Ob die Region Kronach /Kulmbach aus der Raumkategorie „Ländliche Regionen mit Verdichtungsansätzen“ des Landesentwicklungsprogramms (LEP) Bayern gekickt wird, hat sich eigentlich schon entschieden. Bei einer Neuberechnung im Jahr 2021 hatte man festgestellt, dass gleich mehrere Gemeinden in beiden Landkreisen die „Dichteschwelle“ nicht mehr erreichen. Kreisentwickler Wolfgang Puff ist da ganz anderer Meinung und er hatte die Räte im Kreisausschuss auf seiner Seite.

Das Kriterium von zusammenhängenden, verdichtenden Gemeinden mit mindestens 50.000 Einwohnern könne nicht überall im betreffenden Gebiet erreicht werden, so Puff. Verschoben hatte sich das Bild wohl zugunsten von Südbayern. Doch das sei bloße Vergangenheitsstatistik, die nichts darüber aussage, wie sich unsere Region gerade in den letzten Jahren wirklich entwickelt habe.

Dieser Punkt sei aber wichtig, denn als Kriterium für den Verbleib in diesem Programm gelte unter anderem die Entwicklung der Region in jüngster Vergangenheit. Daneben spielten Werte wie Einwohner- und Beschäftigungsdichte sowie Siedlungs- und Verkehrsflächenanteile eine wichtige Rolle. Puff wörtlich: „Eine Herausnahme ist mehr als kontraproduktiv. Sie wird unserer Entwicklung auf keinen Fall gerecht“, empörte er sich.

Um es vorweg zu nehmen: Der Landkreis wird dafür kämpfen, um auch weiterhin als „Ländlicher Raum mit Verdichtungsansätzen“ ausgewiesen zu werden, und möchte der Herausnahme widersprechen. In der offiziellen Begründung heißt es: „Aktuellen Entwicklungen und regionalen Impulsen kann eine rückblickende Betrachtung nicht gerecht werden. Gerade in der Region Kronach /Kulmbach wurden kräftige Impulse gesetzt, die eine dynamische Entwicklung der Kommunen und damit einhergehende Verdichtungsansätze wie etwa die Versorgung mit Wohnungen erwarten lassen. Derartig zukunftsweisende Impulse müssen auch von der Landesentwicklung und dem LEP aufgegriffen werden und Ausdruck in seinen entwicklungspolitischen Zielsetzungen finden.“

Landrat Klaus Löffler ( CSU ) konnte bei dieser Begründung nur bekräftigend nicken, denn diese Statistik bilde in keinster Weise den Auftrag des LEPs ab, nämlich Zukunft zu gestalten und weiterzuentwickeln. „Wir haben die Zukunftsfähigkeit unserer Heimat bewiesen.“ Dazu zählten unter anderem die Entwicklung zur Hochschulstadt, das wegweisende Mobilitätskonzept sowie der Rückkauf der ehemaligen KWG-Wohnungen. „Das alles haben wir uns selbst erarbeitet. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, Herausforderungen angenommen und wollen unsere Stärken auch einbringen“, so sein Plädoyer.

„Da sehen wir mal wieder, was passiert, wenn man die Ergebnisse einer Statistik zugrunde legt, ohne sie vorher einer Plausibilitätskontrolle zu unterziehen. Der Plan war schon falsch, als er aufgestellt wurde“, kommentierte Bernd Liebhardt ( CSU ) die Situation.

„Wir dürfen nicht kampflos aufgeben“, plädierte Edith Memmel (Grüne). Und Timo Ehrhardt ( SPD ) warnte: „Wenn der Freistaat die Herausnahme ernst nimmt, dann wird die positive Entwicklung vielleicht sogar gebremst. Man kann so etwas doch nicht pauschal an Einwohnerzahlen abbilden.“ Bayern sei noch nicht im Gleichgewicht, betonte sein Fraktionskollege Ralf Pohl. Die Staatsregierung müsse hier noch mehr tun. Markus Oesterlein (JU) wiederum meinte: „Wir werden von der Bayerischen Staatsregierung sehr unterstützt und dürfen jetzt keine Hetze betreiben.“

Zum Hintergrund: Das Landesentwicklungsprogramm Bayern ist das querschnittsorientierte Zukunftskonzept der Staatsregierung. Zuständig ist seit Oktober 2013 das Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat. Im LEP sind die für die räumliche Ordnung und Entwicklung Bayerns wichtigen Grundsätze und Ziele festgelegt, etwa in Gestalt von Vorrang- und Vorbehaltsgebieten. Seit über 30 Jahren ist das LEP Grundlage und Richtschnur für die räumliche Entwicklung des Freistaats. Es stellt ein wesentliches Instrument zur Verwirklichung des Leitziels bayerischer Landesentwicklungspolitik dar: die Erhaltung und Schaffung gleichwertiger Lebens- und Arbeitsbedingungen in allen Landesteilen.