Am Rande bemerkt: Von Drachen, Hitchcocks Vögeln – und einem guten Tipp von Harry Potter

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Drachen steigen lassen macht Spaß - aber es sind einige Vorsichtsmaßnahmen zu beachten.
Julian Stratenschulte, dpa
Schön oder gruselig? So wie auf diesem Archivbild von Irene Konrad, entstanden zwischen Neuses am Berg und Dettelbach, treten die Vögel jetzt wieder in großen Schwärmen auf.
Irene Konrad

Warum Kinder sich mit der Luftverkehrsordnung auskennen sollten und Erwachsene sehnsüchtig auf "Last Christmas" warten?

Der Herbst, der Herbst, der Herbst ist da.  Jüngere Leser wundern sich womöglich ob der Wiederholung. Als hätten sie nicht längst gecheckt, dass die Zeit der kurzen Hosen und des Sonnenbadens vorbei ist. Man spürt förmlich, wie sie die Augen verdrehen. Ältere haben spätestens bei der ersten Wiederholung des Wortes Herbst gedanklich zu summen begonnen. "Er bringt uns Wind, heihussassa!" Kein Grundschuljahr, in dem das Lied nicht gesungen wurde. Ist das heute eigentlich noch so? Womöglich ist heihussassa ja auch längst politisch unkorrekt. Man muss ja vorsichtig sein, heutzutage.

Jedenfalls hat das Lied recht, der Herbst bringt uns den Wind. Zu sehen an der kleinen Schlange unter der Wolke auf der Wetter-App. Zu spüren an der Frisur – bei Frauen. An den Ohren – bei Männern mit wenig Haar. Und an der Lust darauf, Drachen steigen zu lassen – bei Kindern. Wobei man das auch als Erwachsener mal wieder machen könnte. In echt. Und in Gedanken.

So einen Drachen hat ja jeder in der Bekanntschaft. Den mal richtig in die Luft gehen zu lassen, das wär's. Wie Harry Potter es mit der Tante gemacht hat, die ihn getriezt hat. Einfach aufblasen, steigen lassen und dann die Schnur loslassen. Gedankenspiele, die einen unvermittelt lächeln lassen. Und schon ist das Leben ein bisschen leichter. Obwohl der Drache noch da ist.

Die Umgebung von Flugplätzen und Autobahnen ist für Drachen tabu

Zumal es ja hier um die Drachen mit n geht. Die Gebilde, die mancherorts über den Weinbergen schweben, um die leidigen Vögel zu vertreiben, die sich an den Trauben gütlich tun wollen. Und die Drachen an den Schnüren in Kinderhänden. Dabei ist Vorsicht geboten. Nicht, weil die Kids wegfliegen könnten. Sondern weil es Regeln gibt. Abstand halten von Stromleitungen. Bei Gewitter nicht fliegen lassen. Und die Luftverkehrsordnung beachten. Echt jetzt. Egal wie groß sie sind und aus welchem Material: Drachen unterliegen der Luftverkehrsordnung. Schreibt die N-Ergie und erklärt es genauer: Die Umgebung von Flugplätzen und Autobahnen sei für Drachen tabu.

Ganz weit gegriffen, kann man die Drachen-Spezies mit Vögeln in einen Topf werfen. Die fliegen ja auch. Momentan vor allem Zugvögel. Wenn der Herbst kommt, klingelt ihre innere Uhr, sie machen sich auf den Weg in wärmere Gefilde. Davor sammeln sie sich – und wer mal "Die Vögel" gesehen hat, beobachtet das Geschehen mindestens mit Skepsis. Wenn nicht mit Gruseln.

"Mehr als 50 Millionen Zugvögel verlassen aktuell ihre Brutgebiete in Bayern, um in Südeuropa oder Afrika zu überwintern", informierte der Landesbund für Vogelschutz diese Woche. Allein beim Gedanken ans millionenhafte Geflatter, Gezwitscher und Gekreische zieht, ganz Hitchcock-like, die Gänsehaut über die Arme.

Zum Glück ist der Herbst auch die Zeit der Kuscheldecken. Kopf drunter, ausharren. Bis die Vögel weg sind und "Last Christmas" erklingt. Und, summen Sie schon?