Frei nach Martin Luther hielt der Aurachtaler Bürgermeister Klaus Schumann seine erste Predigt in der sehr gut besuchten Klosterkirche.
Die 95 Thesen, die Martin Luther an die Schlosskirche in Wittenberg schlug, veränderten die Welt. Egal, ob der Thesenanschlag als Legende gewertet wird oder nicht: Das geistliche und weltliche Europa erhielt fortan ein völlig anderes Gesicht. Und eine Folge sind auch die Predigten in den evangelischen Kirchen, insbesondere im Luther-Jahr.


Von Babylon lernen

Bürgermeister Schumann wählte für seinen Predigttext den Propheten Jeremia aus dem Alten Testament. Als babylonische Truppen Jerusalem eroberten, deportierte der babylonische König die Oberschicht sowie Menschen mit Wissen und Können und siedelte sie in Babylon an. Der großzügige König gab den neuen Bürgern Wohnung und Arbeit sowie Religionsfreiheit. Aber die Menschen sehnten sich zurück nach Jerusalem und die Propheten behaupteten: Bald wird alles wie früher! Mit: "So, wie wir uns in den Krisen unseres Lebens ja auch gerne beschwichtigen lassen: Bald bist die wieder auf den Beinen, Bald hast du wieder Kraft. Bald tut es nicht mehr weh. Wird schon wieder. Oder: Die Zeit heilt alle Wunden", kehrte Schumann zurück in die Gegenwart. Damals forderte Jeremia die Israeliten auf: Lebt, baut, liebt - und handelt verantwortlich. Wartet nicht auf bessere Zeiten, lebt und handelt heute, in der Gegenwart. Stellt euch den Schwierigkeiten, aber auch den Möglichkeiten. "Das war nicht unbedingt ein Brief des Trostes, eher eine Dienstanweisung.", sagte Schumann dazu. "Wir können als Christinnen und Christen unseren Glauben an die Menschenfreundlichkeit nur bezeugen, wenn wir selbst das uns Mögliche für eine menschlichere Welt tun."
Die Menschen in der Gemeinde seien nicht nach Aurachtal deportiert worden. "Wir sind freiwillig hier, weil wir uns wohlfühlen, weil es uns gefällt, weil hier Menschen leben, die wir mögen. Doch diese Botschaft richtet sich auch an uns: gestaltend in Stadt und Land mitzuwirken, sich einbringen, die Ärmel hochkrempeln, für Land und Leute, für den Nächsten. Das ist unser Auftrag", forderte der Bürgermeister. Jeder sei gefragt, mit seiner jeweiligen Begabung, mit seiner ureigenen Leidenschaft dazu beizutragen, dass es der Gemeinde gut geht, dass es den Menschen im Umfeld gut geht und dass die Natur erhalten bleibt.


Aktive Gestaltung

Denn der christliche Glaube rufe auf, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und zu handeln. "Kennzeichnend für das Christsein ist also eine aktive Gestaltung unserer Umgebung - und das ist auch Politik, von der kleinen Gemeinde bis hin zur großen Politik in Berlin", predigte der Bürgermeister.