Jürgen Welder war's. Naja, nicht alleine. Annette Himmelstoß war auch dabei. Welder hat fotografiert. Himmelstoß hat gestaltet. Was? Den Umschlag für das Buch von Manfred Fock. Das Buch mit dem Wanderburschen vorne drauf, dem Burschen vom Kreisel bei Unterwohlsbach - und dann heißt es auch noch so. Nicht Unterwohlsbach. Heimatkreiseln, das Buch heißt so. Was soll man machen, man nimmt es in die Hand.

Jeder würde das tun, der nur ein paar Kilometer entfernt wohnt, vom Kreisel. Ein Kreisel aus der Heimat - vorne drauf auf einem Buch namens Heimatkreiseln! Hinten auch. Der Kreisel geht ums ganze Buch. Na, das ist doch bestimmt ein interessantes Buch! Denkt man.

Es geht um Kreisel in der ersten Geschichte, die Manfred Fock für den Band ersonnen hat. Darum, dass die seit einigen Jahren geradezu weltweit aus dem Boden schießen. Es geht aber auch um Kreiselvampire, die einen erwischen können, beim Rundendrehen per Cabrio - im Kreisel. Vorausgesetzt der Fahrer unterschreitet eine Runden-Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern. Ist er schneller, kommt der Kreiselvampir nicht mit, kann sich also nicht auf dem Beifahrersitz niederlassen, nicht beißen und einen nicht zum weiteren Kreiselvampir werden lassen. Blödsinn?

Ha, und was ist mit dem Dackelbussard, der sein Geschäft auf Verkehrsschildern verrichtet. Pfui. Aber was ist mit dem? Gibt es den wohl auch nicht? Nein, gibt's nicht.

"Das gibt's doch gar nicht", denkt der Leser schon hin und wieder, wenn er Manfred Focks Gedanken folgt, die bald um dies und dann wieder um jenes kreiseln. So arg kreiseln sie bisweilen, diese Gedanken des Herrn Fock, dass einem selbst ganz schwindelig werden kann. Und dann sind da noch die Zeichnungen von Fred Rauch drin, im Heimatkreiseln. Sie sehen aus wie die Gedanken aussehen würden, die Herr Fock hatte, als er die Geschichten schrieb - also wie die Gedanken aussehen würden, wenn Gedanken aussehen könnten, was sie nicht tun.

Frei sollen sie ja sein, die Gedanken. Aber muss sich ein Autor die Freiheit nehmen, seine Gedanken zu Papier zubringen, wenn er ihnen gerade freien Lauf gelassen hat - unbedingt. Ein Buch, das jedem gefällt? Wer könnte so eines schreiben? Eines, das keinem gefällt, schon eher, aber kaum. Beim Heimatkreiseln kommt einem aber schon einmal der Gedanke "Fck, Manfred! Was hast du dir gedacht". Oder besser: Was muss man nehmen, damit einem solche Gedanken kommen? Wo gibt es das Zeug und ist es teuer?

Ist es ein Stück Coburger Heimatkreiseln? Nein. Der Kreisel mit dem Vampir befindet sich im bayerischen Südosten. Warum dann der Wohlsbacher Kreisel auf dem Einband? Na, im Südosten werden sie ja keinen Wanderbub haben, auf einem Kreisel. Höchstens einen Vampir.

Ein Mönch wandert nicht

In Rödental fand der Fotograf einen Wanderbub. Es hätte auch einen Mönch gegeben. Aber der wandert nicht. Genau das hat aber dem Fotografen gefallen, der dann den Autor, vermutlich, denn erkennen kann man den Mann auf dem Umschlagfoto nicht, so hineingeschnitten hat, dass sie aufeinander zu gehen, Mann und Bub. Hübsch. Deswegen, nimmt man es ja zur Hand, das Heimatkreiseln-Buch.

Dann zieht es einen hinein, und die Gedanken fangen an zu kreiseln, um Kreisel, Vampire, Dackelbussarde und die Frage, ob es so etwas gibt wie eine normale Absurdität. Nach zwei, drei Geschichten braucht es keine Substanzen mehr, damit sich alles dreht im Kopf. Gut eigentlich - für 9,80 und ohne körperliche Abhängigkeit oder so. Auf Rezept gibt es das Heimatkreiseln trotzdem nicht. Nur im Buchhandel. Die Verkäuferin soll unter Fangorn Verlag suchen und Manfred Fock.