Aggressive Brokkolis

2 Min
Absolut bewundernswert finden Jürgen Ziegler und Kunstlehrer Andreas Schobert die Spraykünste.Sonny Adam
Absolut bewundernswert finden Jürgen Ziegler und Kunstlehrer Andreas Schobert die Spraykünste.Sonny Adam
Leonhard Kniesz hat Design studiert und hat sich auf Fassadengestaltung spezialisiert. Er bringt mit wenigen schnellen Sprühstößen Tiefe in sein Werk.
Leonhard Kniesz hat Design studiert und hat sich auf Fassadengestaltung spezialisiert. Er bringt mit wenigen schnellen Sprühstößen Tiefe in sein Werk.
 
OB Ralf Hartnack und Susanne Strebin von der Uni haben es sich auf den „Enzis“ bequem gemacht.
OB Ralf Hartnack und Susanne Strebin von der Uni haben es sich auf den „Enzis“ bequem gemacht.
 

Der Platz vor der alten Spinnerei ist jetzt bunt – Graffitis leuchten von einem Bauzaun

Die bunten Sitzmöbel, die als „Enzis“ bekannt sind, stehen wieder. Nachdem sie einst in der Fritz-Hornschuch-Straße wegen der Begleiterscheinungen wieder verschwinden mussten, laden sie nun auf dem Vorplatz der Alten Spinnerei zum Verweilen ein. Ihren Namen verdanken die auffälligen Loungemöbel Daniela Enzi, einer Mitinitiatorin des Wiener MuseumsQuartiers.

Entworfen wurden die „Enzis“ vom Wiener Architekturbüro PPAG architects und entwickelten sich dort seit Anfang der 2000er Jahre zu einem markanten Gestaltungselement des öffentlichen Raums. Allerdings funktionieren die Gestaltungselemente in Kulmbach noch nicht richtig. Denn der Platz zwischen Bahnhof und Spinnereiruine hat trotz der bunten Farbtupfer der Möbel noch keine echte Aufenthaltsqualität. Eingeschlagene Fensterscheiben zeugen von einem Gebäude, das zusehends verfällt. Und auch die Enzis sind schon verunstaltet und haben undefinierbare Schriftzüge bekommen.

Spinnereivorplatz soll bunter werden

Die Initiative „Liebenswertes Kulmbach“ um Elsbeth Oberhammer, Barbara Biella und den Kunstlehrer Andreas Schobert hatte die Idee, den Platz mit wenig Mitteln optisch „aufzuhübschen“. Bauzäune wurden aufgestellt und mit Bannern bespannt. Diese weißen Flächen sollten Schüler des Caspar-Vischer-Gymnasiums und Studierende der Fakultät VII der Universität Bayreuth am Campus Kulmbach verschönern. Als Thema entschieden sich die Verantwortlichen auf „Essen!“.

Unterstützt wurde die Aktion von der Sparkasse Kulmbach-Kronach, der Raps-Stiftung und der Stadt Kulmbach .

Bei Schülern das Caspar-Vischer-Gymnasiums und bei Studierenden kam die Spray-Aktion super an. Denn viele wollten den Umgang mit der Spraydose einfach Mal ausprobieren: ganz legal.

Leonhard Kniesz zeigte, wie das Sprayen funktioniert. Denn es gibt verschiedene Sprayknöpfe. „Für Konturen müsst ihr ganz nah rangehen. Für flächigen Farbauftrag gibt es andere Sprayköpfe“, erklärte der Experte. Leonhard Kniesz hat Design studiert und hat sich dann als Fassadengestalter selbstständig gemacht. Er sprayt quasi von Berufs wegen und verschönert. „Für ein richtiges Bild, braucht man viel Übung. Man muss einfach ausprobieren“, erklärte er. Er selbst hatte eine eigene Leinwand für sich reserviert. In hellgelber Farbe ließ er die Dose rasant über die weiße Leinwand flitzen. Bananen, Orangen, Trauben entstanden. „Sprayen ist eine Mischung aus Dynamik und Schnelligkeit“, erklärte der Experte. Er arbeitete sich vom Hintergrund nach vorne, schaffte es spielend, Tiefe in sein Werk zu bringen.

Das Motto: Ausprobieren

Doch viel mehr Erklärung gab es nicht. Ausprobieren lautete das Motto des Nachmittags. Lukas Lochner (11) hat schon einmal bei solch einer Schulaktion mitgemacht. Und er fand das Sprayen so toll, dass er sich wieder gemeldet hat. Mit wenigen Strichen kreierte er eine Wassermelone. Und sein Papa Jochen Lochner schüttelte unterdessen die Dosen. „Ich hätte auch Lust“, sagte der Papa und traute sich, selbst tätig zu werden.

„Kann es auch etwas Kritisches sein?“, fragte indes Tim Hoffmann (17) in die Runde und diskutierte mit Charlotte Weber (16). Schnell fanden die Jugendlichen der elften Klasse Ideen: Sie wollten sich kritisch mit Fast Food auseinandersetzen. Charlotte Weber stellte eine Esstüte, wie sie in Schnellrestaurants benutzt wird, dar – nur nicht mit kleinen frittierten Hähnchenteilen, sondern mit echten Küken. „Scrambled or Fried?“ („Geschreddert oder frittiert?“), schrieb sie an die Leinwand. Und gleich nebenan skizzierte Angelina Dietz (16) einen Brokkoli. Mit Gesicht. „Vegan Power“ schrieb sie über den Brokkoli.

„Wir wollten vor allem die Aufenthaltsqualität hier auf dem Platz erhöhen“, sagte Elsbeth Oberhammer und freute sich über den Eifer, den die jungen Leute an den Tag legten. Auch die Studierenden hatten Spaß, beobachtete Susanne Streben vom Unicampus.

Stefan Fechner von der Sparkasse Kulmbach-Kronach, der die Aktion unterstützt hatte, staunte über die Geschwindigkeit, die die jungen Leute an den Tag legten.