"Erinnern tut weh", sagte Bürgermeister Armin Warmuth am Mittwochabend auf dem Seelhausplatz. Mehr als 90 Personen kamen zum Platz vor der ehemaligen Synagoge, um sich zu erinnern und der Ereignisse in der Reichspogromnacht 1938 zu gedenken. "Das Innere eines Menschen und sein Herz, sie sind ein Abgrund". Dieses Zitat aus Psalm 64 stellt bereits vor mehreren tausend Jahren fest, was vor 84 Jahren an Abgründigem auch hier geschah: ein Vernichtungsfeldzug der braunen Horden gegenüber jüdischen Mitbürgern. Um die Verwüstungen, Demütigungen und Erniedrigungen niemals zu vergessen, hatten die Stadt Hammelburg sowie die evangelische und katholische Kirche zur Gedenkfeier eingeladen.

In klaren Worten beschrieb Bürgermeister Warmuth die Geschehnisse: "Man spricht im Zusammenhang mit dieser Nacht häufig davon, dass sich etwas Schreckliches ereignet habe. Doch Gewalt ereignet sich nicht! Sie wird ausgeübt, von Menschen gegenüber anderen Menschen. Die Menschen in den Konzentrationslagern sind auch nicht einfach 'umgekommen', wie so oft gesagt und geschrieben wird. Nein, sie wurden systematisch ermordet!" Pastoralreferent Markus Waite sagte: "Der Mensch selbst ist die größte Bedrohung für den Menschen."

42 Namen der früheren jüdischen Hammelburger Bürger wurden verlesen. Dazu legten die Anwesenden Steine an die Koffer-Skulptur neben der Stele mit deren Namen: ein Zeichen der Erinnerung an Menschen, die in den Häusern und Straßen Hammelburgs gelebt, geliebt, gelacht und getrauert haben und schließlich deportiert und ermordet wurden. "Der Ermordeten zu Gedenken heißt, zumindest das Wenige zu tun, das wir für sie zu tun noch in der Lage sind", so der Bürgermeister. "Sie sind uns Mahnung und Verpflichtung, in unserer freien Gesellschaft mit aller Entschiedenheit das zu tun, was wir gegen Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit zu tun imstande sind." Eindringlich mahnte er: "Stehen wir auf und erheben wir unsere Stimme, wenn Unrecht geschieht, wenn unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung gefährdet wird, wenn Menschenrechte verletzt und zu Boden getreten werden!" "Auch die christlichen Kirchen haben damals zu viel geschwiegen", so Pfarrer Robert Augustin, bevor er den Psalm 64 vortrug. Ein Vaterunser und der "Aaronitische Segen" beschlossen die Gedenkstunde. Die musikalische Gestaltung hatte die Gesangs- und Instrumentalgruppe übernommen. hbo