Kronach —  Sie sangen bei kirchlichen Festen und Gottesdiensten, Konzerten und Projekten - über 110 Jahre erfreuten Sänger des evangelischen Kirchenchors der Christuskirche Kronach die Kirchengemeinde mit wunderbaren musikalischen Glaubensbekenntnissen. Beschleunigt durch die Corona-Krise, löst sich der Kirchenchor nun auf. Leider machte die Pandemie auch das geplante Abschiedsfest zunichte. So wurde die Auflösung im kleinen, aber dennoch sehr würdevollen Rahmen beim Gottesdienst am Sonntag vollzogen.

Der 1. Advent, Beginn eines neuen Kirchenjahres, erinnere, so Pfarrer Achim Gerber in seiner Predigt, die Menschen an die Vergänglichkeit, sei aber zugleich auch ein Ausdruck der Vorfreude auf die Ankunft Gottes. "Abschied nehmen und loslassen, aber auch offen sein für Neues" - der Termin sei damit, so der Pfarrer, ein guter Tag für die Verabschiedung des evangelischen Kirchenchors. "Das Singen in dieser Form geht heute leider zu Ende", bedauerte er, dass die aktuelle Situation die Auflösung beschleunigt habe. Einhergehe dieser Abschied mit Traurigkeit und Wehmut, vor allem aber mit Dank für die vergangenen über 110 Jahre.

Ökumene gelebt

Zehn bis 15 Mal pro Jahr hätten die Sänger die Kirchengemeinde erfreut - und das bei einer durchschnittlichen Beteiligung von etwa 80 Prozent. Unvergessen blieben Konzerte gemeinsam mit anderen Chören, womit sie Ökumene im besten Sinne gelebt hätten. Gerne hätte Chormutter Heidi Diller ein schönes Abschiedsfest gefeiert, was Corona leider zunichte gemacht habe. Ihr sowie dem Chorleiter Marius Popp - wie auch allen Chor-Mitgliedern - galt sein besonderer Dank.

Eine große Ehre war es ihm, Heidi Diller für 50 Jahre aktives Singen die Ehrenurkunde des Verbands evangelischer Chöre in Bayern "Singen in der Kirche" überreichen zu dürfen. 28 Jahre davon übte sie das Amt der Chormutter voller Herzblut aus, wobei sie zugleich unter anderem auch "Seelsorgerin" und "Eventmanagerin" für die Chor-Mitglieder gewesen sei. Die Geehrte wiederum nutzte den Rahmen, um Kirchenmusikdirektor Marius Popp - seit September 2002 Leiter des Chors - nachträglich zu seinem 65. Geburtstag zu gratulieren. Namens des Chors überreichte sie ihm eine Dankurkunde, eine Aufmerksamkeit sowie eine Spende für die Orgel. "Danke, was du für uns in all den Jahren getan hast und was wir von dir gelernt haben", meinte sie sichtlich bewegt.

"In den rund 111 Jahren war der Chor ein Kulturträger, aber gerade auch ein Aushängeschild und Botschafter unserer Stadt", würdigte Bürgermeisterin Angela Hofmann, dass dieser mit seinen Auftritten - beispielsweise bei den Ausflügen - Kronach nach außen getragen habe. Hiervon zeuge auch die Auszeichnung mit der Zelter-Plakette, die dem Chor an Ostern 2018 verliehen wurde. Vor allem habe den Chor auch die gute Kameradschaft und Freundschaft ausgezeichnet.

Ihr Dank galt allen Mitgliedern für ihre Zeit und Mühen, um den Menschen mit ihrem Gesang eine Freude zu bereiten. Größten Respekt zollte sie der unermüdlichen Chormutter Heidi Diller sowie Dekanatskantor Marius Popp, der den Chor sehr nach vorne gebracht habe. An dem Tag in die Reihen der Sänger zu schauen, erfülle ihn, so der Vertrauensmann des Kirchenvorstands, Ulrich Oßmann, mit großer Wehmut. Er erinnerte an unzählige Auftritte, aber auch an viele gesellige Veranstaltungen, liebevoll vorbereitete Weihnachtsfeiern mit dem Besuch des Nikolaus, den legendären Chor-Fasching mit Einlagen und perfekt organisierte Mehrtagesausflüge.

"Jericho" als Abschiedsgeschenk

Als Abschiedsgeschenk kündigte Dekanin Ulrike Schorn einen Auftritt der in Schweinfurt beheimateten Band "Jericho" an, sobald dies die aktuelle Situation wieder zulasse. Die Dekanin verlas auch ein Dankschreiben ihrer Vorgängerin Dorothea Richter, die von ihrem Wohnsitz in Bayreuth aus herzliche Grüße übermittelte. Richter bedauerte es sehr, dass die Geschichte des Chors, die sie 24 Jahre lang mit erleben durfte, zu Ende gehe. Gerade an den Feiertagen, wenn die Menschen lieber für sich privat sein wollten, habe der Chor bei seinen Kirchen-Auftritten wunderschöne musikalische Akzente gesetzt. Bei aller Traurigkeit sei sie auch gespannt, ob sich vielleicht eine singbegeisterte neue Gruppe zusammenfinde.

Im anschließenden kleinen Festakt im Gemeindehaus war es Heidi Diller ein großes Bedürfnis, Dank zu sagen - sowohl an ihre Sänger als auch an Weggefährten, die den Chor in all den Jahren in unterschiedlichster Art und Weise unterstützt hatten. Die Chor-Mitglieder duften sich über eine Geschenktüte mit Aufmerksamkeiten wie einer Kirchenchor-Tasse mit süßem Inhalt, einen von der Kirchengemeinde noch entsprechend aufgestockten Gutschein bei den Geschäften der Aktionsgemeinschaft Kronach freuen wie auch einen Festungsführer - ein Geschenk seitens der Stadt Kronach. Für alle gab es auch eine liebevoll gestaltete Dankurkunde, auf der auf der Rückseite die Zelter-Plakette aufgedruckt ist.

Viele der Sänger sind schon seit Jahrzehnten dabei; am längsten Else Dauer, die bis zur Auflösung 66 Jahre lang im Chor gesungen hatte. Für die Weggefährten - darunter die Geistlichkeit der Kirchengemeinde, die Pfarramts-Sekretärinnen, der langjährige Chor-"Nikolaus" Peter Anklam und die Bürgermeisterin - gab es Kirchenchor-Tassen mit einem süßen Betthupferl.

Stetig gesteigert

Aber auch Kirchenmusikdirektor Marius Popp sagte Dank für die vergangenen 18 Jahre, in denen der Chor eine stetige Steigerung erfahren habe. Es sei fast ein Phänomen, dass der Chor, obwohl er immer älter geworden sei, immer besser geklungen habe. Dies habe an der wunderbaren Zusammenarbeit gelegen. Er freute sich: "Ich habe in dieser Zeit viel persönlich als Mensch zurückbekommen - Wärme, Freundlichkeit und Zuneigung. Ich verdanke dem Chor viele wunderbare Erlebnisse und ich bin sehr froh, ein Teil davon gewesen zu sein."