Simone Bastian Für Kritik und Anregungen zum Thema Essen haben die Regiomed-Kliniken einen eigenen zweiseitigen Fragebogen entwickelt. Die Patienten können Frühstück, Mittag- und Abendessen getrennt und nach verschiedenen Kriterien bewerten, wie "zu heiß", "zu kalt" oder "zu fett" fürs Mittagessen. Außerdem stehen in den Kliniken "Menüdamen" parat, mit denen die Patienten ihre Anliegen besprechen können, sagt David Schmitt, Leiter der Geschäftsstelle Kommunikation von Regiomed. Es gebe sogar eine Hotline zum Küchenleiter - für den gerade ein Nachfolger gesucht wird, weil der Stelleninhaber beruflich kürzer treten will.

Probleme: Butter und Klöße

Auf Kritik habe die Küche sehr wohl reagiert, sagt Schmitt: Brot und Brötchen würden seit 1. September frisch von regionalen Bäckern direkt in die Häuser geliefert. Weil Frühstück und Abendbrot aus der Kühlung kommen und die Butter deshalb hart war, wurde auf eine streichzarte Butter umgestellt. Damit die Soße nicht mehr überschwappt, wurden Teller mit höherem Rand angeschafft. Was die Klöße angeht, so sei das "in beiden Bundesländern viel und oft debattiert" worden, erklärt Schmidt. Denn "Coburger Rutscher" sind etwas anderes als "Hütes" aus Thüringen oder "grüne Klöße". Einig seien sich alle Beteiligten darin gewesen, dass zu feste Klöße nicht schmecken. "Nach zahlreichen Testläufen und etlichen Gesprächen haben wir im September ein neues Produkt eingeführt. Der neue Kloß zeichnet sich durch eine weiche, glatte Konsistenz aus", erklärt Schmitt.

Seit April ist die Regiomed-Großküche bei Lichtenfels in Betrieb. Produziert wird dort nach dem "Cook & Chill"-Verfahren: Essen wird zubereitet und erhitzt, dann sehr schnell heruntergekühlt, portioniert und verpackt, gekühlt zum Bestimmungsort gebracht und dort "regeniert", also erhitzt. Anfangs sei es vorgekommen, dass an manche Einrichtungen falsche Mengen oder die falschen Produkte geliefert wurden, aber das habe man behoben, versichert Schmitt. Patienten hätten nun überdies die Möglichkeit, beim Frühstück und beim Abendessen individuell auszuwählen, "was in welcher Menge auf dem Teller landet". Morgens werde zum Beispiel ein Fitness- oder ein herzhaftes Frühstück angeboten.

Bislang werden nur Regiomed-Einrichtungen versorgt, also Kliniken, Senioren- und Wohnheime in den Landkreisen Coburg, Lichtenfels, Sonneberg und Hildburghausen sowie in der Stadt Coburg. Auch die sechs Klinik-Cafeterien werden von hier aus bestückt. Immer wieder ist jedoch die Rede davon, dass die neue Großküche vor allem deshalb in Lichtenfels errichtet wurde, weil von dort aus auch andere Kliniken beliefert werden sollten, wie zum Beispiel das Bezirksklinikum in Kutzenberg. Kooperationen mit externen Partnern seien "langfristig angedacht", sagt Schmitt. Zunächst aber sei es darum gegangen, "alles zum Laufen zu bringen, bevor wir die Auslastung weiter steigern".

Kosten überm Schnitt

Gerechnet wird in "Beköstigungstagen" (BKT): Ein BKT umfasst das Essen für einen Patienten pro Tag, also Frühstück, Mittag- und Abendessen. Für 3700 BKT sei die 20 Millionen Euro teure Küche ausgelegt, produziert würden derzeit 1600 BKT. Die Auslastung liege bei rund 45 Prozent. Ein BKT kostet rund 16,50 Euro - eingerechnet sind da die Kosten für die Lebensmittel, das Personal, Logistik. "Im Vergleich zum Markt liegen wir drei bis vier Euro über dem Durchschnitt", sagt Schmitt.