Weil das Geld während der Corona-Pandemie knapp wurde, versuchten vier Kronacher ihre Kasse mit dem Verkauf von Cannabis aufzustocken. Nun ist vor dem Coburger Landgericht das Urteil gegen die Drogenhändler gefallen.

Am 25. Juni 2020 stürzt ein 14-Jähriger im LGS-Gelände in Kronach und kommt ohne Hilfe nicht mehr auf die Beine. Der Teenager scheint auf den ersten Blick unversehrt, doch er wirkt verwirrt und desorientiert. Als ihn die Rettungskräfte auf Verletzungen abtasten, finden sie den vermeintlichen Grund für seinen berauschten Zustand: Marihuana in der Socke. Durch Textnachrichten auf dem Handy ermittelt die Polizei , wer dem Jugendlichen das Cannabis verkauft hat. Es ist H. aus Kronach , der durch einen anonymen Hinweis schon ins Visier der Ermittler geraten ist.

Auf frischer Tat ertappt

Zwei Monate später wird Marc H. auf frischer Tat dabei ertappt, wie er nach einer Fahrt nach Berlin mit Drogen und illegalen Waffen im Gepäck zurückkehrt. Im Prozess gegen den Kronacher und seine drei Mittäter ist nun das Urteil gesprochen worden. H. muss fünf Jahre und vier Monate in Haft, Ö. wurde zu einer Gefängnisstrafe in Höhe von vier Jahren und elf Monaten verurteilt. Die Haftstrafen in Höhe von zwei Jahren bei den beiden Frauen B. und zehn Monaten bei H. wurden zur Bewährung ausgesetzt.

Den vier Kronachern wurde vorgeworfen, seit Februar 2020 bandenmäßigen Handel mit Drogen zu betreiben. H. würde demnach ihr Auto dazu bereitstellen, dass H. und B. die von Ö. eingefädelten Geschäfte in Berlin und Braunschweig abwickeln können. In mehreren Beschaffungsfahrten in die beiden Städte sollen B. und H. in großen Mengen Cannabis eingeführt haben. H. hätte das Marihuana in Kronach vertrieben, B. hätte über die Einnahmen Buch geführt. Am Gewinn in Höhe von etwa 40 000 Euro, so die Anklage, seien alle vier gleichermaßen beteiligt gewesen.

Im Laufe der Verhandlung konnte sich der Vorwurf nicht ganz bestätigen. Richter Klaus Halves stellte fest, dass die Angeklagten zwar gemeinsam agierten und dabei ein „organisiertes Absatzsystem“ gehabt hätten, jedoch habe die Gruppe nicht als Bande agiert. Um das Cannabis von der Kontaktperson am Treffpunkt zu übernehmen, habe Ö. das Geld vorgestreckt und in voller Höhe von B. und H. zurückbekommen. H. und B. hätten das Rauschgift in Kronach anschließend auf eigenes Risiko weiterverkauft. Somit wurde keine gemeinsame Kasse geführt, weshalb nicht von einem bandenmäßigen Drogenhandel gesprochen werden kann.

Finanzielle Schieflage

Es sei die Idee von H. und Ö. gewesen, mit dem Verkauf von Drogen den Geldbeutel aufzustocken. Als Erklärung, weshalb sie die Taten begangen hatten, führten die beiden Angeklagten vor allem ihre eigene Sucht an. Die Sachverständigen vor Gericht bestätigten, dass H. und Ö. von Cannabis abhängig sind, H. sei zudem auch nach Crystal Meth süchtig. Die beiden Angeklagten , die zur Tatzeit im Messebau tätig waren, hätten nach Ausbruch der Corona-Pandemie unter massiven finanziellen Problemen gelitten und kein Geld mehr für Drogen gehabt. Beide Angeklagten beteuerten, dass es ihnen leidtäte, ihre Freundinnen mit hineingezogen zu haben, als sie ihre Sucht zum Geschäft machten.

Damit sich derartige Verbrechen nicht wiederholen, wurde durch das Gericht bei H. und Ö. eine Entzugstherapie angeordnet. Beide Frauen hatten angegeben, ihren Partnern nicht aus Eigennutz, sondern „aus Liebe“ geholfen zu haben. Deshalb richtete der Richter noch einmal mahnende Worte an die Frauen. Echte, wahre Liebe, so der Vorsitzende, könne nicht darin bestehen, eine Abhängigkeit zu unterstützen. „Sie hätten sich fragen müssen, ob Sie dem anderen mit Ihrer Beihilfe wirklich guttun“, mahnt Halves. dp