Kim ist sechs Jahre alt und gehört zur Rasse des Fleckviehs. Davon stehen im Stall der Familie Leikeim in Zettlitz rund 70 Stück, plus des entsprechenden Nachwuchses. Kim ist ein ausgesprochen gutmütiges Tier. Das muss sie auch sein, denn alle Kinder durften sich zum Abschluss ihres Besuches auf dem Bauernhof im Melken versuchen. Der absolute Höhepunkt, einer etwas ungewöhnlichen Unterrichtsstunde außerhalb der Schule.

Natur kompetent vermitteln

Vanessa Leikeim hat sich zur Erlebnisbäuerin ausbilden lassen, um Kindern die Arbeit auf dem Bauernhof, seine Arbeitsabläufe und das Verständnis für Umwelt und Natur kompetent zu vermitteln. Angefangen hat die studierte Sozialpädagogin, als ihre Kinder im Kindergarten- und Schulalter waren. Damals öffnete sie ihre Stalltür nur für die Klassen ihrer Kinder. Inzwischen führt sie jährlich rund 20 Gruppen, von Kindergartenkindern bis zu Eltern-Kind-Gruppen, über ihren landwirtschaftlichen Betrieb, den sie gemeinsam mit ihrem Mann bewirtschaftet.

Anfang dieser Woche war es eine zweite Klasse der Dr.-Roßbach-Grundschule Lichtenfels, die mit ihrer Lehrerin Monika Rübensaal und Lisa Cariddi den Betrieb besuchten, der im Rahmen des Programms "Erlebnis Bauernhof" stattfand. "Heutzutage sind Bauernhöfe relativ groß, wenn man davon leben will", erklärt Leikeim. Mit Romantik hat ein moderner Betrieb nichts zu tun.

Zunächst geht es um die Frage, voran erkennt man eine Kuh? An der Größe des Tiers oder am Euter, lauten die Antworten. Einige Kinder bücken sich sogar, um den Unterschied zu erkennen. Die Gruppe befindet im hinteren Teil des großen Stalls, in dem der weibliche Nachwuchs untergebracht ist. Im vorderen Bereich befinden sich die Milchkühe. Als Kuh wird ein weibliches Rind bezeichnet, das bereits einmal gekalbt hat, erfahren die Kinder. Eigentlich ist die Milch, die aus dem Euter kommt für das Kälbchen bestimmt.

Vanessa Leikeim bringt aus einer gelben Schüssel allerhand zum Vorschein. Ohrmarken, Zähne, abgefallene Hörner und ein zunächst undefinierbares Etwas, das sich als "Futterballen" herausstellt. Damit erklärt die Erlebnisbäuerin, dass eine Kuh eigentlich ein Wiederkäuer ist. Sie würgt das Futter immer wieder hoch, um es erneut durchzukauen.

Schließlich dürfen die Kinder die Tiere mit Heu füttern und anschließend selbst Brotzeit machen.

Im lockeren Plauderton

Danach erklärt Leikeim, aus welchen Bestandteilen die Nahrung ihrer Tiere besteht. "Ich kaufe das Futter in der Regel nicht bei Edeka", erklärt Vanessa Leikeim den Kindern. Ihr lockerer und bewusst natürlicher Ton kommt bei den Kindern gut an. Was Leikeims Tiere an Futter benötigen, wächst auf den Feldern und Wiesen des landwirtschaftlichen Anwesens. Zur Verdeutlichung der Dimensionen erklärt sie, dass eine einzige Kuh rund eine Badewanne voll Wasser säuft und eine Schubkarre voll Futter benötigt. Gerade das Futter bereitet der Landwirtschaft in Zeiten des Klimawandels oft Probleme. "Der erste Grasschnitt des Frühjahrs ist das wichtigste Futter des Jahres", erklärt Leikeim. Passt der nicht, kann es Probleme mit Milchleistung, den Klauen oder dem Nachwuchs geben. In diesem Jahr hat es zumindest in der Region ausreichend geregnet. Der erste Schnitt wird auf dem Hof siliert und mit großen Planen abgedeckt. Auch die großen Maschinen, die auf dem Bauernhof die Arbeit erleichtern, werden ausgiebig bestaunt.

Am Ende eines erlebnisreichen Vormittags dürfen die Schüler unter Anleitung von Vanessa Leikeim die Kuh Kim melken, die es mit einer stoischen Ruhe über sich ergehen lässt. Ein besonderes Erlebnis. "Es hat sich ganz warm angefühlt", erklärt eine Schülerin begeistert. Eine andere bedankt sich sogar für alles.

Nur zwei Betriebe im Landkreis Lichtenfels bieten das Programm "Erlebnis Bauernhof" an. Zu wenig für die nachfragenden Grundschulklassen. Gesucht werden noch weitere Betriebe, die Interesse haben, nach eintägiger Ausbildung dem Nachwuchs ihren Betrieb zu zeigen. Die Ausbildung findet in Franken, eventuell sogar in Oberfranken statt. Die Entlohnung beträgt 170 Euro. Für weitere Fragen steht Christine Reininger am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten unter 09561/769134 oder E-Mail: christine.reininger@aelf-co.bayern.de zur Verfügung.