Sabine Memmel

"Bei uns gab es alles. Vom Brathering bis zum Schnürsenkel", erinnert sich Renate Schuler (68). Fast 40 Jahre betrieb sie den Tante-Emma-Laden in Etzelskirchen. Übernommen von ihren Schwiegereltern. Das Geschäft lief gut. Bis die großen Discounter nach Höchstadt kamen. "Das war das Aus. Es hat sich nicht mehr rentiert."
Das Einkaufsverhalten hat sich drastisch verändert. Gefragt sind große Supermärkte mit großer Auswahl und noch größeren Parkplätzen statt kleiner Lebensmittelläden direkt vor Ort. Die sterben immer weiter aus. Die Zahl von Nahversorgern, die fußläufig zu erreichen sind, geht stetig zurück. Vor allem ländliche Regionen sind betroffen. Das ergab jetzt eine groß angelegte Recherche des Bayerischen Rundfunks.
Im Landkreis Erlangen-Höchstadt ist das nicht anders. Schulers Laden in Etzelskirchen ist da nur ein Beispiel. 2000 musste Renate Schuler schließen. Und das fiel ihr alles andere als leicht: "Ich konnte nicht woanders einkaufen. Das musste mein Mann machen. Bestimmt ein halbes Jahr lang."
Lebensmittel aus Säcken und Eimern verkauft, Naschsachen für die Kinder, Zeitschriften, Lotto - nichts, das es in ihrem Laden nicht gab. "Viele hatten damals keinen Führerschein. Heute ist das natürlich anders", sagt Schuler, die inzwischen in denselben Räumlichkeiten einen Hildegard-von-Bingen-Laden betreibt.
Auch Hilde Haberkamm musste 2002 ihren Dorfladen in Lonnerstadt aufgeben, als die Einzelhandelskette Kaufland im nur zwei Kilometer entfernten Höchstadt eröffnete. "Es hat sich einfach nicht mehr gelohnt. Außerdem war ich damals schon 71", sagt Haberkamm.
Zum Glück müssen viele kleine Orte trotzdem nicht ganz auf eine Nahversorgung verzichten. So fahren zum Beispiel die Metzgerei Mönius aus Aisch und die Bäckerei Schmidt aus Wachenroth regelmäßig ihre Runden durch die Dörfer. "Vor allem die älteren Leute sind froh, dass jemand kommt. Wir haben aber auch jüngere Kundschaft. Das Publikum ist gemischt", erklärt Matthias Mönius.


Regelmäßige Touren

Die Touren von Zentbechhofen über Jungenhofen bis nach Kieferndorf und Medbach - jeweils immer samstags - lohnen sich deshalb nach wie vor. "Es ist aber schon etwas weniger geworden. Viele kaufen eben doch beim Discounter, weil er auf dem Weg von der Arbeit liegt", sagt Mönius.
Auch Sigrun Schmidt vom Wachenrother Bäck stellt das immer wieder fest: "Unsere Kunden sind hauptsächlich ältere Menschen, die nicht wegfahren können. Die jungen Leute sind alle mobil und fahren in die Stadt."
Ihre Mitarbeiter fahren zweimal in der Woche unter anderem nach Ailsbach, Weingartsgreuth, Jungenhofen, Steppach und Reichmannsdorf. "Viele schätzen dieses Angebot und freuen sich auf uns. Teilweise bringen wir die Ware bis vor die Tür, wenn jemand gehandicapt ist."