Eine große Analyse zeigt: Im Homeoffice wird im Schnitt deutlich mehr geschafft als im Büro. Doch wer zu selten kommt, riskiert anderswo Einbußen.
Das Homeoffice steht seit der Pandemie unter Rechtfertigungsdruck. Manche Unternehmen holen ihre Beschäftigten zurück an den Schreibtisch, aus Sorge um Produktivität und Teamgeist. Eine umfangreiche Auswertung aus Deutschland legt nun nahe: Die Arbeit in den eigenen vier Wänden ist messbar effizienter – doch ganz ohne Präsenz geht es nicht.
Homeoffice steigert Leistung – bis zu einem entscheidenden Punkt
Untersucht wurden Daten von rund 11 000 Mitarbeitenden der Techniker Krankenkasse, ausgewertet vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation. Im Fokus standen Beschäftigte mit Kundenkontakt und in der Sachbearbeitung.
Als Produktivitätsmaß dienten die Zahl bearbeiteter Anliegen und geführter Telefonate, also klar messbare Größen.
Das Ergebnis ist deutlich: Im Homeoffice lag die messbare Arbeitsleistung im Schnitt etwa 20 Prozent höher als im Büro. Viele Beschäftigte berichten, dass sie zu Hause konzentrierter arbeiten können, ohne spontane Unterbrechungen, mit größerer zeitlicher Flexibilität.
Der Kipp-Punkt im Homeoffice: Wann weniger Büro zum Problem wird
Doch die Zahlen erzählen nur einen Teil der Geschichte. Während das Homeoffice vor allem konzentrierte Aufgaben begünstigt, wird das Büro als zentraler Ort für Austausch, spontane Rückfragen und sozialen Kontakt wahrgenommen. Gerade Führungskräfte messen der gemeinsamen Präsenz große Bedeutung bei, etwa für kreative Zusammenarbeit, Wissenstransfer und Teamzusammenhalt.
Entscheidend ist deshalb die Gesamtproduktivität. Und hier zeigt sich: Ein immer höherer Homeoffice-Anteil steigert die Leistung nicht unbegrenzt. Die Analyse deutet auf einen "Kipp-Punkt" hin. Auf Unternehmensebene lag dieser bei etwa 60 Prozent Homeoffice-Anteil. Wurde deutlich mehr Zeit außerhalb des Büros gearbeitet, nahm die Gesamtleistung nicht weiter zu – teilweise sank sie sogar.
Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um eine ideale Quote für jede einzelne Person. Je nach Aufgabe, Teamstruktur, Führungskultur und Pendelzeit kann das optimale Verhältnis variieren. Zudem unterscheiden sich einzelne Dienststellen erheblich: In manchen war kaum ein Produktivitätsunterschied zwischen Büro und Homeoffice messbar, in anderen betrug er bis zu 30 Prozent.