"Kultur ist nicht systemrelevant, Kultur ist lebensrelevant." Davon ist der in München geborene und in Kulmbach lebende Pianist Ingo Dannhorn fest überzeugt. Gerade in Corona-Zeiten möchte er dieses "Urbedürfnis des Menschen" auch zu den Menschen bringen.

Der Pianist hat deshalb ein Format entwickelt, in dem er für Bewohner von Alten- und Pflegeheimen leichtere Klassik einspielt, das Ganze unterhaltsam moderiert und auf DVD oder ähnlichen Medien in die Einrichtungen bringt.

Weil das Ganze rein ehrenamtlich geschieht, ist Ingo Dannhorn jetzt ist mit einem Stipendium der Initiative "Neustart Kultur" ausgezeichnet worden. Initiator war die Bundesregierung, Organisation und Durchführung lagen in den Händen des Deutschen Musikrats.

Was Corona betrifft, sei er frühzeitig vom Ernst der Lage überzeugt gewesen. Da erinnerte sich Ingo Dannhorn an seine Jugend, als er schon mit zwölf Jahren kleine Klavierkonzerte in Alten- und Pflegeheimen sowie in ähnlichen Einrichtungen gab. "Mir ging es darum, Menschen, die nicht so ohne weiteres in ein Konzert gehen können, ein wenig Abwechslung zu bereiten und ihnen Freude zu schenken", sagt der Pianist, der in der Region auch als künstlerischer Leiter des Wilhelm-Kempff-Festivals in Thurnau bekannt ist.

"Musik beginnt da, wo Worte aufhören, Musik geht direkt ins Herz", so Dannhorn, der sich an viele beglückende Begegnungen in beschützenden Stationen, etwa für Demenzkranke erinnert. Daran hat der 46-Jährige auch jetzt wieder gedacht, als er davon erfuhr, dass Heime geschlossen werden. Kurzerhand schaffte er sich auf eigene Kosten eine professionelle Studioausstattung mit Mikrofonen, Mischpulten, Schnittsystem und vieles andere an und dachte sich interessante Programme aus, die er nach und nach realisierte.

Mittlerweile gibt es bereits sieben Folgen, die mit Unterstützung der Kulmbacher Adalbert-Raps-Stiftung Menschen in vielen Einrichtungen des Bayerischen Roten Kreuzes, der Arbeiterwohlfahrt und anderen Trägern erfreut haben. "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es", zitiert Ingo Dannhorn den Schriftsteller Erich Kästner und freut sich, mit seiner Kunst einen Beitrag für benachteiligte Menschen leisten zu können. Bislang habe er viele positive Reaktionen erfahren, die ihn anspornen, weiterzumachen.

Auf harte Probe gestellt

Ansporn ist für ihn nun auch die Auszeichnung der Bundesregierung, mit der neue Formen für den gesamten Kulturbereich unterstützt werden sollen. Die Corona-Pandemie stelle Musikschaffende auf eine harte Probe, sind sie doch in vielen der bisher gängigen Möglichkeiten, ihren Beruf auszuüben, sehr stark eingeschränkt oder gänzlich gehindert, heißt es von Seiten des in Bonn ansässigen Deutschen Musikrats.

Gleichzeitig würden die Umstände aber auch eine Chance bieten, die Bedeutung der eigenen künstlerischen Arbeit zu reflektieren und neue Formen der Produktion, Aufführung und Vermittlung zu entwickeln. Genau das hatte Dannhorn getan, der sich nun über eine Förderung von 6000 Euro freuen kann. Viel mehr freut ihn aber, dass seine Tätigkeit mit der Auszeichnung gewürdigt und unterstützt wird.

Ingo Dannhorn wurde 1974 in München geboren. Seinen ersten Klavierunterricht erhielt er im Alter von fünf Jahren. Nach seinem Studium unter anderem am Salzburger Mozarteum, an der Hochschule für Musik und Theater München sowie an der Hochschulen für Musik in Wien schloss er 2001 mit dem Meisterklassendiplom ab. Der Pianist konzertiert in den bekanntesten Musikzentren und Konzertsälen der Welt, wie etwa dem Münchner Herkulessaal, dem großen Musikvereinssaal in Wien oder dem Seoul Arts Center. Er arbeitete mit prominenten Dirigenten wie Kurt Eichhorn, Dennis Russel Davies und Kurt Masur zusammen, gab Liederabende und Kammermusikkonzerte mit Künstlern Francisco Araiza, Kieth Engen, Jose Cura, Christian Altenburger oder Maxim Vengerov. Ingo Dannhorn ist außerdem Preisträger des renommierten Beethoven-Wettbewerbs in Wien, der Sydney International Piano Competition sowie der internationalen Klavierwettbewerbe in Salzburg und Wien. Neben seiner Konzerttätigkeit gibt Ingo Dannhorn weltweit Kurse für Meisterklassen, außerdem ist er Gastprofessor an der renommierten Yonsei Universität in Seoul.