Es hat schon fast etwas Idyllisches - kilometerweit Sandstrand, fast menschenleer, im Hintergrund die Kreidefelsen von Culver Down. Befänden wir uns nicht mitten im Kampf gegen ein gefährliches Virus, man könnte neidisch werden. Doch natürlich ist der Strand Sandown Bay, den Peter Jackson aus Coburgs Partnergemeinde auf der Isle of Wight bei einem Spaziergang fotografiert hat, nur deshalb so leer, weil die Menschen - genau wie in Coburg - zu Hause bleiben müssen.

Natürlich gilt dieser "Lock-down" ebenso in Coburgs französischer Partnerstadt Niort im Westen Frankreichs. Die Bewegungsfreiheit dort sei sehr eingeschränkt, wie Myriam Hoesterey, Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Allemagniort, dem Tageblatt per E-Mail berichtet. Wer sich nicht aus beruflichen Gründen draußen bewegen müsse, dürfe nur einmal am Tag das Haus für maximal eine Stunde verlassen - und auch nur, um Lebensmittel einzukaufen oder für medizinische Besorgungen.

Sport ist allerdings auch in Niort erlaubt: "Es ist möglich, einmal am Tag im Umkreis von einem Kilometer von zu Hause eine Stunde spazieren zu gehen, zu joggen oder Fahrrad zu fahren", erzählt Myriam Hoesterey. Bei jedem Ausflug seien die Menschen aber verpflichtet, eine ausgefüllte Bescheinigung mitzuführen, die den Grund nennt, warum sich jemand außer Haus aufhält.

Im Großen und Ganzen seien die Menschen auf der Isle of Wight ruhig geblieben und hielten sich an die Regeln, beschreibt Peter Jackson die Situation. "Die Straßen sind viel leerer als normal, und die meisten Menschen sind darauf bedacht, Abstand zu anderen zu halten. Wir haben mehr Platz als die bevölkerungsreicheren Teile Großbritanniens, also haben wir nicht die Situation wie in London, wo Parks geschlossen werden mussten."

Eine harte Probe

Ähnliches berichtet Myriam Hoesterey aus Niort: Wie überall würden die Menschen in Nordostfrankreich auf eine harte Probe gestellt. Dennoch zeigten sie Solidarität und respektierten die Anweisungen nach bestem Wissen und Gewissen. "Wir langweilen uns nicht und sind in unseren Häusern und Gärten sehr aktiv, sofern wir das Glück haben, einen Garten zu besitzen."

Ein ganz anderes Kapitel sind die familiären Bindungen. "Die Familiensituation ist ein echtes Problem", sagt Peter Jackson. "Mein Sohn lebt in Northampton, meine Tochter in Chessington, beide auf dem Festland. Keiner von uns kann reisen. Skype, Zoom, Whatsapp, E-Mails und das Telefon sind für alle, die sie bedienen können, von unschätzbarem Wert, um mit Kindern und Enkelkindern kommunizieren zu können." Besonders schlimm sei die Tatsache, dass ältere Verwandte in Pflegeheimen nicht besucht werden dürfen, selbst dann nicht, wenn diese im Sterben liegen.

Wie geht es Peter Jackson persönlich? "Wir bleiben so viel wie möglich zu Hause", schreibt er. "Wir bestellen Einkäufe per Hauslieferung und lassen uns von unserem Nachbarn helfen. Wir sind im Haus und Garten beschäftigt. Wir sind in der Lage, innerhalb der von der Regierung vorgegebenen Zeit Sport zu treiben, und wir haben ziemliches Glück, weil wir recht nahe an der Küste wohnen. Wir sind im Ruhestand, also haben wir keine Probleme mit der Arbeit. Mein Sohn und meine Tochter können dank des Internets von zu Hause aus arbeiten, aber mein Schwiegersohn, der Zimmermann ist, muss staatliche Unterstützung beantragen."

Unterricht per Skype

Auch in Niort sei die Zahl der Telefon- und Videokonferenzen noch nie so hoch gewesen wie im Augenblick, bestätigt Myriam Hoesterey. Was die Aktivitäten im Verein Allemagniort betreffe, so gebe Deutschlehrer Boris Dabbert seine wöchentlichen Unterrichtsstunden nun per Skype aus der Ferne.

Etwas anderes ist derzeit kaum möglich. Die Niort Expo 2020 ist verschoben, die Wein- und Gastronomiemesse abgesagt und auch geplante Schul-Austausche sind abgesagt.

Immer mehr Restaurants und Einzelhandelsgeschäfte in Niort bieten die Möglichkeit an, bestellte Waren nach Vereinbarung außerhalb der Geschäfte abzuholen. Die Markthalle bleibt geöffnet, an den Eingängen wird kontrolliert, weil nicht mehr als zehn Menschen auf einmal hinein dürfen, berichtet Myriam Hoesterey. "Aber die meisten kleinen Geschäfte bleiben geschlossen, und wir kaufen in Supermärkten ein, mit hohen hygienischen Schutzmaßnahmen."

Zahlen, wie viele Menschen in Niort an Corona erkrankt oder gar gestorben sind, liegen Myriam Hoesterey nicht vor, sagt sie. Im Departement Deux-Sèvres, zu dem Niort gehört, lagen am Mittwoch 33 Infizierte im Krankenhaus, zwölf Patienten sind verstorben.

Auf der Isle of Wight zählte man am gleichen Tag 55 Infizierte und ebenfalls zwölf Todesfälle in den Krankenhäusern. "Auf nationaler Ebene scheint sich die Zahl der Todesfälle auf täglich 800 eingependelt zu haben", schätzt Peter Jackson. Er sehe noch kein Ende des "Lock-down".

Den Brexit gibt es ja auch noch

Dafür drängt sich nun wieder ein ganz anderes Thema auf: der Brexit! Trotz Coronakrise sollen die Verhandlungen mit der EU wieder aufgenommen werden, denn Ende des Jahres läuft die Übergangsfrist ab und die künftige Zusammenarbeit muss geklärt werden. "Die Regierung hat erklärt, dass sie nicht beabsichtigt, eine Verlängerung der Übergangsmitgliedschaft zu beantragen", sagt Peter Jackson. "Aber viele sind der Meinung, dass das Letzte, was wir jetzt brauchen, noch mehr finanzielle Schwierigkeiten durch einen möglichen harten Brexit sind!"