Der stationäre Einzelhandel steht nicht zuletzt durch die viel diskutierte Digitalisierung vor großen Herausforderungen. Gleichzeitig werden aber auch viele Erwartungen an ihn gestellt. Er soll modern sein und sich der digitalen Welt öffnen, er soll die Attraktivität von Innenstädten fördern, viele Kunden anziehen, aber dennoch individuell sein. Er soll Wohlfühlatmosphäre schaffen und gleichzeitig die Bedürfnisse vieler verschiedener Zielgruppen befriedigen. Die Wirtschaftsregion Bamberg-Forchheim führt in diesem Zusammenhang am heutigen Donnerstag um 18.30 Uhr im Kulturboden Hallstadt eine Veranstaltung zum Thema "StoreDesign - Wohlfühlatmosphäre für Kunden" durch. Wir sprachen im Vorfeld mit einer der Referentinnen, Angela Krause vom Deutschen Ladenbau-Verband.

Stellen Sie sich und den Deutschen Ladenbau-Verband doch bitte kurz vor. Wie sind Sie organisiert und was sind Ihre Aufgaben?
Angela Krause: Der Deutsche Ladenbau-Verband ist der einzige Branchenverband in Deutschland für Ladenbau-Unternehmen. Seit 2004 heißt der Verband auch DLV-Netzwerk Ladenbau, um deutlich zu machen, dass alle Firmen, die an der Einrichtung eines Ladens beteiligt sind, im DLV engagiert sein können. Zu den Zulieferfirmen, die Mitglied sind, zählen unter anderem Hersteller für Licht, Bodenbeläge, Oberflächen usw. Die Ladenbaufirmen sind mittelständische Unternehmen, die mehrheitlich in Deutschland produzieren.
Unsere Aufgaben sind vielfältig. Wir machen klassische Verbandsarbeit, in dem wir unsere Mitglieder über Themen informieren, die sie angehen. Wir sind aber auch nach außen stark aktiv - veranstalten Seminare, machen jährlich eine Ladenbautagung und eine DLV-Tour. An diesen Angeboten kann auch der Handel als Kunde der Ladenbauer teilnehmen.

Welche aktuellen Trends gibt es im Ladenbau?
Ein großer Trend ist Individualität. Jeder möchte einzigartig sein, möchte individuell auftreten, um aufzufallen. Daher ist, um es mit Wilhelm Busch zu sagen, erlaubt, was beliebt. Allerdings muss man immer authentisch bleiben. Der Look muss zum Produktportfolio und zur Zielgruppe passen. Überspitzt gesagt: Ich kann nicht das Konzept von Abercrombie & Fitch kopieren, die jahrelang mit großem Erfolg abgedunkelte, stark beduftete Läden eröffnet haben. Das passt nicht, wenn meine Zielgruppe älter ist. Das ist ein einfaches, aber plakatives Beispiel. Natürlich gibt es aber immer Megatrends und die heißen derzeit: Farbe, Regionalität, Socialising. Dass der Handel zum Kommunikationspunkt werden kann, zeigt der immense Anstieg der Handelsgastronomie.

Wie haben sich die Kundenansprüche in den letzten Jahren verändert?
Der Kunde sollte früher König sein, jedenfalls war das der Anspruch der Händler. Mittlerweile ist er Kaiser. Er ist durch das Internet bestens informiert, kennt Produkte und Preise genau. Er kann kaufen, wann und wo er will. Onlineshops haben 24 Stunden am Tag und rund um das Jahr geöffnet. Mit wenigen Klicks wird bestellt und nicht selten kommt die Ware kostenlos direkt ins Haus, Retouren sind problemlos realisierbar. Die Erwartungshaltung des Kunden an den stationären Handel ist aufgrund dieser Erfahrungen eine andere als früher. Er erwartet im Fachhandel gute Beratung, Produktkenntnis und einen hervorragenden Service. Dass der Laden zusätzlich noch gut ausgestattet und modern gestaltet ist, ist ein notwendiger Faktor, damit er sich wohlfühlt.

Müssen sich die Händler vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung im Einzelhandel auch in der Ladengestaltung umstellen?
Ja, davon sind wir überzeugt. Die Läden müssen digitaler werden, der Kunde darf damit aber nicht überfrachtet werden. Digital hat er zu Hause, wenn er online einkauft. Das ist eine Gratwanderung und verlangt viel Know-how. Es ist sicherlich für jeden Händler schwierig zu entscheiden, wie viel digitale Tools er in seinen Laden einbauen will oder ob er gar komplett analog bleiben will. Das kann sehr erfolgreich sein, wenn er die entsprechende Zielgruppe hat. Gegen die Fülle des Warenangebotes im Online-Handel hat der stationäre Handel nur vermeintlich keine Chance. Er sollte auf Service und einen gut gestalteten Laden setzen.

Können Sie drei No-Gos be Ladengestaltung nennen?
Das sind sicher fehlende Orientierung bei Betreten des Ladens (z. B. durch mit vollgepackten Warenständern zugestellte Räume), schlechte Beleuchtung und schlechter Geruch.

Das Gespräch führte Tobias Alt.