Charlotte Wittnebel-Schmitz

Das Feuerwehrhaus lag gegenüber vom Elternhaus. Von dort beobachtete er, wie die Feuerwehr ausrückte. "Man ist als Jugendlicher Blaulicht-begeistert", sagt Sebastian Fell. Mit zwölf Jahren trat er der Feuerwehr bei. Früher geht es in Bayern nicht. Mit 19 Jahren wurde er Jugendwart, seitdem kümmert er sich besonders um den Nachwuchs im Verein.

Über die Kreisjugendfeuerwehr hilft Fell überall mit, wo seine Hilfe gebraucht wird. Sei es bei der Organisation von Ferienprogrammen, Zeltlagern, Bowling-oder Dart-Turnieren oder Fortbildungsmöglichkeiten für Jugendwarte.

Den zehn Jugendlichen in Haard bringt er Grundlegendes bei, das sie auf einen späteren Einsatz vorbereitet: Umgang mit Schläuchen, Armaturen und Leinen, Verhalten bei Notfällen, Fahrzeugkunde, Unfallverhütung, persönliche Schutzausrüstung und Dienstkleidung steht da etwa auf dem Plan. Momentan läuft die Ausbildung online ab. Online sei es schwieriger, dass "die Jugendlichen bei der Stange bleiben", findet Fell.

Meist im Oktober prüft er, was die jungen Feuerwehrleute gelernt haben. Er fährt dann von einem Ort zum anderen und nimmt den Jugendlichen, die sich im Landkreis bei der Feuerwehr engagieren, einen Wissenstest ab. Als Belohnung winken bronzene, silberne oder goldene Abzeichen und eine Urkunde.

Auf die 24-Stunden-Übung freut sich Fell jedes Jahr besonders. Bei der Simulationsübung erleben die Jugendlichen den Alltag eines Berufsfeuerwehrmanns. Die junge Truppe werde "zu jeder Tages- oder Nachtzeit gerufen und auf Trab gehalten."

Die Jugendlichen lernen, Verantwortung zu übernehmen. "Ich kann nicht sagen, ich bleib im Bett, hab keine Lust. Wir haben eine Pflicht gegenüber dem Bürger. 24 Stunden, 365 Tage", sagt Fell. Und das gilt, obwohl es ein Ehrenamt ist.

Immer wieder hat er es erlebt: Da ist die Nacht kurz und vom Einsatz geht es von der Dusche direkt in die Schule. Hauptberuflich arbeitet Sebastian Fell an einer Förderschule in Würzburg.

Bei der Feuerwehr verliebt

Seine Frau Christine Fell kennt die Aufgaben, die das Ehrenamt mit sich bringt. Sie ist auch seit Jahren sehr aktiv bei der Kreisjugendfeuerwehr. "Dort hat es gefunkt", sagt Fell.

"Über das Engagement der beiden bin ich immer wieder erstaunt. Wann immer irgendwo Arbeit zu erledigen ist, sind die beiden fast immer vor Ort", schreibt Johannes Heim, 1. Vorsitzender der Feuerwehr Haard, der der Redaktion Sebastian Fell als stillen Helden vorschlug.

Ein gutes Zeitmanagement ist bei so viel Einsatz wichtig. Drei bis fünf Stunden pro Woche braucht Fell im Durchschnitt für seine Tätigkeit als Jugendwart. Hinzu kommt, dass er seit mehreren Jahren auch Ausbilder für Erste-Hilfe-Kurse sowohl im Bayerischen Roten Kreuz Bad Kissingen als auch im Kreisfeuerwehrverband Bad Kissingen ist.

Neben der Feuerwehr engagiert er sich für die Kirche. Nach der Kommunion begann Fell mit dem Ministrieren. Mit 14 Jahren kam er in den Pfarrgemeinderat. Er spielt Orgel und ist seit zwei Jahren Kirchenpfleger, damit verantwortlich für Finanzen, Rechtsschutz und das Gebäude. Das Amt des Kirchenpflegers hatte früher sein Großvater inne.

Während seines jahrelangen Engagement hat er gelernt: Wenn man eine Veränderung möchte, muss man dranbleiben. "Die Mühlen mahlen langsam, manchmal braucht man einen sehr, sehr langen Atem." Aufhören will er nach 20 Jahren nicht: "Es macht richtig Spaß, sonst würde ich es nicht machen."