt auch die Bereitschaft der Gesellschaft, noch mehr aufs Fahrrad zu steigen – Stichpunkt Verkehrswende.“

Kreuzungsgestaltung, Kreisverkehre und Querungen sind weitere Schlagworte bei der wichtigen Frage, wie Neubaugebiete oder bauliche Umgestaltungen in Dörfern und Städten so umgesetzt werden, dass die Sicherheit der Radfahrer nicht auf der Strecke bleibt.

„Bei wenig durchdachten Verkehrsplanungen sind Konflikte zwischen Autofahrern und Radlern manchmal geradezu programmiert. Bei einer Planung, die die Radfahrer von Anfang an mit ins Boot holt, wäre dies aber vermeidbar“, ergänzt Armin Lieb.

Dem ADFC Obermain liegt Scheuklappendenken fern. Aber selbst noch so gestählte Waden können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Radler keine Knautschzone hat und im schlimmsten Fall den Kürzeren zieht.