Zukunftsweisende Worte für den Radtourismus sprach Landrat Wilhelm Schneider (CSU) in Haßfurt im Landratsamt bei der Abschlussveranstaltung des Leader-Kooperationsprojekts "Benchmarking der Radwege und Infrastrukturen". Daran nahmen mehr als 30 Vertreter aus Politik, Verwaltung, Naturpark und Tourismus teil, wie die Behörde mitteilte. Leader bedeutet, dass es ein europäisches Projekt ist (Fördermittel der EU).

Dass der Radtourismus erfolgreich ist, sehen vor allem die Städte und Gemeinden, die am Maintal-Radwanderweg liegen. In Kolonnen sind die Radler in der warmen Jahreszeit unterwegs. "Manchmal wird's eng auf dem Weg", beschrieb ein Zeiler jüngst das Aufkommen.

Die Ergebnisse

   Die Projektverantwortlichen des Leipziger Beratungsunternehmens "absolutGPS", Anne Heidemüller und Johanna Weinreiter, präsentierten jetzt in Haßfurt das Vorgehen und die erzielten Ergebnisse und setzten gleichzeitig den Rahmen für eine erfolgreiche Maßnahmenumsetzung der gemeinsamen Radregion. Der gesamten Region wurden eine überregionale Einbettung des Radtourismus sowie gut ausgebaute Radwegenetze bestätigt. Ein Handlungsbedarf wurde im Bereich der Strategie, der Kooperation und der Produktentwicklung und -bewerbung gesehen.

Die fünf Landkreise Haßberge, Bad Kissingen, Kitzingen, Rhön-Grabfeld und Schweinfurt sowie die Stadt Schweinfurt hatten sich zusammengeschlossen, um gemeinsam die radtouristischen Potenziale auszubauen. Ziele dieses umfassenden Projektes sind die Stärkung der Netzwerkarbeit auf unterfränkischer Ebene, die zielgruppengerechte Ausrichtung der Angebote auf gemeinsamer Basis sowie die Verbesserung der Radwander-Angebote in Unterfranken.

4300 Kilometer befahren

Um diese Vorhaben zu erreichen, wurden in den vergangenen zwei Jahren unter anderem Workshops mit Radverantwortlichen, Befragungen der touristischen Gebietsausschüsse und Imageanalysen sowie anonyme Tests bei den Tourist-Informationen zur Überprüfung von Qualität und Service durchgeführt. Eine der Hauptmaßnahmen war die Befahrung ausgewählter Radwege mit einer Gesamtlänge von knapp 4300 Kilometern. Durch die Befahrung konnten detaillierte, standortgenaue Daten erhoben werden, beispielsweise zu Gefahrenstellen wie großen Schlaglöchern oder zur Beschaffenheit der Radwege. 174 Gefahrenstellen unterschiedlicher Kategorien und Tragweite wurden ermittelt. Die Qualität des Untergrunds der Radwege wurde hingegen zu 93 Prozent mit gut bis sehr gut bewertet.

Diese Befahrungsergebnisse wurden den Projektbeteiligten in einem Online-Tool zur Verfügung gestellt und bilden die Grundlage für die Erarbeitung der sogenannten Benchmark-Analysen. Dabei handelt es sich um einen Vergleich der Methoden, Strukturen, Prozesse und Produkte im Radsegment der unterfränkischen Kreise mit denen in Vorzeige-Raddestinationen, um den eigenen Status Quo ermitteln und systematisch die Leistungslücken erschließen zu können. Diese Vergleichsanalysen beleuchten sowohl die Gesamtregion als auch die einzelnen Landkreise. Die Endfassung der Benchmark-Analysen wird den Projektbeteiligten zum Jahresende von "absolutGPS" zur Verfügung gestellt, teilte das Landratsamt weiter mit.

Mit der Ergebnispräsentation fand das Leader-Kooperationsprojekt nach zwei Umsetzungsjahren seinen Abschluss. Erste Diskussionen zu Möglichkeiten und Herausforderungen einer zukünftigen landkreisübergreifenden Zusammenarbeit zur Optimierung und Sicherung der Qualität im Radtourismus wurden bereits geführt. Zunächst gilt es jedoch, gemeinsam mit allen Leistungsträgern von Politik, Verwaltung und Tourismus die identifizierten Schwachstellen in der Radwegeinfrastruktur zu beheben, bestehende Angebote aufzuwerten und schließlich gemeinsam mit den Projektpartnern einheitliche Qualitätsstandards zu schaffen. Dies könnte beispielsweise die Festlegung einheitlicher Kriterien für fahrradfreundliche Unterkünfte oder für die Beschaffenheit der Radwege bedeuten. red