Eggolsheim — Seit mehr als 30 Jahren betreibt der Abwasserzweckverband Eggolsheim/Hallerndorf die gemeinsame Kläranlage, ursprünglich für 15 000 Einwohnerwerte (EW) ausgebaut. Der Einwohnerwert ist ein in der Abwasserwirtschaft üblicher Vergleichswert für die Schmutzfracht im Abwasser, der die Belastung der Kläranlage widerspiegelt. Für Eggolsheim waren 10 000 EW, für Hallerndorf 5000 EW vorgesehen. Dass die Kläranlage vor allem durch stark verschmutzte Abwässer aus gewerblichen Betrieben in Hallerndorf übermäßig belastet wird, zeigte nicht zuletzt ein Störfall im Juli, wie Bürgermeister Claus Schwarzmann (Bürgerbund Eggolsheim) den Marktgemeinderäten bei der jüngsten Sitzung berichtete.

Zudem ist im Dezember des vergangenen Jahres die Betriebserlaubnis nach dem Auslaufen nur für drei Jahre verlängert worden. Soll die Kläranlage weiterhin in Betrieb bleiben, werde es Auflagen geben. Unter anderem muss noch bis Ende 2020 ein Konzept zur Sanierung bei der zuständigen Behörde eingereicht werden. Für den Ausbau auf 20 000 EW sollen Vorreinigung und Vorklärbecken neu geplant, eine Schlammfaulung und ein Nachklärbecken ebenfalls neu errichtet werden.

Mit den ebenfalls notwendigen Sanierungen kommt eine Summe von über sechs Millionen Euro zusammen. Da jedoch Eggolsheim nicht für die Einleitung der stark verschmutzten Abwässer zuständig ist, findet Schwarzmann die bisher nach gültiger Verbandssatzung festgelegte Beteiligung der Marktgemeinde in Höhe von rund 60 Prozent an den Investitionskosten nicht gerecht: "Die Aufteilung der Kosten muss verursachergerecht erfolgen", mahnt Schwarzmann.

So ergaben Messungen und die Auswertung der Betriebstagebücher, dass Eggolsheim mit rund 8000 EW das geplante Kontingent nicht nutzt, Hallerndorf dagegen mit rund 12 000 EW den vorgesehenen Wert weit übersteigt. Bei der anvisierten Größe von 22 000 EW ist bereits die künftige Autobahnrastanlage mit eingerechnet, versicherte Schwarzmann. Ihm gehe es um Gerechtigkeit, schließlich soll die Last der Starkverschmutzer auch von diesen und nicht von den Bürgern getragen werden.

Zum Störfall am 22. Juli kam es durch eine ohnehin hohe Belastung der Kläranlage, wodurch vermehrt angefaultes Abwasser eingeleitet wurde. Damit kam es zu einem massiven Befall mit Fadenbakterien und einem extremen Rückgang der Reinigung.

Das Personal der Kläranlage schaltete daraufhin die Zulaufwerke ab, fuhr als Notfallprogramm den Klärschlamm ab und versorgte das Klärbecken gleichzeitig mit aktivem Belebtschlamm. Nach zwei Tagen hatte sich die Anlage wieder stabilisiert. Trotzdem kann ein solcher Störfall jederzeit wieder passieren, warnte Schwarzmann. Zu diesem Ereignis kam es, weil eine ungesunde Kombination aus Zucker, Alkoholen, Essig und Schwefelwasserstoff in die Kläranlage eingeleitet wurde.