Es war einmal vor langer Zeit, da löschten die Menschen ihren Durst mit Bier aus dem eigenen Felsenkeller. Zuvor hatten sie es entweder in Kommunbrauhäusern gebraut oder den noch jungen Gerstensaft im Fass von einer Brauerei geholt.
Mit der Zeit aber geriet das alles in Vergessenheit und die Keller wurden nicht mehr gebraucht. Bier trank man aus Flaschen und kaum jemand fand noch Geschmack an dem ungespundenen Hausbräu. Bis sich vor etwa zwanzig Jahren in Lonnerstadt, einer ehemaligen Hochburg des Hopfengebräus, einige junge Leute dieser Jahrhunderte alten Tradition besannen und sie zu neuem Leben erweckten.
Neun Lonnerstadter waren es, die sich zunächst als Felsenkellerfreunde und ab 2002 als GbR, Gesellschaft des bürgerlichen Rechts, - mit Brief und Siegel notariell eingetragen - zusammen taten.
Und auf einmal feierte die Tradition am "Katzergrobn", wo sich ein Großteil der Lonnerstadter Felsenkeller befindet, fröhliche Urständ: Das ehemalige Gemeinschaftsgefrierhaus, heute der zentrale Punkt in der Kelleranlage, wurde erworben. Kellerhälse (so heißen in Franken die Eingänge zu den Felsenkellern) wurden nach alten Vorbildern renoviert. Hinter jedem von ihnen finden sich mehrere Besitzer zusammen. Ja sogar ein Pavillon wurde in Zusammenarbeit von Felsenkellerfreunden, Dorferneuerung und Gemeinde geschaffen.


Neubürger willkommen

Nun, da die ersten weißen Strähnen ihr Haupthaar durchziehen, denken die Felsenkellerfreunde an ihr Erbe. Damit es in ihrem Sinne weiter geht, soll ein Verein ins Leben gerufen werden. Und weil das etwas ganz Neues wäre, "haben junge Leute und Neubürger die Möglichkeit, den Verein nach ihren Vorstellungen zu gestalten", sagt Detlev Knapp.
Er steht zur Zeit noch der GbR der Felsenkellerfreunde vor. Auch Alfred Freudenthaler, sein Vize, hofft am kommenden Freitag auf viele Gründungsmitglieder. Auch Damen seien sehr willkommen.
"Wir haben die Bauarbeiten an den Kellern und am Pavillon angestoßen und mit unserer Arbeitskraft unterstützt", sagt Alfred Freudenthaler. Um dieses kulturelle Erbe weiter zu pflegen, seien die Kellerfreunde ein zu kleiner Kreis, nicht zuletzt aber auch zu alt, betont Freudenthaler, selbst der jüngste in diesem Zusammenschluss.
"So ein Ambiente inmitten des Ortes ist etwas Einmaliges. Das ist die grüne Lunge von Lonnerstadt", findet Reinhold Teufel, der als glücklicher Besitzer eines Felsenkellers schnell eine "Stützn" holt und in die Runde gehen lässt.


Am Freitag im Kellerhaus

Die Mitglieder der GbR sind sich sicher, dass für eine Vereinsgründung ausreichend Interesse vorhanden ist. Sogar ein Vorsitzender wäre schon da. Wer, das wird noch nicht verraten, das müsse die Gründungsversammlung entscheiden. "Wir möchten vor allem das gesellige Beisammensein", sagt Detlev Knapp. Das Kellerhaus der GbR, wo auch die Gründungsversammlung stattfindet, soll langfristig ins Eigentum des Vereins übergehen. Ebenso das Abteil der GbR im benachbarten Felsenkeller.
Die Gründungsversammlung findet am Freitag, 15. April, um 19 Uhr im Kellerhaus der Felsenkellerfreunde statt.