Der Wallenfelser Stadtrat hält auch 2022 an der nachhaltigen Konsolidierung seiner Finanzen fest: Mit fast zwölf Millionen Euro nimmt die Kommune zwar so viel Geld in die Hand wie nie zuvor, baut aber gleichzeitig im laufenden Haushaltsjahr Schulden ab. Bei einer Online-Klausurtagung besprachen die Räte der Flößerstadt das Budget. Nachhaltigkeit stand auch bei zwei weiteren Themen der Beratung im Mittelpunkt: Die Wohnraumsituation soll verbessert und ein ökologisches Grünflächenmanagement eingeführt werden.

„Im Haushalt 2022 arbeiten wir viele der Projekte ab, auf die wir uns in den Vorjahren geeinigt haben“, erklärte Bürgermeister Jens Korn . So seien aktuell die Umgestaltung des Gebäudes Marktplatz 4 in eine Touristinfo und zwei Appartements sowie der Umbau der ehemaligen Schmidtbank in ein Ärztehaus in Gang. Die Erschließung des Baugebiets „Siedlung“, die Neugestaltung der Fläche Schützenstraße 7 und die Erneuerung der Straße Am Fallenholz stünden unmittelbar bevor. Für den Neubau des Feuerwehrhauses sei der Spatenstich im Mai geplant.

Die Menge an Projekten bilde sich im Haushaltsvolumen ab, wie Kämmerer Torsten Grundei berichtet. 5,2 Millionen seien für Investitionen eingeplant. Trotz dieser außerordentlichen Summe zeigte sich der Kämmerer zufrieden: Im Verwaltungshaushalt könne sogar ein Überschuss von 650 000 Euro erwirtschaftet werden. Aufgrund der Stabilisierungshilfe aus dem Vorjahr könne die Verschuldung um rund 400 000 Euro zurückgeführt werden.

Intensiv beschäftigten sich die Stadträte mit einer Wohnraumstrategie. „Das ist eine echte Zukunftsfrage für unsere Stadt“, so Korn. „Nur wenn es uns gelingt, ausreichend Wohnraum zur Verfügung zu stellen, können wir beim demografischen Wandel die Trendwende schaffen.“ Sarah von Poblocki und Fabian Höhne vom Stadtumbaumanagement untermauerten diese These mit einer Präsentation. Nach Zahlen des statistischen Landesamts werde die Stadt Wallenfels bis 2033 bei unveränderter Entwicklung weitere 300 Einwohner verlieren. Bedarf bestehe vor allem an Mietwohnraum, kleineren Wohnungen und an Mehrfamilienhäusern. Auch wenn große Neubaugebiete auf der grünen Wiese aufgrund der Tallage kaum möglich seien, ermittelten die Mitarbeiter des Büros DSK ein Potenzial von rund 35 000 Quadratmetern unbebauter Fläche. Darauf könnten 40 bis 65 Wohneinheiten entstehen. Die Stadtumbaumanager rieten dem Gremium deshalb, das Leerstands- und Baulückenmanagement weiter zu intensivieren. „Ein Großteil der freien Flächen ist in privater Hand, es ist also viel Überzeugungsarbeit notwendig. Wir sind uns aber sicher, dass sich der Aufwand lohnt“, so von Poblocki.

Schritt in die richtige Richtung

Mit dem Baugebiet „Siedlung“ sei hier schon ein Schritt in die richtige Richtung gemacht worden. Weiterhin sei auch ein Umdenken notwendig, was den Zuschnitt von Baugrundstücken angeht: „Auch Grundstücke mit weniger als 800 Quadratmetern sind sehr gut bebaubar“, erklärte die Stadtumbaumanagerin.

Jens Korn hob die Bedeutung der Sanierung des Bestands hervor, allerdings seien die Kommunen hier auf noch mehr Unterstützung von Land und Bund angewiesen. „Die Modernisierung eines Altbaus muss genauso attraktiv wie der Neubau werden.“ Hier könnte ein Förderprogramm „Junges Leben in alten Mauern“ helfen. Die Mitglieder des Stadtrats waren sich darin einig, dass verstärkt auf die Eigentümer von brachliegenden Flächen und Leerständen zugegangen werden soll.

Die Wirtschaftlichkeit und Biodiversität will die Stadt zukünftig bei der Pflege ihrer Grünflächen im Auge haben. „Wenn wir den Erfolg des Bienen-Volksbegehrens ernst nehmen, müssen wir mit konkreten Schritten bei uns anfangen“, meinte der Bürgermeister. Ralf Stöcker, Vorarbeiter des städtischen Bauhofs , stellte dazu ein Konzept vor. Danach sollten ausgewählte Grünflächen aus der intensiven Nutzung genommen werden. „Das bedeutet, dass wir dort zukünftig nur noch einmal im Jahre mähen“, so Stöcker. Das Mähgut verbleibe mehrere Tage auf der Fläche. Auf diese Weise nehme der Artenreichtum deutlich zu. „Unser Ziel sollte es sein, auf diese Weise Trittsteine zwischen verschiedenen Biotopen zu schaffen.“

Die Stadträte zeigten sich angetan von der Idee. „Das wäre wichtig, auch wenn wir uns auf Diskussionen mit Bürgern einstellen müssen“, sagte Jennifer Schmitt (FW). Auch Tina Müller-Gei ( CSU ) erklärte, hinter dem Ansatz zu stehen. Aus eigener Erfahrung konnte Marco Fischer (FW) berichten, dass der Ansatz der Extensivierung auf landwirtschaftlichen Flächen zu einem deutlichen Anstieg der Artenvielfalt führt. red