In den Kliniken der Region hat sich die Corona-Situation merklich entspannt - zumindest in den meisten. 55 Covid-19-Patienten werden derzeit in den Häusern behandelt, sieben davon auf den Intensivstationen. Diese Zahlen vermeldete Regiomed-Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke am Dienstagmittag. Allerdings gibt es Unterschiede: In Hildburghausen, wo die Inzidenzzahlen nach wie vor hoch sind, werden derzeit rund 30 Patienten behandelt. Zudem seien rund 20 der Mitarbeiter in den Henneberg-Kliniken infiziert, sagte gestern Geschäftsführer Michael Musick.

Die Patienten, betont Musick, seien infiziert ins Klinikum gekommen. Derzeit werde versucht, zu analysieren, wie es zu den Infektionen beim Personal kam. Fest steht offenbar nur, dass es unabhängig voneinander auf drei Stationen Ausbrüche gab. Die Folge: Das Klinikum wurde aus der Versorgung abgemeldet, die Station 2 ist ganz geschlossen. Notfallversorgung sei noch möglich, sagt Musick, und auch Intensivpatienten könnten noch aufgenommen werden. Aber die gesamte "elektive Versorgung", also die geplanten Eingriffe, seien für diese Woche abgesagt worden. Alle Patienten und alle Mitarbeiter werden nun auf eine Corona-Infektion getestet.

In den übrigen Regiomed-Kliniken sind die Stationen und Operationssäle wieder voll in Betrieb. Dort können auch geplante Eingriffe vorgenommen werden - wenn die Patienten sich darauf einlassen. Doch offenbar haben viele Patienten Angst, sich bei einem Krankenhausaufenthalt anzustecken. Das, sagt Ulrich Zuber, habe "schon viel Schaden angerichtet". Der Allgemeinmediziner aus dem Itzgrund, Vorsitzender des Hausärzteverbands in Coburg, und sein Kollege vom Facharztverband, der Kardiologe Helmut Keller, waren der Regiomed-Pressekonferenz am Dienstag zugeschaltet. Ihre Mission: Die Angst nehmen vorm Arzt- oder Klinikbesuch. Denn auch dank der Impfungen von Pflegern und Ärzten habe sich die Corona-Situation entspannt.

Keller spricht davon, dass die Zahl der akut behandelten leichten Fälle seit Beginn der Pandemie um 25 Prozent zurückging. Die Betroffenen hätten sich trotz eindeutiger Beschwerden nicht in Behandlung begeben. Keller vermutet, "dass die Leute dadurch Schaden genommen haben, weil sie nicht in die Notaufnahmen gingen oder zu den Haus- und Fachärzten". Viele würden auch anstehende Katheder-Untersuchungen im Klinikum verschieben wollen. Aber: "Das Corona-Risiko, das viele Leute sehen, entspricht nicht der tatsächlichen Gefahr", ist der Kardiologe überzeugt. "Die reale Gefahr ist deutlich geringer als die Gefahr durch Versäumnisse. Wir versuchen, unsere Patienten zu ermuntern, die Termine wahrzunehmen."

Zu wenig Kontakt zu den Ärzten

Die Kliniken achten streng auf Hygiene und darauf, die Coronapatienten von den übrigen Stationen abzuschirmen, betonte der dafür zuständige Geschäftsführer Robert Wieland. Das beginne schon beim Betreten des Krankenhauses, wo jeder Patient, ob geplant oder akut, isoliert werde, bis ein erstes Corona-Testergebnis vorliege. Das gelte auch für Menschen, die als Externe im Krankenhaus tätig sind, wie Seelsorger oder Logopäden. Sollten beim Personal Corona-Infektionen festgestellt werden, beginne sofort die Nachverfolgung, wo es Kontakte gab. Auch werde darauf geachtet, dass die Mitarbeiter untereinander die Abstands- und Hygieneregeln einhalten. Außerdem seien in allen Häusern Besuche nur in Ausnahmefällen erlaubt.

Das aber führt zu neuen Problemen, wie Helmut Keller sagte: Gerade bei älteren Patienten seien vielfach die Angehörigen unzufrieden, dass sie nicht direkt mit den behandelnden Ärzten im Klinikum sprechen können. "Da sollte etwas angeboten werden", sagte er. Ein Problem, das offenbar auch im Klinikum bekannt ist: Über Lösungsmöglichkeiten wie eine Art Hotline werde nachgedacht, berichtete Schmidtke.