Fast täglich bekommt Marion Damm, die Vorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz (LBV), Kreisgruppe Lichtenfels, viele Anrufe von besorgten Menschen, die Bedenken haben, dass die Igelkinder durch den Winter kommen. Seit vielen Jahren hilft sie kranken und geschwächten Stacheltieren. Marion Damm kann deshalb aus eigener Erfahrung über diese viel berichten.

"Viele Menschen bedenken nicht, dass die Igelkinder in den Monaten Juli und August geboren werden. Selbst Anfang September kommen noch manche der possierlichen Tiere auf die Welt. Somit ist es unmöglich, dass diese jetzt schon ein Gewicht von 500 Gramm oder mehr haben", sagt die engagierte Tierschützerin. Jetzt sei es ganz normal, Igelkinder mit einem Gewicht von 200 Gramm oder sogar noch weniger anzutreffen. Darüber müsse man sich nicht gleich Sorgen machen: "Sie haben noch einige Wochen Zeit, um sich Fettreserven für den Winterschlaf anzufressen. Igel sind Wildtiere, die unter Artenschutz stehen. Deshalb sollten sie in Ruhe gelassen werden. Kleine und schwache Igel sind deshalb nicht gleich in Obhut zu nehmen", sagt die Vorsitzende. Nur hilfebedürftige Igelkinder, die unter 100 Gramm wiegen und keine Mutter mehr haben, brauchten Hilfe. Die Aufzucht sei aber sehr kompliziert und mühsam.

Aufwendige Aufzucht

Anfangs werde eine spezielle Ersatz-Aufzuchtmilch benötigt, die alle zwei oder drei Stunden, bis spät in die Nacht hinein, mit der Flasche dem Igelkind zugeführt wird. "Nach jeder Mahlzeit muss der Igelbauch vorsichtig massiert werden, um den Verdauungstrakt und die Blase anzuregen. Dies macht normalerweise die Igelmama mit ihrer Zunge. Es ist bei der Pflege besonders auf Sauberkeit zu achten", berichtet Marion Damm. Kotverschmierte Igelkinder seien behutsam zu reinigen. Das warme Ersatznest sollte täglich mit neuen Tüchern oder Lappen ausgelegt werden. Man habe eine große Verantwortung den gesetzlich geschützten Tieren gegenüber. Igel, die keine Hilfe benötigen, dürften nicht der Natur entnommen werden.

"Was viele Gartenbesitzer oft überhaupt nicht bedenken, ist, dass die Tiere sehr gebietstreu sind. Sie bleiben in ihrem Revier, wenn es genug Futter und Rückzugsmöglichkeiten gibt. In ihrer Heimat kennen sie sich aus. Sie lieben Insekten und finden verschiedene Wurmarten im Komposthaufen", sagt Damm.

Die richtige Nahrung

Immer wieder würden ihr Menschen erzählen, dass sie Igel mit Obst oder Gemüse füttern. Sie wunderten sich dann, wenn die Sachen links liegengelassen werden. Kein Wunder: Der Igel ist ein Insekten- und Fleischfresser. "Der Darmtrakt des Igels kann das Obst überhaupt nicht verwerten. Die Lieblingsspeisen für die Stacheltiere sind unter anderem Mäuse, Käfer, Tausendfüßler, Ohrwürmer, Spinnen und Regenwürmer. Auch Schnecken und deren Eier werden verspeist", erklärt die LBV-Kreisvorsitzende.

Es sei ihr ein Rätsel, weshalb überall Igel mit Äpfeln abgebildet sind. Das führe zu einem falschen Bild der Tiere. Durch den relativ wenigen Regen in den letzten drei Jahren, besonders in den Sommermonaten, hätten die Stacheltiere Schwierigkeiten gehabt, genug Nahrung zu finden. "Und wenn die Gärten blitzblank leer gefegt sind, haben die niedlichen Wildtiere noch mehr Probleme, für sich und ihren Nachwuchs genug Futter sowie Schlafmöglichkeiten zu finden. Der beste Schutz für Igel sind naturnah gestaltete Gärten mit Laubhaufen mit Reisig kombiniert. Man kann auch Igelhäuser anbieten und diese an einer geschützten Stelle oder unter dichten Gehölzen aufstellen", sagt Marion Damm.

Beim Umherwandern fielen kleine Igel oft steile Kellertreppen hinab und kämen nicht mehr hoch. Ein schmales Brett oder Steine an einer der Seite der Stufen würden dann beim Klettern helfen. Wenn die hilflosen Igelkinder dann nicht gleich entdeckt werden, blieben sie ausgehungert und völlig unterkühlt zurück.

Futterstation im Garten

Den untergewichtigen Kerlchen könne man im eigenen Garten eine Futterstation anbieten. Die Zusatznahrung sollte aus einem Gemisch von Katzennassfutter und Igeltrockenfutter bestehen. Außerdem sei stets Wasser in einem flachen Behältnis bereitzustellen. Keinesfalls sollte man den Igeln Kuhmilch oder Katzenmilch anbieten. Die Näpfe seien regelmäßig zu reinigen, um Krankheiten vorzubeugen. Eine trockene Unterkunft und regelmäßiges Futter seien eine gute Unterstützung für die Tiere, die sich nun langsam auf den Winterschlaf vorbereiten. js