"Wie schön, ein Kess-Nest zum Abschied", sagte Annerose Simon nicht ohne Wehmut, als sie den großen Blumenstrauß und einen Bücher-Gutschein zum Abschied von Gerhard Lutz, Leiter der Erziehungsberatungsstelle der Caritas, erhielt. Gemeint ist die liebevoll gestaltete Mitte des Stuhlkreises mit Tüchern, Kerze und den Schlagworten für den Kurs "Kess-erziehen". Kess steht für kooperativ, ermutigend, sozial und situationsorientiert. Annerose Simon war 15 Jahre lang Referentin für diese Kurse, die vom Familienbund der Katholiken initiiert und in Zusammenarbeit mit der Caritas-Beratungsstelle für Familien realisiert wurden.

Seit 2003 werden "Kess-erziehen"-Kurse bundesweit angeboten. Bereits 2005 war Frau Simon nach den Angaben der Caritas eine der ersten Referentinnen für den Kurs im Landkreis Haßberge und hat das Konzept etabliert. Sie zeigte sich stets mit viel Herzblut und Engagement als Ansprechpartnerin für Eltern, die ihre Erziehungskompetenzen stärken und weiter entwickeln wollten.

Nach 15 Jahren wollte Frau Simon nun einen Schlusspunkt setzen: "Mit über 60 Lebensjahren ist man dem Ende des Lebens näher als dem Anfang. Nach so vielen schönen Jahren der Zusammenarbeit mit Eltern und Kindern möchte ich meinen Fokus nun mehr auf die Hospizarbeit richten. Außerdem ändern sich die Zeiten. Ich komme noch aus einer Eltern-Generation, in der vor einem Abstand unter einem Meter vor dem TV-Gerät gewarnt wurde. Heute ist das in Zeiten von Smartphones und Tablets unvorstellbar."

Was sich in all den Jahren aber nicht geändert hat, ist der Bedarf an Unterstützung in Erziehungsfragen. Die hohe Weiterempfehlungsrate der Kess-Kurse spricht laut Caritas für sich. Aber auch die zahlreichen positiven Rückmeldungen von den Kursteilnehmern beeindruckten Gerhard Lutz jedes Mal aufs Neue: "Die Eltern bestätigen durchweg die hohe Kompetenz und das große Einfühlungsvermögen von Frau Simon und heben stets die alltagspraktischen Hilfestellungen heraus, die sie aus dem Kurs mitgenommen haben. Seit 15 Jahren bieten wir diese Kurse mit Frau Simon an: 41 Kurse mit 485 Teilnehmerinnen und Teilnehmern und somit über 1000 Kindern, die davon profitieren konnten. Eine beeindruckende Bilanz. Ich denke, ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass Simon und Caritas-Erziehungsberatung ein echtes Erfolgsmodell für alle Beteiligten waren."

Anna Hartmann aus Haßfurt besuchte einen der Kurse, und auch sie hat für die scheidende Kursleiterin viele lobende Worte parat: "Frau Simon hat es mit ihrer tiefgreifenden und einprägsamen, wenn auch nicht aufdringlichen Art geschafft, eine Atmosphäre zu schaffen, in der jeder mitgenommen werden konnte. Ich bin sehr froh, dass ich einen ihrer Kurse besuchen und von Frau Simons Kompetenz profitieren konnte."

Die "Kess-erziehen"-Kurse gehen weiter. Die Simon-Nachfolgerin Ute Rapsch, Lebensberaterin und zertifizierte Kess-Trainerin, hat bereits den ersten Kurs geleitet. 2021 sind weitere Termine in Planung. Weitere Informationen gibt es online unter: www.caritas-hassberge.de. red