Mit einer kleinen Plakataktion über die barocken Schätze der Markgrafenzeit hat 2016 alles angefangen. Entstanden ist daraus schließlich eine Webseite, die im Jahr 2018 freigeschaltet wurde und inzwischen weltweit Beachtung findet. Sogar aus dem fernen Japan hat Karla Fohrbeck inzwischen Lob und Wünsche für weitere Themen bekommen. Sie haben zusammen mit der Bayreuther Regionalmanagerin Eva Rundholz die Idee einer zwölfmonatigen Plakataktion und darauf aufbauend einer Webseite für die barocken Schätze der Region rund um das Weltkulturerbe-Opernhaus entwickelt. Eva Rundholz hat vom Heimatministerium eine Erstfinanzierung für drei Jahre erhalten, da es sich um ein aufwendiges touristisch-heimatkundliches Pionierprojekt handelt. Und Sie haben ehrenamtlich die mühsame Redaktionsarbeit übernommen, recherchieren, bebildern und texten aber auch viele der Beiträge selbst. Wie kam es dazu?

Fohrbeck: 2014 habe ich in der Arbeitsgruppe, die die Bewerbung Bayreuths für die Landesgartenschau vorbereitete, ein kulturtouristisches Entwicklungskonzept "Markgräfliche Kulturregion Bayreuther Land" vorgelegt. Denn der kulturelle Reichtum, durch den die Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth, insbesondere im 18. Jahrhundert, die Region geprägt haben, schafft eine ganz eigene "Corporate Identity", die natürlich auch das Kulmbacher Land umfasst. Die Seite www.markgrafenkultur.de umfasst beide Landkreise und Gemeinden. Ich nannte damals schon einige der Themen als Beispiel, die inzwischen die Webseite strukturieren. In der AG fehlte mir damals einfach "der große Wurf", eine größere Vision. Wieweit haben da Ihre bisherigen "Pionierprojekte" eine Rolle gespielt? Ich denke da vor allem an Ihre Rolle im Kuratorium zum Wilhelmine-Doppel-Jubiläum 2008/09 und an den Durchbruch im öffentlichen Bewusstsein, zu dem Sie 2015 mit Ihrem Tourismusführer den protestantischen Markgrafenkirchen verhalfen.

Ja, mit den Markgrafenkirchen habe ich 2014 auf eigene Faust angefangen. Ich bin schließlich hier aufgewachsen, und bei uns in der Familie hatte man Bewusstsein für diese besonders schönen und interessanten Kirchen, für diese besondere Verbindung von Hofkultur und Volkskultur. Und es "fuchste" mich, dass so viele davon geschlossen waren. Wir fahren nach Burgund wegen der romanischen Kirchen, in die Toscana wegen der Renaissance, nach dem südlichen Bayern wegen des katholischen Kirchenbarocks, überall touristisch und kunsthistorisch professionell erschlossen, überall auch stille Orte für Gebet oder Meditation. Überall dazu gutes Essen und Trinken und wunderschöne Landschaft - wie auch bei uns. Nur: Wir stellen unser Licht immer noch unter den Scheffel und konkurrieren hier nicht selbstbewusst mit anderen europäischen Regionen. Das mag sich mit der Zeit, dem inzwischen gegründeten Verein Markgrafenkirchen und den jetzt fließenden Fördergeldern ändern - hoffentlich. Es geht eben nicht von einem auf den anderen Tag. Die Markgrafenkirchen sind aber nicht das einzige Thema auf www.markgrafenkultur.de, zumal es ja inzwischen vom Verein auch eine eigene Seite www.markgrafenkirche.de gibt. Wie sieht die Themenvielfalt ansonsten aus?

Ja, in den zwölf Hauptthemen spiegelt sich dieser Reichtum in seiner Qualität und Originalität von der Hof- zur Volkskultur. Und wir sind "unserer" Markgräfin Wilhelmine dankbar, dass sie uns als "shooting star" die Augen dafür öffnen half. Allerdings war sie eher Garten- und Innenarchitektin. Die Stilrichtung und die Vorbilder für die barocke Sandsteinkultur von Schlössern, Jagdschlössern, Kirchen, Prachtbauten, Barockgärten, Brunnen oder Brücken wurden vom Hofbauamt und den markgräflichen Architekten vorgegeben. Daran orientierte sich auch der Landadel und gegen Ende des Friedensjahrhunderts auch die bürgerliche und bäuerliche Bevölkerung. So haben wir als Themen für die Webseite auch die Fensterschürzen und Taubenhäuser als regionale Besonderheiten mit aufgenommen. Seit Markgraf Christian 1604 die Residenz von der Plassenburg nach Bayreuth verlegt hat, ist das Kulmbacher Land natürlich nicht so reich bestückt wie die direkte Bayreuther Region. Wie spiegelt sich das auf der Seite www.markgrafenkultur.de?

Die Plassenburg hat Kastellan Harald Stark auf der Webseite sehr anschaulich mit Text und Bild unter die Schlösser eingereiht; an ihr wurde ja noch lange weitergebaut, und sie bleibt ein Highlight in der Region. Susanne Thesing hat die Geschichte des Neudrossenfelder Schlosses für uns aufgearbeitet. Und Sie, Herr Müller, haben uns dankenswerterweise als Hobbyhistoriker und flott schreibender Journalist zu etlichen Storys über Brücken, Brunnen und einige Prachtbauten verholfen. Ich selber habe auf Basis der hiesigen Quellen schon einen Teil der vielen Kirchen im Markgrafenstil in die Webseite eingestellt. Wir sollten das Thema "Mühlen" nicht vergessen, denn deren Geschichte hatten Sie im Rahmen des Projekts Rotmainauenweg auf einigen Stelen und Wandtafeln zwischen Heinersreuth und Dreschen schon 2016 bekanntgemacht. Da stehen Radfahrer und Wanderer oft davor. Ja, der Rote Main und seine schöne Auenlandschaft sind ein wichtiges Bindeglied im Bayreuth-Kulmbacher Land. Und das Projekt Rotmainauenweg wird von Eva Rundholz als Regionalmanagerin mit den Gemeinden am Fluss fortgesetzt, nicht nur durch die bisher schon erfolgreichen Mühlentage, sondern jetzt machen wir "Nägel mit Köpfen" - von der Quelle bei Creußen bis zur Mündung in den Weißen Main bei Steinenhausen. Ariadne Lochner aus Wonsees bearbeitet derzeit zehn Mühlen-Storys auf der anderen Seite von Bayreuth. Und Sie, Herr Müller, liefern mir - so hoffe ich - noch Beiträge zur Frischenmühle und eine "Von der Mühle zum Schloss"-Story für Steinenhausen. 2021 kann es ja sein, dass wir am Pfingstmontag den Mühlentag digital feiern müssen. Da wollen wir mit Stelen und der eigenen Webseite www.rotmainauenweg.de diesen Identitätsfaktor voll genießen und präsentieren können. Vielen Dank für das Gespräch. Gerade in Zeiten, in denen die Corona-Pandemie unsere Freizeitaktivitäten einschränkt und wir öfters zu Hause vor dem Bildschirm sitzen, empfiehlt sich ein Besuch dieser von der Agentur Feuerpfeil gestalteten Internetseite. Diese ist nicht nur reich bebildert, sondern auch sehr leicht zu bedienen. Sie gibt Anregungen für interessante Ausflüge in die nähere Umgebung und wird auch laufend erweitert. Die Fragen stellte

Hermann Müller.